Die Kanadagans vermehrt sich zunehmend auch in Norddeutschland. Im Bremer Stadtgebiet wurden deshalb im vergangenen Jagdjahr 20 der Vögel geschossen. Foto: Bollmann
Biologische Invasion

Gebietsfremde Tierarten: Zuwanderer im Fadenkreuz

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Nutrias, Marderhunde, Kanadagänse: In Bremens Fauna machen sich gebietsfremde Arten breit. Bremer Jäger erlegen nun vermehrt diese Tiere - und plädieren für eine Anpassung des hiesigen Jagdrechts.

Im aktuellen Streckenbericht des gerade zu Ende gegangenen Jagdjahres 2017/18 finden sich diesmal eine deutlich gestiegene Anzahl an erlegten Tieren gebietsfremder Arten (Neozoen). Vor allem Zuwanderer wie Nutria, Marderhund und Kanadagans haben die Jäger im Bremer Stadtgebiet verstärkt ins Visier genommen und zur Strecke gebracht.

Erstmals tauchen die vermehrungsfreudigen Nutrias im Streckenbericht für das Gebiet der Stadtgemeinde Bremen auf: Danach wurden bis Ende März 127 Exemplare der ursprünglich aus Südamerika stammenden Biberratte erlegt.

Allerdings müsse er diese Zahl wohl noch nach oben auf 195 korrigieren, erklärt der Bremer Stadtjäger Harro Tempelmann. Die zugewanderten Wühler durften nämlich erst seit vergangenem Jahr mit einer Ausnahmegenehmigung erlegt werden. Deshalb seien Meldungen über erlegte Nager wohl auch bei der Umweltbehörde eingegangen und müssten nun noch nachträglich in den Streckenbericht eingepflegt werden.

6 Euro pro erlegtem Nutria

Dabei müssten gerade die Nutrias verstärkt bekämpft werden und endlich ins Jagdrecht aufgenommen werden, fordert der Vizepräsident der Landesjägerschaft Bremen Marcus Henke. Mit ihren Gängen gefährden die Wühler nämlich Deichbauwerke und richten in Uferbereichen und Gräben gewaltige Schäden an.

Selbst im Blockland, wo man 144 Nutrias erlegt habe, wachse der Bestand weiter an, berichtet Henke. Zudem könne man die Nager wegen der Brutzeit gegenwärtig nur mit Fallen bejagen, von denen man zurzeit viel zu wenig habe. Deshalb unterstütze der Deichverband die Jäger mit 4.000 Euro für die Anschaffung zehn weiterer Kastenfallen und zahle außerdem pro erlegtem Nutria 6 Euro.

Obwohl die Landesjägerschaft schon 2012 einen Antrag auf Bejagung der Wühler gestellt hat, wurden die Nutrias noch immer nicht ins Jagdrecht aufgenommen, sondern dürfen nur über viel umständlichere Sondergenehmigungen bejagt werden, ärgert sich Henke: „Jetzt haben wir die Nutrias überall in der Fläche.“

Vertreibung einheimischer Arten

Das gleiche gilt übrigens für weitere neozoene Arten wie Marderhund, Nilgans und Waschbär, die in Bremen – im Gegensatz zu Niedersachsen – nicht als jagdbare Arten gelten. Dabei schreibt das EU-Recht die Bejagung von 37 (von insgesamt 12.000) invasiven Arten ausdrücklich vor, weil sie einen schädlichen Einfluss auf die heimische Tierwelt haben, erläutert Tempelmann. So verdränge in Brandenburg der Marderhund bereits den Fuchs und die Nilgans vertreibe mit ihrer aggressiven Art Enten, Bussarde und sogar Störche von ihren Brutplätzen.

Tempelmann hofft daher genau wie Henke, dass die Bremer Umweltbehörde möglichst zügig das Jagdrecht um diese Zuwanderer ergänzt, um die Ausbreitung dieser invasiven Arten zu beschränken.

Kanadagans darf gejagt werden

Zumindest im vergangenen Jahr wurden vom Waschbären lediglich zwei Exemplare erlegt, ein Jahr zuvor waren es noch drei Tiere. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Marderhunden, von denen es zehn erlegte Exemplare waren und im Vorjahr elf Tiere.

Erstmals im Bremer Streckenbericht tauchen übrigens zwei weitere Zuwanderer auf, die sich in Bremen und Norddeutschland schon seit einigen Jahren prächtig vermehren: Von der ursprünglich aus Afrika stammenden Nilgans waren es zwei erlegte Exemplare und bei der aus Nordamerika stammenden Kanadagans 20 Tiere.

Dabei genießt die gerade im Blockland schon sehr häufige Kanadagans übrigens keinen besonderen Schutz und darf – im Gegensatz zur Nilgans – schon bejagt werden.

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