Franz Schnelle erklärt seinen Besuchern, wie die Flügel der Mühle am Wall funktionieren. Der Müller kümmert sich in Bremen um vier von insgesamt sechs Windmühlen. Fotos: Schumacher
Unbekanntes Bremen

Vom Bombentransporter zu alten Zahnrädern

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Die Bürgermeister-Smidt-Brücke im Falle des Übernahme durch den Feind sprengen? Ist auch heute noch möglich. Das - und anderes - lernen Gäste beim Besuch verborgener Orte in Bremen. Von der Wallmühle bis in die Brücke:

Das Beste kommt zum Schluss: Von der Galerie der Wallmühle hat man einen wunderbaren Blick über die Wallanlagen und die Bremer City. Aber auch die anderen Stationen der Führung „Verborgene Orte – hinter verschlossenen Türen“ haben ihren Reiz, wenn auch eher einen düsteren. Michael Buchholz vom Verein Stattreisen führt seine Gäste ins Innere der Bürgermeister-Smidt-Brücke, ins historische Fernmeldemuseum und auf die Mühle am Wall.

Am Treffpunkt, dem Neuen Museum Weserburg, ahnt noch keiner, wo es hingeht. Gästeführer Buchholz lüftet das Geheimnis jedoch schnell: Über Treppen und einen sonst verschlossenen Durchgang geht es in das Fundament der Bürgermeister-Smidt-Brücke.

Schnelle Sprengung auch heute noch möglich

Hier sind noch Relikte einer alten Brücke zu sehen. „Sie können sich jetzt bestimmt vorstellen, wie es früher hier ausgesehen hat“, sagt Buchholz zu seinen Besuchern. Diese nicken begeistert. Der Höhepunkt der Station folgt aber noch: Über eine kleine abschüssige Leiter geht es in das Herz der Brücke, ein mit Teer überzogenes Stahlskelett. Immer wieder dröhnt es hier, die Straßenbahnen fahren direkt über den Köpfen der Besucher über die Brücke.

Man kann über 100 Meter weit in die Hohlräume der Konstruktion schauen, wobei etwas besonders auffällt: Eine Art Tisch kann über ein Gleis in der Mitte der Stahlkonstruktion ins Innere der Brücke befördert werden.

„Ein negatives Relikt aus Kriegszeiten“, erklärt Buchholz. Die Draisine wurde eigens dafür angefertigt, um eine Bombe zu transportieren. So kann die Brücke noch heute schnell und ohne großen Aufwand gesprengt werden, wenn sie in Feindeshand gerät.

Für Technik- und Geschichtsfreaks ein spannender Einblick

Zurück an der Oberfläche geht es weiter nach Norden in Richtung altes Fernmeldemuseum im Stephaniviertel. Hier kann der Besucher längst vergessene Technik bestaunen, Artefakte aus einer vergangenen Zeit. Das Besondere: Besichtigungen sind nur über die Stattreisen-Führungen möglich, ansonsten ist das Museum ein verborgener Ort.

Im Gebäude angekommen übernimmt York Lohwasser die Führung. Der gelernte Fernmeldehandwerker zeigt seinen Gästen, wie früher kommuniziert wurde. Damals musste es reichlich klickern und klackern, ehe irgendwo ein Telefon mit Wahlscheibe klingelte.

„Sie sehen hier alles noch in Originalbauweise“, erklärt er und zeigt auf alte analoge Telefonapparate mit Wählscheiben, Fernschreiber, Motor-Drehwähler und auf umständliche, manuell einstellbare Telefonmasten. Dabei gibt er einige Anekdoten aus längst vergangenen Zeiten zum Besten – der Besuch ist besonders für Technik- und Geschichtsfreaks ein spannender Einblick.

„Wer hier hineingerät, kommt so schnell nicht mehr raus“

Raus aus dem Gebäude geht es weiter zu einem ganz anderen historischen Relikt – der alten Mühle am Wall. Hier gibt Reiseführer Michael Buchholz an einen weiteren Standort-Experten ab, den Müller Franz Schnelle. Dieser lotst die Besucher vorbei an Windfegen und Elevatoren über enge und steile Treppen durch das Innere der Mühle, bis hin zur malerischen Holzgalerie.

Währenddessen erklärt Schnelle mal eben, wie so ein Bauwerk funktioniert. „Die Windenergie treibt über die Mühlenflügel und die Getriebezahnräder den Mühlstein an“, erklärt er. Die Mühle am Wall, ein fünfstöckiger Galerieholländer steht seit 1833 und war bis etwa 1955 in Betrieb.

„Heute kann und will niemand mehr Müller sein und sich um solche Bauwerke kümmern“, sagt er. Zum Ende des Aufstiegs wird es noch einmal ganz eng: Zwischen den Zahnrädern sitzend müssen die Besucher aufpassen, keine falsche Bewegung zu machen. Denn: „Wer hier hineingerät, kommt so schnell nicht mehr raus“, weiß Schnelle.

Die nächste Führung findet am 18. August um 14 Uhr statt. Die Teilnahme kostet 15 Euro, ermäßigt 14 Euro und für Schüler 8 Euro. Eine Anmeldung ist online möglich unter stattreisen-bremen. de

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