Pro & Contra: Kleidungsordnung in der Bürgerschaft? -
Sieht so der typische männliche Politiker aus? Symbolfoto: pixabay
Ansichtssache

Pro & Contra: Kleidungsordnung in der Bürgerschaft?

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Wie sollten sich Mitglieder der Bürgerschaft kleiden? Anzug, Krawatte für Männer, Hosenanzug für Frauen? Präsident der Bürgerschaft, Christian Weber, und Bürgerschaftsabgeordnete Kai Wargalla sind da geteilter Meinung.

Pro

Christian Weber, Präsident Bremische Bürgerschaft. Foto: pv

Barfuß auf Polstersessel, knappe Hot Pants, Plastikbadelatschen – Sommereindrücke vom Campingplatz? Nein. Sondern Bremer Landtagsabgeordnete bei ihrer gesetzgeberischen Arbeit. Der Tag war heiß. Gewiss.

Aber ist deswegen ordentliche Kleidung, wie sie für Arzt, Anwältin oder Verkäufer aus Respekt vor Kunden, Klienten und Patienten selbstverständlich sind, spießig und von gestern? Sicher nicht. Unsere Gäste kleiden sich für ihren Besuch im Hohen Haus angemessen.

Deshalb müssten auch für Abgeordnete angemessene Kleidung und der respektvolle Umgang miteinander selbstverständlich sein. Barfuß in Latschen und Hot Pants signalisieren Freizeitspaß und eben nicht, verantwortungs- und respektvoll Gesetze für 680.000 Bremer zu beschließen.

Menschen ernst zu nehmen oder Politikverdrossenheit zu fördern und achtlos mit der Demokratie umzugehen – für Abgeordnete fängt es manchmal vor dem Spiegel an.

Contra 

Kai Wargalla, Bürgerschaftsabgeordnete der Grünen

Anzug, Schlips und Lackschuhe im Parlament sind voll okay, Herr Präsident, keine Sorge! Ich akzeptiere Sie so, wie Sie sind. Ich glaube fest daran, dass Sie hohen Respekt vor der Würde des Parlaments haben. Wie auch ich.

Denn: Dies drückt sich nicht im Schuhwerk aus – auch nicht auf Hochzeiten oder Beerdigungen. Es gibt viele Formen des Feierns, des Trauerns und des Politikmachens. Alle können legitim sein. Auch der Sicherheitsaspekt von Berufskleidung gilt hier nicht – mein eigener Dickschädel wird mir schon nicht auf den nackten Fuß fallen.

Außerdem sind Anzugtragende im Parlament ja nun wirklich deutlich überrepräsentiert – so viele Menschen in Anzug gibt es doch in der Gesellschaft gar nicht! Insofern dürfen sicher auch die Bunthaarigen und Barfüßigen repräsentiert werden.

Entwürdigt wird das Parlament nicht durch nackte Füße, sondern durch rechte Hetze. Dem müssen wir uns gemeinsam entgegenstellen – ob mit oder ohne Schuhe.

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