Kristina Schmidt und ihr Sohn Achim Breitkopf vor dem restaurierten Gemälde. Foto: Raddatz
Überraschender Fund

Gefundenes Kunstwerk: Am Anfang war das Loch

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Durch puren Zufall entdeckte Kristina Schmidt ein Kunstwerk in ihrem Hausflur. Gemeinsam mit ihrem Sohn machte sie sich daran, das Werk zu restaurieren. Doch den schaffenden Künstler, den fanden sie bislang nicht.

Es fing alles mit einem Loch in der Wand an. Dort, in einem Haus im Bremer Viertel, begann die weiße Farbe im Hausflur zu bröckeln. „Eine Wohnungs-Interessentin machte mich auf die Stelle aufmerksam. Sie meinte, da unter der Wand, da ist etwas“, sagt Kristina Schmidt, die Hausbesitzerin.

Die beiden vereinbarten, dass die Interessentin, eine professionelle Restauratorin, sich ans Werk machte, die mysteriöse Farbschicht freizulegen. Sie stieß auf fein verziertes Muster, blumenähnlich, und offenbar nicht aus unserer Zeit. Doch nicht nur das: Je weiter sie arbeitete, desto mehr neue Schichten legte sie frei. Puzzlestücke eines größeren Bildes.

„Das war aufregend“

„Da packte mich das Interesse“, sagte Kristina Schmidt. „Ich wollte wissen, was darunter war.“ Also fing die gelernte Schmuckhandwerkerin selbst an, das Werk zu vollenden. Von morgens bis abends, zwei Wochen lang. Puzzlestück für Puzzlestück. „Das war aufregend“, erinnert sie sich.

Hilfe erhielt sie dabei von ihrem Sohn, Achim Breitkopf, Künstler und derzeit Kurator einer Ausstellung in der City Gallerie. „Das Schwierigste dabei war, nicht noch mehr kaputt zu machen, als ohnehin schon“, sagt er. Fein säuberlich zogen sie mit Farben die Konturen nach – bis sich zeigte, was sich dort, in diesem unscheinbaren Hausflur, befand: ein riesiges Öl-Gemälde.

Künstler: unbekannt

„Wir haben keine Ahnung, woher es stammt, wer es gemalt hat, wir haben nur Vermutungen“, sagt Breitkopf. Seine Nachforschungen ergaben nichts. Nirgendswo das Kürzel des Künstlers – nur eine Landschaft mit See, Wäldern, in der Mitte ein Fachwerkhaus. Daneben: Zwei Konturen, die aussehen wie Segel. „Torf-Kähne“, schätzt Breitkopf. „Worpswede“, kombiniert er weiter.

Ein Name kam ihm in den Kopf: Paula Modersohn-Becker. Die berühmte Künstlerin gilt als eine der bedeutendsten Vertreterinnen des frühen Expressionismus, lebte Zeit ihres Lebens auch in Worpswede. Und ja, sie malte gerne Landschaften.

Einst eine Fleischerei

„Natürlich wissen wir nicht, ob sie es war“, sagt Kristina Schmidt. Wahrscheinlicher wäre, dass es ein Schüler der großen Malerin war, der den Flur verzierte. „Vielleicht um sich eine Wurst zu verdienen“, so Schmidt. Das Haus, 1884 gebaut, war einst eine Fleischerei.

Um den Zeitraum vermuten sie die Entstehung des Gemäldes – auch das würde sich mit der Lebenszeit der Künstlerin decken. So bleibt den beiden vorerst nur die Erinnerung an die spannende Arbeit – und das schöne Gemälde zu genießen, dort in einem Haus im Bremer Viertel.

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