Jörn Meyer, gebürtiger Sylter, arbeitet seit mehr als 20 Jahren im Live-Entertainment. Sein Mietvertrag für das Metropol-Theater läuft bis April 2023. Das Haus gehört Rolf Specht. Foto: Schlie
Interview

Jörn Meyer: „Wir planen Kinderprogramme“

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Metropol-Theater-Chef Jörn Meyer erzählt über neue Projekte des Theaters und berichtet dabei auch, was Hotels davon haben.

Weser Report: Herr Meyer, vor einem Jahr haben Sie den Vertrag über das Metropol-Theater unterschrieben, seit Januar betreiben Sie es. Was hat Sie bisher am meisten überrascht?

Jörn Meyer: Ich habe den Energieverbrauch des Hauses unterschätzt. Selbst wenn wir abends zuschließen und jede Lampe löschen, verbrauchen wir jeden Tag Strom für 200 Euro. Am Ende jedes Monats haben wir 6.000 Euro auf der Uhr. Das ist natürlich auch der 20 Jahre alten Technik geschuldet.

Neben Konzerten gab es im Metropol Theater ein Badminton-Turnier, eine Fernsehshow und eine Job-Messe. Wofür steht das Haus eigentlich?

Das Metropol Theater versteht sich als Haus, das einen bunten Strauß an Unterhaltung bietet von der Kultur bis zu Messen. Hier kommen Leute zusammen, um eine gute Zeit zu verbringen. Auch Firmen buchen das Haus; wir hatten hier schon Betriebsversammlungen. Zu unserem Haus gibt es in Bremen wenig Alternativen. Wir haben einen Saal mit einem ansteigenden Parkett und 1.400 Sitzen.

Wo liegt der Schwerpunkt des Programms?

Die Abendveranstaltungen reichen von Operette über Musical bis zu Pop- und Rock-Shows. Wir haben ein ganz breites Angebot. Zusätzlich versuchen wir jetzt, ein Kinderprogramm zu etablieren. Mit dem Stück „Grüffelo“ fangen wir an diesem Sonntag an, im Dezember folgt das Musical „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Alle drei bis vier Monate wollen wir dann ein Kinderstück zeigen.

Welche Veranstaltung zog bisher die meisten Besucher an?

Bei den Konzerten von Bryan Ferry und dem Falco-Musical hatten wir eine Auslastung von 100 Prozent. Zu den drei Aufführungen des Tanz-Ensembles Shen Yun kamen insgesamt 4.000 Besucher. Das wurde nur noch von der RTL-Show „Das Supertalent“ getoppt. Die hatte 14 Drehtage und insgesamt knapp 25.000 Besucher.

Welches Programm floppte?

Ich vermiete das Theater ja nur. Die Marktexpertise macht der jeweilige Veranstalter. Ich rate nur von Events ab, an die ich gar nicht glaube. Wir hatten gerade mit einem ehemaligen Bremer gesprochen, der das Haus mieten wollte, um hier seinen 80. Geburtstag zu feiern. Dem habe ich gesagt, in der Größenordnung sehe ich seine Feier nicht. Ich habe ihm kleinere Kapazitäten empfohlen.

Woher kommen Ihre Besucher?

Wir haben aktuell keine Umfrage gemacht und keine Statistik erstellt. Aber an den Versendungen sehen wir, dass mindestens die Hälfte unserer Gäste nicht in der Hansestadt wohnt. Woher die Besucher kommen, hängt auch mit dem Event zusammen. Wenn eine Tournee wie die von Hans Klok nach Hamburg, Berlin und Bremen geht, kommen weniger Leute von außerhalb. Wenn Topkünstler wie Bryan Ferry hier auftreten, aber keine ausgedehnte Deutschland-Tournee machen, kommen sogar Gäste aus dem Ausland.

Kooperieren Sie mit der Stadt oder der Bremer Touristik-Zentrale?

Nein, die Stadt hat sich vor meiner Übernahme aus diesem Objekt zurückgezogen, Marketing-Zuschüsse gibt es nicht mehr. Ich will nicht ausschließen, dass wir einmal gemeinsam mit der Stadt etwas entwickeln.

Arbeiten Sie mit Hotels und Reiseveranstaltern zusammen, um Pakete anzubieten: Übernachtung plus Metropol-Besuch?

Solche Angebote machen Hotels aus eigenem Interesse. Wir planen keine Kooperation. Aber durch unsere Besucher bekommen die Hotels ja eine große Anzahl an Buchungen. Als das La Cubana-Ensemble im Sommer hier drei Wochen für seine Europa-Tournee probte, hatte es in Bremer Hotels 780 Übernachtungen gebucht. Das Team vom RTL-Supertalent hatte hier mehr als 2.000 Hotelübernachtungen gebucht. Allein das sind schon mal knapp 3.000 Übernachtungen, und dann trinken die zwischendurch ja auch mal einen Kaffee oder holen eine Pizza. Dieser Aspekt kommt immer zu kurz, wenn in Bremen über die Sinnhaftigkeit dieses Hauses nachgedacht wird.

Wie läuft die Gastronomie, die der Gastronom Barry Randecker im Metropol betreibt?

Im Schnitt bestellt jeder Besucher ein Getränk. Wir haben jetzt eine Gastro-App, über die der Gast vorbestellen kann, was er vor der Veranstaltung oder in Pause haben möchte.

Vor einem Jahr hatten Sie gesagt, da Haus müsste mindestens an 150 Tagen belegt sein, damit sie schwarze Zahlen schreiben. Wie sieht es in diesem Jahr aus?

Wir kommen auf 120 Belegungstage, erreichen aber eine schwarze Null. Da ich das Haus ja kurzfristig übernommen habe und kaum Zeit hatte, ein Programm zu planen, mussten wir in den ersten neun Monate nicht die volle Miete zahlen.

Was bieten Sie an Silvester an?

Eine Veranstaltung mit anschließender Feier wird es nicht geben. Aber für 2019 überlegen wir ein Silvesterprogramm.

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