Die beiden Verkehrsmeister untersuchen einen Ausgleichsbehälter für Kühlwasser. Foto: Harm Die beiden Verkehrsmeister untersuchen einen Ausgleichsbehälter für Kühlwasser. Foto: Harm
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Verkehrsmeister: Im Einsatz für Bus und Straßenbahn

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Die Verkehrsmeister der BSAG sorgen dafür, dass der Bus- und Bahnverkehr in der Stadt so laufen kann wie vorgesehen. Bei Pannen und Unfällen sind sie zur Stelle. Wir waren mit zwei Verkehrsmeistern unterwegs.

Der Morgen war ruhig für Jens Krogmann und Thomas Schote. Um 11 Uhr knackt das Funkgerät: „Emil 13?“, tönt aus dem schwarzen Kasten. Die Leitstelle meldet sich mit einem Einsatz. Ein Bus der Linie 91 benötigt Kühlwasser. Der Auftrag wird an ein Tablet gesendet. Die beiden schauen über den digital abgespeicherten Fahrplan, welche Haltestellen als nächstes dran sind. „Bahnhof Blumenthal in zehn Minuten“, sagt Schote und setzt sich in den weißen Funkwagen.

Jens Krogmann und Thomas Schote sind Verkehrsmeister bei der Bremer Straßenbahn AG (BSAG). Ihr Einsatzgebiet an diesem Tag: Gröpelingen und Bremen-Nord. Ihre Hauptaufgabe: Die Strecke frei halten, damit Busse und Straßenbahnen nach Plan fahren können. Ihr Arbeitsort: der Funkwagen Emil 13.

„Wir sind Allrounder“

Die mehr als 20 Verkehrsmeister der BSAG arbeiten im Schichtbetrieb und kommen zum Beispiel bei Unfällen und Überfällen zum Einsatz. Sie übernehmen die Abwicklung vor Ort und kümmern sich um die Fahrer.

Thomas Schote (links) und Jens Krogmann haben Anfang der 90er Jahre als Fahrer bei der BSAG angefangen. Inzwischen sind sie als Verkehrsmeister tätig. Foto: Harm

Thomas Schote (links) und Jens Krogmann haben Anfang der 90er Jahre als Fahrer bei der BSAG angefangen. Inzwischen sind sie als Verkehrsmeister tätig. Foto: Harm

Fährt ein herrenloser Hund einige Stationen mit, holen sie das Tier ab, gleiches gilt für Kinderwagen. „Alles schon passiert“, kommentiert Krogmann. Bei Demonstrationen fahren sie auch mal als Begleitung mit. Und auch wenn eine Straßenbahn angehoben werden muss, weil sie entgleist oder bei einem Unfall jemand unter das Fahrzeug gekommen ist, sind sie im Einsatz und heben das Gefährt mit spezieller Ausrüstung an. „Wir sind Allrounder“, fassen Schote und Krogmann zusammen.

Kaum sind die beiden am Bahnhof Blumenthal angekommen, knackt das Funkgerät wieder. Der Grund: Ein Bus ist an der Ecke Kreinsloger/Rönnebecker Straße mitten auf der Fahrbahn zum Stehen gekommen und kommt nicht weiter. Die hintere Tür lässt sich nicht mehr schließen. Der Fall hat Priorität. Wieder rein in den Transporter.

An der Kreinsloger hat sich schon ein kleiner Rückstau gebildet. Die Verkehrsmeister fahren den Bus zur naheliegenden Haltestelle. Der Verkehr fließt wieder und Schote und Krogmann widmen sich in der Haltebucht der Fehlerdiagnose. Nach wenigen Handgriffen schließt die Tür wieder und auch um das Kühlwasser können sie sich jetzt kümmern – denn es handelt sich um denselben Bus aus der ersten Einsatzmeldung.

Ausgerüstet für Pannen und Notfälle

Emil 13 ist, genau wie Emil 11 und 12, die in Bremen-Stadt unterwegs sind, ein fahrendes Ersatzteillager für BSAG-Fahrzeuge: Glühbirnen für Blinker sowie für die Innenbeleuchtung in Bussen und Straßenbahnen, Schrauben, ein Kassenautomat und Türdrücker finden sich dort. Sogar ein Außenspiegel liegt in einer der vielen Schubladen. Hinzu kommen verschiedene Werkzeuge, Leitern und ein Kurzschließer für Arbeiten an Oberleitungen.

Der Transporter ist auch für Notfälle ausgerüstet: Ein Erste-Hilfe-Kasten, Blutzucker-Messgerät und ein Defibrilator sind an Bord. „Ein Unfall ist ein Tagesgeschäft“, sagt Krogmann. Sie gehören zu dem Job dazu.

Sind BSAG-Fahrzeuge in einen Zusammenstoß verwickelt, sind die Verkehrsmeister mit die ersten vor Ort. Sie kümmern sich unter anderem um die Fahrer und sind die „Augen der Leitstelle“, wie Schote sagt. Sie schauen, welche Umleitung in Frage kommt und schätzen ab, wie stark sich der Bus- und Bahnverkehr verzögern wird.

Präsenz zeigen – bei Fahrgästen und Fahrern

Ein Schwerpunkt der Arbeit ist die Fahrerbetreuung, zum Beispiel nach Unfällen und Überfällen. Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt: „Der Umgang mit den Fahrern ist rücksichtsloser geworden“, sagt Krogmann. Es werde mehr gepöbelt. Häufig deeskalieren die Verkehrsmeister die Situation.

Sowohl Krogmann als auch Schote haben ihre Karriere bei der BSAG Anfang der 90er Jahre selbst als Fahrer begonnen. „Wir wissen, wie schwierig es die Kollegen auf der Straße haben. Das vergessen wir auch nicht“, sagt Krogmann.

Sind die Verkehrsmeister nicht für einen Einsatz unterwegs, fahren sie das Gebiet ab, kontrollieren Haltestellen und informieren Fahrgäste. „Wir zeigen Präsenz“, fasst Schote zusammen. Sowohl bei den Fahrgästen als auch bei den Fahrern. „Wir kontrollieren auch, ob die Kollegen alles richtig machen und achten auf Fehlverhalten“, erläutert Krogmann.

Ein Traumjob

Um diesen vielfältigen Job machen zu können, nehmen die Verkehrsmeister regelmäßig an Weiterbildungen teil. Die Kurse reichen von Erste Hilfe-Kursen und Technik-Einweisungen über gemeinsame Übungen mit der Feuerwehr bis zur Ausbildung als Sicherungsposten bei Baustellen. Vier Tage im Jahr müssen sie zudem mindestens als Fahrer gearbeitet haben. Denn der Schein als Bus- und Bahnfahrer ist Voraussetzung, um als Verkehrsmeister zu arbeiten.

Ob es ein Traumjob ist? „Für mich ist es das“, sagt Krogmann prompt. Und Schote ergänzt: „Den Kollegen auf Strecke zu helfen, ist mir absolut wichtig. Sie sollen sich gut aufgehoben fühlen.“

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