Vor rund 100 Tagen wechselte Elmar Kleinert von Berlin nach Bremen. Am 1. November zieht er in die Nähe des Bürgerparks. Sein Privatflugzeug parkt künftig am Airport Bremen. Foto: Schlie
Interview

Elmar Kleinert: „Mehr Shops, mehr Restaurants“

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Der neue Flughafen-Chef Elmar Kleinert über Investitionen, Ryanair und Osteuropa. Der Bremer Airport befindet sich im Umbruch, sagt er.

Weser Report: Herr Kleinert, was passiert mit dem technischen Hangar von Ryanair, wenn der irische Billigflieger wie angekündigt seine Bremer Basis schließt?

Elmar Kleinert: Die Halle hat Ryanair langfristig gemietet. Bisher hat sich die Airline noch nicht zum technischen Betrieb hier geäußert. Ich vermute, dass sie in den nächsten vier Wochen sagen wird, was sie mit dem Hangar plant.

Künftig will der ungarische Billigflieger Wizz Air Bremen anfliegen, zuvor war die schweizerische Airline Sky Work nach Bremen gekommen, zog aber schnell wieder, weil sie finanzielle Probleme plagten. Nehmen Sie denn jede Airline, die den Bremer Flughafen nutzen möchte?

Der Wettbewerb in der Luft ist extrem hart. Insbesondere die Regional-Airlines mit kleineren Flugzeugen hatten in den vergangenen anderthalb Jahren Probleme, wirtschaftlich zu arbeiten. Man muss sich anschauen, welchen Markt wir hier haben und wie viele potenzielle Passagiere von hier zu einem bestimmten Ziel fliegen könnten. Danach richtet sich, welcher Flugzeugtyp eingesetzt wird. Und die Airlines, die solche Flugzeuge haben, muss man dann von Bremen überzeugen. Grundsätzlich muss man mit allen möglichen Airlines permanent im Gespräch sein.

Womit kann Bremen die Fluggesellschaften überzeugen?

Bremen ist eine wirtschaftlich starke Stadt, die Region ist wirtschaftlich stark. Unser Einzugsgebiet reicht von Oldenburg bis zur Elbe und von Hannover bis Osnabrück. Der Flughafen ist gut zu erreichen, er ist ein Flughafen der kurzen Wege und der schnellen Prozesse und ist mit dem Shop- und Gastronomieangebot auf der Höhe der Zeit.

Hannover, Münster/Osnabrück und Hamburg buhlen auch um Passagiere aus der Region. Wo schneidet Bremen besser ab?

Ein Flughafen ist gut, wenn er ein Maximum der Einwohner in seinem Einzugsbereich als Passagiere gewinnen kann. Da liegen wir im Vergleich mit anderen Flughäfen sehr weit vorne.

Welche Airlines werden neu nach Bremen kommen?

Die Ankündigungen überlassen wir den Airlines. Aber wir sprechen schon mit neuen Airlines. Und bei Airlines, die schon in Bremen sind, geht es darum, neue Destinationen zu übernehmen. Da wird es noch das Eine oder Andere zu verkünden geben. Wenn man auf die Europakarte schaut und auf unsere Destinationen fällt auf, dass wir mit Osteuropa nicht so dicht vernetzt sind wie mit anderen Teilen Europas.

Die Fluggesellschaften schauen auch auf die Gebühren, die ein Flughafen kassiert.

Mit unserem Gebührenmodell liegen wir im Durchschnitt. Wir versuchen, eine Differenzierung der Gebühren je nach Leistung hinzubekommen. Eine Airline, die möchte, dass ihre Passagiere über eine Fluggastbrücke ins Flugzeug kommen, zahlt mehr als eine Airline mit Walkbording. Da gehen die Passagiere zu Fuß übers Vorfeld zur Maschine.

Wie entwickelt sich die Zahl der Passagiere? In den letzten Jahren ist sie gesunken.

Wir hatten Mitte des Jahres schon fünf Prozent mehr Passagiere als ein Jahr zuvor. Wir gehen davon aus, dass wir zum Jahresende ein ganz leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr haben werden.

Welche Investitionen kommen noch?

Schwerpunktmäßig wird es um die Ertüchtigung der bestehenden Anlagen gehen wie beispielsweise Gepäckanlagen, Rollbahnen und Werkstätten sowie um die Digitalisierung. Wir werden auch das Angebot an Shops und Gastronomie weiterentwickeln. Vor und hinter der Sicherheitskontrolle wird es mehr Shops geben und mehr Gastronomie. Das Angebot nutzen nicht nur die Fluggäste, sondern auch viele Mensch, die in den benachbarten Unternehmen arbeiten. In der Airport City sind rund tausend Mitarbeiter beschäftigt.

Was ist profitabler: das Geschäft mit den Fluggesellschaften oder das Geschäft mit den Läden und den Restaurants?

Wir machen ungefähr die Hälfte unserer Erlöse mit dem Flugbetrieb und die andere Hälfte allgemein mit Verpachtung und Vermietung.

Im ersten Halbjahr musste der Flughafen rote Zahlen schreiben, wies ein Minus von rund einer halben Million Euro aus. Wann kommen Sie wieder ins Plus?

Wir wissen heute noch nicht, wie wir das Jahr abschließen werden, da es ein besonderes Jahr war, mit Air Berlin-Effekten, dazu Streiks und nicht zuletzt die Ankündigung von Ryanair zur Schließung der Bremer Basis.

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