Nach wie vor ist das Viertel eines der quirligsten Quartiere Bremens. Es gibt Handel, viel Gastronomie und kulturelle Angebote. Foto: Schlie
Leerstände

Das Viertel im Wandel

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Die Imbiss- und Kiosk-Kultur in Bremens wohl bekanntesten Stadtteil wächst. Es gibt aber auch schöne Entwicklungen.

Die Schaufensterscheiben mit Plakaten beklebt, die Wände voller Graffity, die Eingangstür verrammelt – das ehemalige Schreibwarengeschäft HaBü im Steintor ist kein Aushängeschild mehr fürs Quartier. Aber beispielhaft.

Auch vor vielen anderen Läden sind die Jalousien runter gelassen und mit Schmierereien verschandelt. „Zwischen Sielwall und Lüneburger Straße gibt es aktuell viel Bewegung“, sagt Norbert Caesar, erster Vorsitzender der „Interessengemeinschaft Das Viertel“ (IGV).

Hinterer Bereich erkundenswert

„Die Meile ist im stetigen Wandel. „Video Stern ist raus, der Plattenladen Ear geht raus, das Reisebüro ist weg und Honigdachs macht dicht“, listet Quartiersmanagerin Imke Allendorf auf. Zwischen Dobben und Helenenstraße gebe es nur noch eine Kiosk und Imbiss-Kultur – auf den ersten Blick nicht gerade ansprechend.

„Weiter draußen Richtung Hamburger Straße werden viele Einzelhandelsbetriebe durch teilweise auch sehr gute Gastronomiebetriebe ersetzt. Doch besagter Bereich dazwischen hält viele Menschen davon ab, den hinteren Teil des Viertels zu erkunden“, sagt sie.

Ostertor kaum von Leerstand betroffen

Allendorf betont, dass es aber auch schöne Entwicklungen gibt: „Die Schauburg wurde erweitert, aus Blumen Lamprecht haben die Verantwortlichen eine schöne Bar Tabac gemacht.“ Und man solle nicht so schwarz sehen.
Das findet auch Caesar. „Man muss zwischen Oster- und Steintor unterscheiden. Auf dem erstgenannten Teil der Meile ist es ruhiger und wir haben kaum Leerstände zu beklagen.“

Dort geht es eher um Wechsel: Aus der Kultkneipe Brazil wurde Perlen und Primaten (gut angenommen, wie Allendorf sagt), Beverly Boyers ist im Begriff ein Herrlicher-Store zu werden, der ehemalige Drachenladen wird nun von Motorradfreunden und der Bremer Kreidezeit betrieben.

Traditionelle Geschäfte noch immer vorhanden

Außerdem dürfe man die vielen Alteingesessen nicht außer Acht lassen. „Betten Wührmann, Möbel Flamme, Haushaltswaren Caesar, Korsett-Friedel, Spielwaren Wichlein und Cinema Ostertor sind alle über 50 Jahre teilweise sogar mehr als doppelt so lange vor Ort“, so Allendorf.

Sie setzt sich als Quartiermanagerin seit zwei Jahren für die Belange der Geschäftsleute vor Ort ein. Ihre Halbtagsstelle wird von den Mitgliedern der IGV finanziert. „Die müssen dadurch natürlich mehr Beiträge bezahlen“, sagt sie. Dennoch müsse man Geld in die Hand nehmen, wenn man vor Ort zukunftsweisend handeln und das Viertel in allen Belangen auf Trab bringen wolle. „Wir haben deshalb beim Wirtschaftssenator einen Antrag auf Zuschüsse gestellt.“ Der wird dort, wie Sprecherin Karen Schuster mitteilt, aktuell geprüft.

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