Tischler Bernhard Prösler (links) und Kontrabassist Matthias Beltinger vertreiben ihre in Hastedt hergestellten Klangpodeste für Musiker unter dem Namen Resonanzio. „Es ist eine Nische, aber die ist aufgegangen“, sagt Beltinger. Foto: Lohmann
Der perfekte Klang

Bremer Musiker-Podeste für die Elbphilharmonie

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Ein Tischler und ein Musiker erstellen sogenannte Klang-Podeste, ihre Arbeit ist weltweit gefragt: Inzwischen spielen Orchester aus London, Berlin oder Finnland auf den Podesten aus Bremen - so auch in Hamburg.

Von Insa Lohmann 

Matthias Beltinger ist gerade aus Puerto Rico zurückgekehrt. Dort hat er allerdings nicht seinen Urlaub verbracht, sondern seine Erfindung einem ganz besonderen Menschen vorgestellt. Der Solo-Kontrabassist der Deutschen Kammerphilharmonie hat gemeinsam mit dem Bremer Tischler Bernhard Prösler ein Musiker-Podest entwickelt, das den darauf gespielten Instrumenten einen besseren Klang verpassen soll.

Der jüngste Besuch in Südamerika war für den Vollblutmusiker Beltinger eine ganz besondere Reise, denn er lieferte sein Podest an den tauben Kontrabassisten Hector Tirado aus.

„Aus der Not heraus geboren“

Tirado klagte bisher darüber, dass er die Schwingungen beim Musizieren nur verzerrt spürt. Die Klang-Podeste, die unter dem Namen Resonanzio vertrieben werden, ermöglichen es dem südamerikanischen Musiker nun, die Schwingungen schneller aufzunehmen.

„Er war danach sehr glücklich“, sagt Beltinger, der die Idee für die Musiker-Podeste schon vor einigen Jahren entwickelt hatte – damals eher für den Eigenbedarf. „Ich bin Musiker und habe das aus der Not heraus geboren“, sagt er über seine Erfindung.

Dass daraus einmal ein Geschäftsmodell entstehen würde, damit hatte der Kontrabassist nicht gerechnet. Doch Beltinger fand mit den Klang-Podesten, die in Bernhard Pröslers Werkstatt in Bremen-Hastedt gefertigt werden, eine echte Marktlücke. Beltinger: „Es ist eine Nische, aber die ist aufgegangen.“

Inzwischen spielen Orchester aus London, Berlin oder Finnland auf solchen Podesten, auch in der Hamburger Elbphilharmonie stehen die Podeste.

Nicht nur Profimusiker hören den Unterschied

Beltinger, der mit seinem Orchester weltweit an den unterschiedlichen Orten Konzerte gibt, wollte vor allem den Klang der tiefen Töne verbessern. Bei einem gewöhnlichen Podest „wummert es mehr, gerade in tiefen Frequenzen“, sagt er, etwa vergleichbar mit einem schlecht eingestellten Bass.

„Das entscheidende Qualitätsmerkmal ist, dass unser Podest den Klang klarer macht“, erläutert Beltinger. Den Unterschied höre nicht nur ein Profimusiker, betont Prösler, der im Gitarrenbau gearbeitet hat und dem als Tischler neben der Praktikabilität besonders das Design am Herzen liegt.

Ein entscheidender Faktor

Rund zwei Monate dauert es, bis ein Klang-Podest ausgeliefert werden kann. Stardirigent Sir Simon Rattle bestellte gleich mehrere Exemplare für sein London Symphony Orchestera. Den Erfolg von Resonanzio führen die beiden Unternehmer auch auf Beltingers gute Kontakte in die Musikerszene zurück.

Doch der entscheidende Faktor sei die hochwertige Verarbeitung der Podeste mit Tonholz, sagt Prösler. Noch immer gibt es einen Moment, in dem die Unternehmer besonders aufgeregt sind: Wenn sie selbst im Konzertsaal sitzen und einer auf ihren Podesten spielt.

Dann hören sie ganz genau hin, denn die Klang-Podeste dürfen keine Nebengeräusche abgeben. Prösler: „Ich denke immer: Hoffentlich knackt da nichts.“

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