Vielfach sind die Maisfelder verdorrt. Foto: Konczak Vielfach sind die Maisfelder verdorrt. Foto: Konczak
Interview

Niedersächsiches Landvolk: Sorge um Vieh und Felder

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Die hiesige Region ist stark von Landwirtschaft geprägt. Wir sprachen wir mit dem Geschäftsführer des Kreislandvolkverbandes Oldenburg über die aktuelle Situation und die Ernteausfälle.

Delme Report: Waren die Landwirte nicht immer schon dem Wetter ausgesetzt?

Bernhard Wolff: Ja, Landwirte arbeiten schon seit Jahrhunderten mit Wetterkapriolen – solche Jahre wie dieses sind jedoch besonders und nicht vorherzusehen.

Könnten die Landwirte nicht in besonders ertragreichen Jahren Rücklagen für schlechte bilden?

Im Rahmen des Unternehmerrisikos sorgen die Familien vor. Gleichwohl schlägt die aktuelle Situation enorm zu Buche, so dass das sicher auch als Ausnahme gilt. Umso mehr ist die Forderung des Bauernverbandes berechtigt, dass eventuell aus zurückliegenden Jahren zu versteuernde Gewinne und daraus resultierend zukünftige Vorauszahlungen ans Finanzamt zurückgestellt werden müssen. Damit wird den Betrieben ein bisschen Liquidität gegeben.

Was sind aktuell die größten Sorgen der Landwirte?

Alle Betriebe, sowohl konventionell wie auch ökologisch, brauchen Futter fürs Vieh. Wenn das nicht reicht, müssen gegebenenfalls Tiere verkauft werden. Die Futterpreise werden steigen und eventuell nicht ausgeglichen. Deshalb die Forderung nach finanzieller Hilfe. Die Öffentlichkeit sieht die aktuelle Situation und sollte sich durchaus mit den Landwirten darüber unterhalten. Ein Jahr ohne neue Handys ist gut zu überstehen – ein Jahr ohne ausreichend Lebensmittel eben nicht.

Wird es Preiserhöhungen geben?

Geringfügige Preiserhöhungen sind bei den landwirtschaftlichen Erzeugerpreisen zu erkennen – letztlich stehen dem aber auch die erhöhten Kosten für Betriebsmittel den Betrieben entgegen. Für die Verbraucherpreise kann ich keine Aussage treffen. Ich denke schon, dass sich die Situation bemerkbar macht; die möglichen Preisaufschläge sind zum einen allerdings nicht nur dem warmen Wetter geschuldet und andererseits wird daraus wohl nicht erkennbar mehr Geld bei den landwirtschaftlichen Betrieben ankommen.

Klimaforscher geben zu bedenken, dass wir uns insgesamt zukünftig häufiger auf solches Wetter einstellen müssen. Die Winter werden nasser, die Sommer durchaus heißer und trockener. Wie kann sich die Landwirtschaft darauf einstellen?

Momentan wird intensiv an der Ursachen geforscht und gearbeitet. Der einzelne Betrieb kann sich nicht von jetzt auf gleich umstellen, weil damit auch erhebliche Investitionen verbunden wären. Gleichwohl wird mit neuen Pflanzensorten und Stalltechniken versucht, der Entwicklung entgegenzuwirken.

Bernhard Wolff ist Geschäftsführer beim Niedersächsischen Landvolk, Kreisverband Oldenburg. Foto: pv

Bernhard Wolff ist Geschäftsführer beim Niedersächsischen Landvolk, Kreisverband Oldenburg. Foto: pv

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