Horst Claasen (Dieter Schaad) alarmiert die Polizei, nachdem er aus Verzweiflung seine Ehefrau (Liane Düsterhöft) getötet hat. Foto: Radio Bremen/Christine Schröder Horst Claasen (Dieter Schaad) alarmiert die Polizei, nachdem er aus Verzweiflung seine Ehefrau (Liane Düsterhöft) getötet hat. Foto: Radio Bremen/Christine Schröder
Fernsehen

Bremer Tatort hinter den Kulissen des Pflegesystems

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Mit dem 90-Minüter "Im toten Winkel" hat Radio Bremen einen Tatort produziert, der weniger klassischer Krimi als vielmehr sozialkritisches Drama ist. Zu sehen ist die Folge am Sonntag, 11. März, um 20.15 Uhr im Ersten.

Als der Rentner Horst Claasen (Dieter Schaad) seine demenzkranke Frau tötet, sehen sich die Bremer Ermittler Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) mit einem gesellschaftlichen Tabuthema konfrontiert. Hat sich Horst Claasen die häusliche Pflege tatsächlich nicht mehr leisten können?

Der Gutachter Carsten Kühne (Peter Heinrich Brix) führt die Ermittler Schicht um Schicht in den Alltag von Pflegenden ein, die sich aufopferungsvoll um ihre Angehörigen kümmern. Die Kommissare geraten in einen toten Winkel des deutschen Pflegesystems, ihnen stockt angesichts der Ungerechtigkeit und der persönlichen Schicksale der Atem.

Der Mörder steht gleich zu Beginn fest

Mit dem jüngsten Bremer Tatort „Im toten Winkel“ hat Radio Bremen einen 90-Minüter produziert, der für einen klassischen Krimi ein Stück weit ungewohnt daherkommt. Denn gleich zu Beginn steht fest, dass Rentner Horst Claasen es war, der seine Ehefrau aus finanzieller Not heraus erstickt hat, bevor er anschließend vergeblich versuchte, sich selbst das Leben zu nehmen.

Muss jemand in einem reichen Land wie Deutschland allen Ernstes seine Liebsten oder sich selbst töten, weil das Leben einfach nicht mehr zu finanzieren ist?! Um diese bedrückende Frage dreht sich das weitere Geschehen.

Der Gutachter Carsten Kühne (Peter Heinrich Brix, links) ist erschüttert, als er durch die Ermittler Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) vom Mord an einer seiner Klientinnen erfährt. Foto: Radio Bremen/Christine Schröder

Der Gutachter Carsten Kühne (Peter Heinrich Brix, links) ist erschüttert, als er durch die Ermittler Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) vom Mord an einer seiner Klientinnen erfährt. Foto: Radio Bremen/Christine Schröder

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Büttenwarder-Star übernimmt eine der Hauptrollen

Die Kommissare Lürsen und Stedefreund haben es bei ihren Ermittlungen immer wieder mit dem Gutachter Carsten Kühne, gespielt von Büttenwarder-Star Peter Heinrich Brix, aber auch Angehörigen pflegebedürftiger Menschen zu tun. Eindrucksvoll gelingt es Regisseur Philip Koch dabei, die Belastung und den Druck, die auf eben jenen lasten, zu visualisieren.

Standen beim vorigen Bremer Tatort noch die Liebeswirren um Kommissar Stedefreund im Fokus, beleuchten die Macher diesmal im Speziellen die Gemütslage Inga Lürsens. Beeindruckt von den Begegnungen mit überforderten Angehörigen und Pflegediensten, macht sie sich Gedanken darüber, wie sie ihren eigenen Lebensabend sieht und ob sie ihrer Tochter eines Tages „zur Last fallen“ möchte. Erstaunlich kühl und zur Verwunderung ihrer Kollegen thematisiert sie dabei gar ein für die Gesellschaft „sozialverträgliches Frühableben“.

Allen Krimi-Freunden sei verraten: Auch „Im toten Winkel“, der am Sonntag, 11. März, ab 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt wird, geschieht noch ein weiterer Mord. Dennoch ist dieser Tatort eher ein sozial- und gesellschaftskritisches Drama, das an die Nieren geht. Wer sanfte Wohlfühl­unterhaltung zum Erdnüsschen bevorzugt, fährt mit Katie Fforde im Zweiten sicher besser.

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