266 Hebammen sind in Bremen tätig, davon sind 160 fest angestellt. Laut einer Studie der Uni Bremen werden bis 2027 jedes Jahr mindestens 15 neu ausgebildete Hebammen benötigt, um den aktuellen Fachkräftestand aufrecht zu erhalten. Foto: Pixabay
Fachkräftemangel

Bremen wartet weiter auf Hebammen

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Die Hebammenschule Bremerhaven schließt 2020 - und der Nachwuchs könnte auf sich warten lassen: Der neue Entbindungspfleger-Studiengang an der Hochschule Bremen startet erst im Wintersemester 2020/21.

Die Akademisierung der Hebammenausbildung in Bremen ist beschlossene Sache – das betonen der Senat und die Hochschule. Wie nun aus Hochschulkreisen zu erfahren ist, wird es aber noch dauern, bis die ersten ausgebildeten Hebammen in die Arbeitswelt eintauchen: Der geplante Studiengang startet frühestens zum Wintersemester 2020/2021, und nicht wie zuvor angekündigt ein Jahr davor. Damit wären 2024 die ersten Absolventen fertig.

Angesichts des seit längerem bekannten Fachkräftemangels ist also weiter mit Engpässen zu rechnen. Zurzeit werden die Geburtshelfer der Hansestadt noch in der Hebammenschule in Bremerhaven ausgebildet – alle drei Jahre kann die Schule bis zu 16 Hebammen ausbilden.

Bis zu 20 Absolventen pro Jahr

Mit dem neuen Studiengang sollen es nach Angaben der Hochschule bis zu 20 Absolventen pro Jahr werden. Da die jetzige Hebammenschule 2020 geschlossen wird, kann also erst Jahre später von der Akademisierung profitiert werden.

Insgesamt gibt es in Bremen zurzeit 266 Hebammen, davon sind 160 fest angestellt. Von den fest Angetellen arbeiten 55 zusätzlich noch freiberuflich. Wie eine Studie der Uni Bremen kürzlich ergeben hat, werden bis 2027 jedes Jahr mindestens 15 neu ausgebildete Hebammen benötigt, um diese Zahlen aufrecht zu erhalten.

Kritik vom Hebammen-Landesverband

Heike Schiffling, Vorsitzende des Bremer Hebammen-Landesverbands kritisiert diese Bedingungen. „Die Kliniken sind sehr schlecht besetzt, was zu einer hohen Arbeitsbelastung der dort beschäftigten Hebammen führt. Darum sind nun besonders auch kurzfristige Maßnahmen nötig, um Fachkräfte zu finden“, sagt sie. Vorstellen könne sie sich etwa neue Teilzeitkonzepte oder Schulungen für Arbeitskräfte aus dem praxisnahen Pflegebereich.

Das Gesundheitsressort rechnet damit, dass sich mit dem Studiengang künftig mehr junge Menschen für den Beruf entscheiden. „Wir gehen davon aus, dass der Beruf dadurch besonders für Abiturienten attraktiver wird“, sagt Sprecherin Christina Selzer.

EU-Richtlinie wird gerade noch eingehalten

Mit dem geplanten Start des neuen Studiengangs 2020/2021 wird gerade noch die EU-Richtlinie eingehalten: Diese sieht vor, dass bis 2020 ein Studium möglich sein muss. Der Grund: Die Anforderungen an den Hebammenberuf sind in den letzten Jahren immer komplexer geworden.

„Die Ausbildung ist das letzte Mal vor 30 Jahren verändert worden, seitdem hat sich das Berufsgesetz nicht mehr geändert“, sagt die Verbandsvorsitzende Schiffling. Deutschland hinkt hier anderen europäischen Ländern hinterher.

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