Freiwilliges Soziales Jahr: Auf Großvaters Spuren -
Da sie Regieassistentin werden möchte, startete Canan Venzky ein Freiwilliges Kulturelles Jahr im Bereich Dramaturgie. Sie half auch, den Tag der Freiwilligen zu organisieren. Foto: Schlie
Altruismus

Freiwilliges Soziales Jahr: Auf Großvaters Spuren

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Am Tag der Freiwilligen werden Ehrenamtliche für ihr Engagement gewürdigt. Eine der Organisatoren, Canan Venzky, erklärt, warum ein Freiwilliges Soziales Jahr wichtig ist und warum sie selbst eines absolviert.

„Ich war schon immer am Theater interessiert“, sagt die 20-jährige Canan Venzky. „Es übt auf mich eine ganz große Faszination aus.“ Nach dem Abitur studierte die Bremerin Theaterwissenschaften in Leipzig – aber nur drei Monate lang.

„Der Studiengang war mir zu theoretisch“, erklärt sie. Darum brach sie das Studium ab und zog zurück nach Bremen, um zwei Praktika für jeweils sechs Wochen bam Theater zu absolvieren. Damit sie weiterhin dort bleiben konnte, bewarb sie sich für ein Freiwilliges Kulturelles Jahr beim Träger Sozialer Friedensdienst Bremen (sfd).

„Super, um in die Arbeitswelt einzusteigen“

Im Sommer 2017 startete Venzky im Bereich Dramaturgie. Sie sieht sich Proben an, wird als Regieassistentin eingesetzt und recherchiert die Hintergründe von Theaterstücke. Venzkys Seminargruppe organisierte außerdem den Tag der Freiwilligen, bei dem Bürgermeister Carsten Sieling am Freitag fast 700 Freiwillige für ihr Engagement würdigte.

„Das freiwillige Jahr ist super, um in die Arbeitswelt einzusteigen“, sagt Venzky. Sie möchte Regieassistentin werden. Dann wäre sie neben ihren Großeltern die Einzige in ihrer Familie mit einem künstlerischen Beruf. „Mein Opa hat mich als Kind ins Theater geschleppt“, sagt Venzky. Er hat sich als Bühnenbildner in München selbstständig gemacht und ist jetzt Rentner.

Künstlerische Familie 

„Ich gebe immer damit an, dass er bei der Verfilmung von Charlie und die Schokoladenfabrik geholfen hat.“ Ihre Oma war Kostümbildnerin. Die Anderen der Familie hätten zwar künstlerische Adern, arbeiteten aber nicht künstlerisch.

Ihre Mutter ist Ärztin, ihre Tante Küchenarchitektin und ihr Onkel berät Firmen, wie sie ihre Mitarbeiter vor Burnout schützen. „Mein Opa meinte einmal, manchmal braucht es zwei Generationen“, sagt die Freiwillige.

Der Großvater als Vorbild 

Ihr Vater floh aus politischen Gründen aus der Türkei nach Deutschland. „Er war ein mutiger Mensch“, sagt Venzky. „Bei einer Demonstration hat er sich schützend vor eine Frau gestellt, die sonst von der Polizei verprügelt worden wäre.“

In Bremen arbeitete er mit älteren Migranten zusammen. Bei einem Einsatz versuchte er ein streitendes Ehepaar zu beruhigen und wurde dabei erschossen. „Mein Wunsch ist es, seine Geschichte auf die Bühne zu bringen“, sagt sie.

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