Die Wolfsangst ist zurück: Drei Schafe gerissen -
Marcus Henke zeigt, wie der Wolf das Schaf mit dem Kehlbiss entweder erstickt oder ihm das Genick gebrochen hat. Foto: Bollmann Marcus Henke zeigt, wie der Wolf das Schaf mit dem Kehlbiss entweder erstickt oder ihm das Genick gebrochen hat. Foto: Bollmann
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Die Wolfsangst ist zurück: Drei Schafe gerissen

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Der Wolf ist wieder in Bremen aufgetaucht – und diesmal ist es nicht bei einer harmlosen Begegnung geblieben: Am frühen Dienstagmorgen hat das Raubtier in unmittelbarer Nähe eines Hofes drei Schafe angefallen.

Zwei der Tiere erlegte er an der Oberneulander Landstraße mit dem wolfstypischen Kehlbiss. Das dritte Schaf konnte verletzt entkommen.

Zuletzt hatte der Nebenerwerbs-Biolandwirt am Montag um 22 Uhr nach den sieben Schafen auf der unmittelbar neben dem Hof gelegenen Weide geschaut. „Um Mitternacht bin ich dann noch einmal draußen gewesen“, berichtet Henning Bartels. „Morgens um sieben Uhr habe ich die toten Tiere dann entdeckt.“

Angefressen und fortgeschleift

Kein schöner Anblick. Die beiden gerissenen Tiere wurden teilweise bereits angefressen und fortgeschleift. Die anderen Tiere auf der Weide seien vollkommen verstört, so der Landwirt.

Im Laufe des Vormittags untersuchte dann die Bremer Wolfsberaterin Sonja Hermann die Risse und nahm auch eine DNA-Probe. „Erst wenn die im Senckenberg-Institut untersucht wurde, kann man zweifelsfrei sagen, ob es sich um einen Wolf gehandelt hat“, sagt die Tierärztin. Bis dahin können aber wohl noch einige Wochen ins Land gehen.

Für Hermann ist trotzdem schon klar, dass es sich bei dem Räuber um einen Hund oder Wolf gehandelt haben muss. Auch Marcus Henke von der Landesjägerschaft geht davon aus, dass der Täter ein Wolf war. Schließlich gebe es bei beiden Tieren den Kehlbiss und die typischen Fraßspuren. Zudem habe der Räuber seine 60 Kilogramm schwere Beute fast 20 Meter fortgezerrt.

Räuber könnte zurückkehren

Besonders beunruhigend für den Landwirt dürfte die Einschätzung von Hermann und Henke sein, dass der Räuber eventuell zum Tatort zurückkehren könnte, um weiter zu fressen. Schließlich hat Bartels auf der benachbarten Weide auch noch zwölf Kühe mit ihren Kälbern stehen. Deshalb wird er seine Tiere vor der Dunkelheit zunächst im Stall unterbringen.

Entsetzt über die Risse zeigt sich auch Forkert Marten, der in direkter Nachbarschaft zu Bartels eine Pferdezucht betreibt. In der Nacht hätten sich über 30 Pferde draußen auf den Weiden befunden, davon alleine sechs wertvolle Fohlen in unmittelbarer Nähe der Schafweide. Wie er seine Tiere in Zukunft vor dem Wolf schützen soll, ist ihm noch vollkommen unklar.

Trittsiegel und wolfstypische Rehrisse

Klar ist hingegen, dass die Angst vor dem Wolf wieder da ist. Das dürfte nicht nur für Tierhalter, sondern auch für Eltern von kleineren Kindern gelten, da die Risse in direkter Nähe zu Wohnhäusern vorgefallen sind. Dabei war der Wolf aber ohnehin nicht verschwunden, nachdem das erste Tier im Frühjahr vergangenen Jahres in Borgfeld aufgetaucht war.

Seitdem wurden immer wieder Trittsiegel und wolfstypische Rehrisse gefunden. Zuletzt hatten am 31. Januar zwei Spaziergänger in Borgfeld von einer Begegnung mit einem Jungwolf berichtet.

Unter bit.ly/2zu9jBZ steht eine Liste mit Verhaltensempfehlungen bei Wolfsbegegnungen. Zudem sollte man Wolfssichtungen unter der Rufnummer 36 17 79 00 der Naturschutzbehörde melden.

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