Max Kruse gewann gegen Mainz nur 30 Prozent seiner Zweikämpfe – für seine Verhältnisse eine schlechte Quote. Foto: gumzmedia
Problemanalyse

Max Kruse liefert momentan nicht mehr

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Werders Topverdiener Max Kruse steckt in der Krise, woran er zum Teil auch selbst Schuld trägt. Das ist umso ärgerlicher, weil Werder den Unterschiedsspieler Kruse unbedingt braucht.

Speziell für Spieler wie ihn wurde diese Bezeichnung erfunden: Unterschiedsspieler. Max Kruse bekam diesen Titel schon von verschiedenen Fußball-Experten verliehen – zum Beispiel von Freiburgs Coach Christian Streich oder Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke. Auch Werder-Trainer Florian Kohfeldt nennt seinen Kapitän so. Das Problem: Kruse macht immer seltener den Unterschied.  Das könnte auch Auswirkungen auf seinen Vertrag haben.

Ein Blick in die Statistik. Zwei Tore hat Kruse in den bisherigen zehn Bundesliga-Spielen der Saison erzielt – einen davon per Elfmeter. Dazu kommen noch zwei Torvorlagen. Viel ist das nicht. „Es könnte besser sein“, gestand Kruse vor der Partie in Mainz. Inzwischen wartet er seit 438 Minuten auf einen Treffer.

Gegen die Rheinhessen hätte es beinahe geklingelt, doch kurz vor Schluss wurde Kruses guter Schuss noch von 05-Keeper Robin Zentner pariert. Eine inzwischen eher seltene Kruse-Chance. Der Ex-Nationalspieler bringt sich nicht mehr so oft in Position. In Mainz war das besonders auffällig. Trotz zum Teil guter Anspiele der Kollegen, schaffte es Kruse kaum in die Box – oder traute sich nicht. Dann wich er lieber nach außen aus. Torgefahr sieht anders aus.

Geänderte Rolle

Dabei hat sich Kruses Rolle längst geändert. Er darf sich mehr als früher auf seinen Job in vorderster Front konzentrieren, muss nicht mehr selbst das Spiel ankurbeln, worunter in der vergangenen Rückrunde seine Torgefahr gelitten hatte. Dafür wurde ein Davy Klaassen geholt, auch Maximilian Eggestein kann inzwischen den kreativen Part übernehmen.

Freigeist Kruse lässt sich trotzdem immer wieder fallen, eine eigentlich ziemlich laufintensive Nummer. Doch auch dabei fehlt ihm letztlich die Konsequenz wie vor dem Tor. Eigentlich müsste Kruse extrem viel unterwegs sein, um seine von ihm selbst gewünschte Doppelrolle auszufüllen.

Das ist er aber nicht. In Mainz spulte Kruse 10,17 Kilometer ab, aus der Startelf lief nur Keeper Jiri Pavlenka weniger. Auch alle aus- und eingewechselten Werder-Profis hatten hochgerechnet auf 90 Minuten am Ende mehr Kilometer auf dem Tacho. Ähnlich war es im letzten Heimspiel gegen Leverkusen, als Kruse bei der 2:6-Klatsche sogar nur 9,21 Kilometer absolvierte.

Ein Stück vom optimalen Kampfgewicht weg

Klar, Kruse war noch nie ein Laufwunder. Aber in der vergangenen Saison lief er mehr, er wirkte auch spritziger – und insgesamt fitter. Irgendwie hatte er es in der Vergangenheit immer geschafft, seine Kilos aus dem Sommerurlaub wieder loszuwerden. Bislang ist ihm das nicht gelungen, er ist augenscheinlich immer noch ein ganzes Stück von seinem optimalen Kampfgewicht entfernt.

Wobei es im Sommer ohnehin verwunderte, dass Kruse in seinem Urlaub mal wieder keine Rücksicht auf die anstehende Saison genommen hatte. Schließlich war er als neuer Kapitän im Gespräch, Werder wollte endlich die Wende schaffen. Kruse sollte dabei die Hauptrolle spielen. Da war ein topfitter Angreifer zum Start in die Vorbereitung erwartet worden.

Die Club-Verantwortlichen waren wenig begeistert, schützten ihren Star aber öffentlich. Ihnen blieb auch gar nichts anderes übrig. Kohfeldt hatte Kruse schließlich zum Kapitän gemacht, außerdem wird der Stürmer dringend gebraucht. Er ist nicht nur ein Leistungsträger, er ist – wenn alles passt – eben auch der Unterschiedsspieler.

Werder hat keinen adäquaten Erstz

So wie Dortmund einen Marco Reus hat oder der FC Bayern einen Robert Lewandowski. Diese beiden Topclubs können es aber zumindest in der Bundesliga verschmerzen, wenn ihr Superstar schwächelt, weil es adäquaten Ersatz im Kader gibt. Bei Werder ist das anders. Da muss ein 40-Jähriger helfen, wenn es vorne nicht läuft.

Und siehe da, in Mainz wurden die Bremer sofort gefährlicher, als Claudio Pizarro auf dem Platz stand. Der Peruaner geht in die Box und ist dann auch da, wenn ein Johannes Eggestein wie vor dem Anschlusstreffer zurückpasst. Das zeigt: Es gibt durchaus Möglichkeiten für Stürmer, wenn der Absender einen Adressaten findet.

Kruse war dabei zuletzt keine gute Anschrift. Der 30-Jährige wirkte fast schon etwas verunsichert, ließ Bälle zu weit abprallen, verlor viele Zweikämpfe. Seine Erfolgsquote bei direkten Duellen lag nur noch bei 30 Prozent. Für einen Stürmer kein ungewöhnlicher Wert, für Kruse schon. Es zählt zu seinen absoluten Stärken, den Ball zu behaupten.

Höhere Ziele in Gefahr

Für Werder ist es schon bitter, dass Kruse ausgerechnet jetzt schwächelt und sich nicht in Topform befindet. Der Kader bietet endlich mal die Möglichkeit, höhere Ziele anzuvisieren. Deshalb wurde auch von Europa gesprochen. Doch ohne einen starken Kruse und dessen Tore sowie Vorlagen wird es Werder nicht schaffen.

Es geht um die Zukunft des Clubs, aber auch um die von Kruse. Der hatte stets betont, dass er seine Vertragsverlängerung davon abhängig machen will, ob es bei Werder tatsächlich dauerhaft aufwärts geht. Er selbst könnte dazu beitragen. Bislang ist ihm das nur sehr bedingt gelungen, trotzdem ist Werder als Tabellensechster auf Euro-Kurs.

Es wird also spannend, wie sich die Verhandlungen entwickeln, ob nicht sogar der Verein am Ende auf eine weitere Zusammenarbeit verzichtet. Kruses Vertrag läuft nach dieser Saison aus. Frühestens in der Winterpause soll in dem Bereich etwas Konkretes passieren. Bis dahin hat Kruse die Chance, wieder der alte Kruse zu werden.

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