Sichtbar glücklich: Fernsehkoch und Entertainer Horst Lichter (57). Seine Kochlehre begann er mit 14 Jahren. 1995 eröffnete er sein Restaurant Oldiethek, Ende 2010 schloss er es, weil er wegen vieler anderer Aktivitäten kaum noch am eigenen Herd stand. Berühmt wurde er als TV-Koch. Foto: pv
Interview

Horst Lichter: „Es muss nur im Kopf klick machen“

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Horst Lichter kommt mit seiner Show „Herr Lichter sucht das Glück“ ins Metropol Theater. Uns hat er im Vorfeld schonmal verraten, was für ihn Glück bedeutet.

Weser Report: Herr Lichter, sind Sie jetzt glücklich?

Horst Lichter: Bin ich. Hier und jetzt.

Die französische Schriftstellerin Francoise Sagan hat einmal gesagt: „Man weiß selten was Glück ist, aber man weiß meistens, was Glück war“. In Ihrer neuen Show suchen Sie das Glück, aber wie kann man etwas finden, von dem man erst weiß, dass man es hatte, wenn es weg ist?

Das ist relativ einfach. Darüber habe ich in den vergangenen zehn Jahren viel nachgedacht. Ich bin der Überzeugung, dass nur Kinder pures Glück empfinden können – aber die wissen das nicht, sie erleben es nur. Als Jugendlicher und junger Erwachsener weiß man nur, was gerade ist und wo man hin möchte. Man hat keine Zeit, keine Muße. Alles muss schnell gehen. Erst, wenn man eine gewisse Reife hat, weiß man, was einem gut tut.

Wie kann das konkret gehen?

Es geht darum, einen Moment innezuhalten. Das ging mir schon öfter so in meinem Leben: Wie in meinem Lokal, als es anfing zu laufen. Da habe ich mir auch die Zeit genommen. Gerade in dem Moment, wenn man Erfolg hat, sollte man sich mal zurückziehen und darüber nachdenken warum. Und sich das bewusst machen.

Glauben Sie, wegen der Schlaganfälle und des Herzinfarkts können Sie Ihr Glück eher würdigen?

Alle Dinge, die ich erleben musste, haben dazu geführt, dass ich der Mensch bin, der ich heute bin. Ich bin sehr, sehr zufrieden, dass ich so bin, wie ich bin. Aber wenn ich diesen Erfolg schon in jüngeren Jahren gehabt hätte, wer weiß, vielleicht wäre ich ein Arschloch geworden. Zu schnell und zu früh zu viel Erfolg zu haben, dabei kann man die Bodenhaftung verlieren. Es geht darum, alles richtig einzuschätzen und nichts als selbstverständlich zu nehmen.

Sie haben mal gesagt, Sie machen nur noch die Dinge, die Ihnen wirklich Spaß machen. Was raten Sie den Menschen, die sich das nicht leisten können?

Ich bin ein großer Menschenliebhaber. Und ich habe festgestellt – und das hat mich sehr überrascht – dass diejenigen am Glücklichsten sind, bei denen man das am wenigsten erwarten würde. Also Kranke, Menschen mit einer Behinderung oder Menschen, die in Armut leben, zum Beispiel. Ich wäre ja auch dafür, dass alle jungen Menschen ein soziales Jahr machen. Um zu begreifen, wie gut es ihnen eigentlich geht und um ein bisschen Demut zu lernen. Dieses Bewusstsein kann man Heranwachsenden nur wünschen. Außerdem bin ich es so unendlich leid, dass alle über alles und jeden schimpfen. Immer haben alle anderen Schuld, nur man selbst nicht. Ich mache das nicht. Wozu auch? Wenn ich etwas ändern möchte, muss ich bei mir selbst anfangen.

Haben Sie einen Tipp, wie man etwas ändern kann, wenn man unglücklich ist?

Wenn einer Eheprobleme hat zum Beispiel, dann kann man nur raten: Rede mit deinem Partner. Und wenn das nicht hilft: Beende es. Was auch hilft: Ich kann mir einen weißen Zettel nehmen und aufschreiben, was ich mir wünsche. Keine Träume, sondern etwas Realistisches. Daneben schreibe ich, was es mich kostet, diese Wünsche wahr werden zu lassen. Wenn ich am Ende der Überzeugung bin, ich kann diese Konsequenzen tragen, dann kann ich meinen Traum erfüllen. Ansonsten muss ich mein Ziel verändern. Man kann so viel schaffen. Es muss nur im Kopf klick machen.

Was bedeutet Glück für Sie?

Dass ich machen kann, was ich jetzt mache. Ich wollte als Kind kochen, weil ich Menschen und ihre Geschichten lieb habe. Und mit dem Essen bekam ich sie an einen Tisch. Insofern habe ich für mich auch nie meinen Job gewechselt. Ich habe immer Menschen unterhalten. Nur jetzt kommen die Leute auch zu mir, ohne dass ich koche.

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