Der Durchschnittspreis für ein Reihenhaus oder eine Doppelhaushälfte ist im Speckgürtel von Bremen um fast 20 Prozent gestiegen, so Ernst Kramer, Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte. Foto: Möller Der Durchschnittspreis für ein Reihenhaus oder eine Doppelhaushälfte ist im Speckgürtel von Bremen um fast 20 Prozent gestiegen, so Ernst Kramer, Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte. Foto: Möller
Neuer Marktbericht

„Preisanstieg bei Wohnimmobilien ist bedenklich“

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Der neue Grundstücksmarktbericht des Gutachterausschusses für Grundstückswerte belegt für Wohnimmobilien im Landkreis Osterholz eine Verteuerung um bis zu 20 Prozent. Das halten Experten für bedenklich.

Die Immobilienpreise ziehen kräftig an. Gestern hat das Katasteramt den neuen Grundstücksmarktbericht vorgestellt. Für ein freistehendes Einfamilienhaus im Landkreis Osterholz betrug die Preissteigerung 2017 im Durchschnitt 15 Prozent. Der mittlere Kaufpreis liegt an Hamme und Wümme aktuell bei 220.000 Euro und damit deutlich höher als in den Landkreisen Cuxhaven (140.000) und Rotenburg/Wümme (160.000) und erstmals auch höher als im Landkreis Stade (205.000). „Der Durchschnittspreis für ein Reihenhaus oder eine Doppelhaushälfte ist im Speckgürtel von Bremen sogar um fast 20 Prozent auf 196.000 Euro hochgeschnellt“, so Diplom-Ingenieur Ernst Kramer, Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte beim Katasteramt.

Für das Jahr 2017 werteten die Gutachter insgesamt 1.732 Grundstücksverträge im Landkreis Osterholz aus, gegenüber dem Vorjahr war dies ein Anstieg bei den Verkäufen um fünf Prozent. Es wurde dabei eine Grundstücksfläche von insgesamt 633 Hektar (Vorjahr: 607 Hektar) im Gesamtwert von 282,8 Millionen Euro (Vorjahr: 243 Millionen Euro) umgesetzt.

Zum Kaufpreis kommen die Kosten für Renovierungen dazu

Für freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser waren 2017 im Landkreis Osterholz durchschnittlich 220.000 Euro zu bezahlen (2016: 190.000), für ein Reihenhaus oder eine Doppelhaushälfte waren im Schnitt 196.000 Euro zu bezahlen gewesen (2016: 165.000 Euro).

Ernst Kramer kritisiert insbesondere den Preisanstieg für ältere Häuser als überteuert: „Der eine oder andere Käufer ist sich möglicherweise nicht ausreichend darüber im Klaren, wieviel es dann noch einmal kosten wird, ein älteres Haus an neuzeitliche Wohnanforderungen anzupassen und zeitgemäß zu dämmen.“

Grundstückmarkt ist noch nicht „überhitzt“

Über einen längeren Zeitraum, und zwar von 1996 bis heute betrachtet, erscheint die Angst vor einer Überhitzung des Grundstücksmarkts jedoch zumindest für die überwiegend ländlich strukturierte Elbe-Weser-Region noch unbegründet. Inflationsbereinigt habe der aktuelle Preisanstieg die in den Jahren 1999 bis 2008 für Wohnimmobilien eingetretenen Wertverluste noch nicht vollständig ausgeglichen.

Die aktuell registrierten zweistelligen Preiszuwachsraten seien Folge einer „freien, aktuell eher unsozialen Marktwirtschaft“. Die Preisschere zwischen Stadt und Land öffne sich immer weiter, „weil der hohen Nachfrage in den Oberzentren und vielfach auch in den unmittelbar benachbarten Gemeinden ein unzureichendes Angebot an Bestandsimmobilien und an neuen Baugebieten gegenübersteht“, so Kramer. Für Normalverdiener seien die hohen Preise in der Stadt zunehmend nicht mehr finanzierbar. Sie würden quasi gegen ihren Willen in das weitere Umland getrieben. „Diese Entwicklung ist volkswirtschaftlich sehr bedenklich“, sagt Kramer. Denn gerade junge Familien drängten ja nicht ohne Grund in die Städte. „Man will nicht täglich im Verkehrsstau stehen und durch ein zentrales Wohnquartier auch einen Beitrag gegen die fortschreitende Luftverschmutzung leisten.“ Die derzeitige Preisentwicklung verhindere dies, ihre Eindämmung sollte ein aktuell vordringliches Ziel der Politik sein. Als eine naheliegende Möglichkeit schlägt Kramer die Erhöhung der verfügbaren Bauflächen in der Stadt durch eine stärkere Besteuerung unbebauter Bauflächen vor. Die Erhebung der Grundsteuer sei laut dem aktuellen Beschluss des Bundesverfassungsgerichts ohnehin kurzfristig völlig neu zu regeln.

Marktbericht kann beim Katasteramt bezogen werden

Der Grundstücksmarktbericht 2018 des Gutachterausschusses für Grundstückswerte kann beim Katasteramt bezogen werden, die Onlineversion kostet 60 Euro, die Druckausgabe wird für 90 Euro verkauft. Nähere Informationen gibt es auch unter www.gag.niedersachsen.de

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