Christian Weber (l.) und Martin Büchler während der Kaffeeverkostung. Foto: Schlie "Früher gab es nur am Wochenende richtigen Kaffee", sagt der Weber am Samstag bei seinem Besuch in der Rösterei. Foto: Schlie
Weber auf Tour

Auf einen Kaffee mit dem Bürgerschafts-Präsidenten

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Christian Weber besucht gerade Orte in Bremen - so auch eine Privatrösterei. Dort trafen wir ihn. Mit Kaffee verbindet Weber Kindheitserinnerungen: „Zuhause gab es ja eigentlich immer nur Muckefuck", sagt er.

„In jungen Jahren saß ich regelmäßig da, die Kaffeemühle zwischen den Knien, und habe  die Bohnen gemahlen, die meine Mutter anschließend frisch aufgebrüht hat“, berichtete der Bürgerschaftspräsident. Das tat er am Freitag nicht vor dem Parlament, sondern Martin Büchler gegenüber. In dessen Privatrösterei an der Böttcherstraße kam er im Rahmen seiner Tour durch Bremer Traditionsbetriebe in den Genuss einer professionellen Verköstigung.

Vor der Praxis stand die Theorie, eine Kurzeinführung in den Trommelröster. Dabei erfuhr Weber, dass die rohen Kaffeebohnen in einer solchen Maschine 20 Prozent an Wasser verlieren, aber 20 Prozent an Größe zulegen. „Gewichtsmäßig geht also Vieles in die Luft“, erklärte Büchler schmunzelnd.

Anekdoten vom Firmenchef

Während seiner kurzen Lektion streute er ein paar Anekdoten aus seinem Business ein. So berichtete er von einem wahren Glücksgriff, als er vor einiger Zeit einen Spitzenkaffee aus Kuba erwerben konnte. Zum Zeitpunkt des Kaufdatums hätte er noch nichts von dessen außerordentlicher Qualität gewusst.Später allerdings wäre der Kaffee hochdotiert prämiert worden.

„Ich ärgere mich heute noch, nur einen halben Sack gekauft zu haben.“ Diese wertvolle Beute habe er damals quasi nur unter dem Ladentisch an wahre Genießer verkauft. „Beim Kaffee ist es nämlich ähnlich wie beim Wein. Man kann nicht beliebig irgendeine Charge nachbestellen.“

Nach diesem kurzen Ausflug in karibische Gefilde ging es in dem hanseatischen Fachgeschäft ans Eingemachte. Zehn verschiedene Sorten hatte der Kaffeeröster für das Coffee Cupping mit seinem prominenten Gast vorbereitet. Zunächst sollte der Politiker an allen Bohnen einmal schnuppern, später dann an den gemahlenen Varianten.

Es zog Weber „die Schuhe aus“

Bei einer aus Guatemala zog es ihm nach eigenen Angaben „geradezu die Schuhe“ aus. „Das ist nichts für mich“, war sich der 72-Jährige sicher. „Keine Sorge, dass kann der Bauch ab“, konterte sein Gegenüber.

Bei einer anderen Sorte waren sich beide einig: „Sieht fürchterlich aus, riecht so, und wird auch so schmecken“, orakelte der Präsident. Büchler gab ihm recht: „Das ist die Hölle, aber auch die muss man kennen. Und ich wette, Sie haben so etwas schon mal irgendwo getrunken.“

Überraschendes Finale

Dann läutete er das Finale ein: Kaffee aufbrühen, warten bis sich eine Kruste bildet, diese „brechen“ wie es im Fachjargon heißt , umrühren, Schaum beseitigen und mit Löffel schlürfen. Und, oh Wunder, jene Sorte, die Weber anfangs so kritisch betrachtet hatte, war letztlich sein Favorit. Mmmmh, schwärmte er.

Und er weiß, guten Kaffee zu schätzen, trinkt davon jeden Morgen zwei Becher. Dafür gibt er auch gerne „‘ne Mark mehr“ aus. Gleiches gilt für das Zubehör. Erst vor wenigen Tagen habe er 100 Filtertüten für 9 Euro gekauft.

Die kommen bei ihm übrigens niemals in eine handelsübliche Maschine. „Eine solche habe ich meinen Lebtag noch nicht besessen. Ich bevorzuge Handarbeit und brühe Kaffee klassisch im Keramikfilter auf.“

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