Niels Kucerka vor "seinem" Koloss: Seit einem Jahr arbeitet der Techniker in der Getreideverkehrsanlage. Foto: Schlie
Unbekanntes Bremen

Getreideverkehrsanlage: Ein kolossaler Aufstieg

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Techniker Niels Kucerka zeigt, was die Getreideverkehrsanlage, heute noch bietet. Er führt Besucher durch den 200 Meter langen und 46 Meter hohen Koloss. Als Gast braucht es dabei vor allem eines: Kondition.

Die ersten Pläne zum Bau stammen aus dem Jahr 1911, fertiggestellt wurde er 1919. Der Koloss erinnert an die Zeit, als Bremen der größte Umschlagplatz Europas für Getreide war. Aus dem Mündungsgebiet der Donau kam Futtergetreide für die Viehmast in Norddeutschland.

Genau 122 Stufen müssten die Begleiter des Technikers überwinden, wenn er sie durch das Haus führe, hat eine Besucherin errechnet. Kucerka kann darüber nur lächeln. Sein Arbeitsplatz umfasst noch zwei weitere Silos, die immer noch in Betrieb sind.

Der Techniker kennt seine Treppen gut. Seit einem Jahr arbeitet er in der Anlage, an den Wochenenden führt er Besucher durch das Gebäude und zeigt ihnen, was heute dort geschieht.

Silos noch immer in Benutzung

Ursprünglich hat der Bremer Hafenlogistiker BLG die Anlage betrieben. 1999 zog sich das Unternehmen dort zurück, weil die immer größer werdenden Containerschiffe den Pier nicht mehr ansteuern konnten.

Die Stadt verpachtete sie an die Firma Wandel, die dort Futtergetreide lagerte. Im Oktober 2016 verkaufte Bremen den Koloss an den Braker Hafendienstleister J. Müller. Noch heute füllt er in zwei der drei Silos Getreide, aber auch Rohkaffee und Futtermittel.

Schutzkappe und Warnweste

Bevor Techniker Kucerka eine der ersten rostigen Eisentüren zur Anlage aufstößt, muss sich jeder Besucher eine Schutzkappe aufsetzen und eine Warnweste anziehen. Aus gutem Grund, wie sich am Ende des Rundgangs zeigt.

Zunächst geht Kocerka mit seinen Gästen in die Lagerhalle, in der die Rohware der Müller-Kunden ihre erste Station findet. Elektronische Bänder transportieren die Rohware an fünf Tagen in der Woche von Lastwagen und Schiffen hierher. Elevatoren, kleine Fahrstühle, befördern die ankommende Fracht dann nach oben.

Futtermittel, Kaffee & Co.

Von da an übernimmt die Schwerkraft den Rest: Von oben nach unten fallen Futtermittel, Kaffee & Co. durch verschiedene Rohre und Klappkästen in die richtigen Zellen, die in den Silos auf mehreren Etagen verteilt sind.

Bis zu 400 Kilogramm Ware kann so pro Quadratmeter gelagert werden. Eine einzelne Zelle misst einen Quadratmeter und ist 30 bis 40 Meter hoch. 240 Zellen gibt es. Die Ware lagert dort, bis der Kunde sie abholt.

Den Fahrstuhl im Silo II lieber nicht benutzen

Plötzlich schallt ein Niesen durch die Hallen, als Kucerka den koordinierten Sturzflug seiner Ware durch die Anlage erklärt. Denn immer wieder wirbelt Staub auf. „Die Firma stellt Mitarbeitern Staubmasken zur Verfügung“, sagt Kucerka. Meistens seien die Gebäude aber gut gelüftet.

In einer „Schnupperphase“ habe er sich vor einem Jahr erst einmal in der Anlage orientieren müssen, erzählt der Techniker. Jetzt kenne er sie ziemlich gut, sagt er und rät seinen Besuchern: Lieber die 122 Treppen hinauf und herunter steigen, als den Fahrstuhl im Silo II benutzen.

Der stammt aus den 1930er Jahren. „Wenn kein Elektriker im Haus ist, würde ich persönlich damit nicht mehr fahren“, sagt der Techniker. Lieber nach rund zwei Stunden wieder 122 Stufen hinabsteigen, um zum Ausgang zu kommen. Ein langer Weg durch die Getreideanlage, aber er lohnt sich.

Anmeldungen für Führungen nimmt der Verein Kultur vor Ort unter der Rufnummer 0421 / 61 97 727 entgegen. Die Teilnahme kostet 10 Euro für Erwachsene. Weitere Infos gibt es online unter kultur-vor-ort.com

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