Die erste Hürde hat die Bürgerinitiative genommen, dem Volksbegehren folgt jetzt der Volksentscheid. Dafür sucht Sprecher Andreas Sponbiel noch Mitstreiter – und Geld. Foto: Schlie
Interview

Andreas Sponbiel: „Wir kommen mit Ideen“

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Mehr Grünflächen, mehr Freizeitmöglichkeiten: Der Sprecher der Rennbahn-Initiative sagt, wie es jetzt weitergeht und wie die Bürgerinitiative ihr weiteres Vorgehen finanzieren möchte.

Weser Report: Herr Sponbiel, Ihr Volksbegehren gegen die Bebauung des Rennbahngeländes ist erfolgreich. Der Wahlbereichsausschuss hat 24.183 Ihrer gesammelten Unterschriften anerkannt, rund 3.000 mehr als nötig gewesen wären. So gestärkt könnten Sie ja jetzt mit der SPD und den Grünen sprechen, um sie von Ihrem Plan zu überzeugen. Die Grünen haben schon einen Kompromiss vorgeschlagen: Nur eine Hälfte des Geländes wird bebaut, die andere wird Naherholungsgebiet. Was halten Sie davon?

Andreas Sponbiel: Den Kompromiss lehnen wir ab. Wir sind seit 2016 aktiv. Wir haben vor zwei Jahren eine Petition eingereicht, aber bis heute keine Anhörung bekommen. Wir haben jetzt mehr als 24.000 gültige Unterschriften gesammelt. Für diese Unterschriften haben wir uns die Füße wundgelaufen, jetzt geht es darum, unser Ziel durchzusetzen: keine Bebauung der Rennbahn. Wenn wir jetzt auf einen Kompromiss eingehen würden, würden wir uns unglaubwürdig machen. Wir würden die Menschen, die unterschrieben haben, vor den Kopf stoßen.

Dann kommt es voraussichtlich zum Volksentscheid. Jeder wahlberechtigte Bremer kann –wahrscheinlich am 26. Mai – entscheiden, ob für oder gegen Ihren Vorschlag ist. Wie wollen Sie eine Mehrheit erreichen?

Wir werden jetzt nicht mehr ohne Geld auskommen. Wir werden mit 15.000 bis 20.000 Euro rechnen müssen, wenn die Bürger im Volksentscheid nicht nur über unseren Antrag abstimmen können, sondern auch über einen alternativen.

Das planen jedenfalls die Grünen: Im Volksentscheid sollen die Bürger nicht nur über den Vorschlag der Bürgerinitiative abstimmen, sondern auch über den grünen Halbe-halbe-Vorschlag.

Das ist ein grobes Foul, dass sich die Grünen mit einer eigenen Frage dranhängen. Wichtig ist ja auch, wie genau die Fragen formuliert sind.

Wie will die Bürgerinitiative ihre Kampagne finanzieren?

Für die wenigen Mittel, die wir bisher brauchten, haben wir immer eine Umlage unter den Mitgliedern gemacht. Aber jetzt bin ich gerade dabei, mit weiteren Interessenten zu sprechen, die den Erhalt des Rennbahngeländes unterstützen.

Den Bau von Wohnungen auf dem Gelände lehnen Sie ab. Was schlagen Sie stattdessen vor?

Wir wollen die Fläche zur Erholung und für den Sport erhalten. Der Flächenfraß von Grünflächen muss beendet werden…

…also die Pferderennbahn erhalten?

Der Galoppsport ist Teil der Altnutzung, und wir haben immer gesagt, dass wir eine Altnutzung nicht gegen eine mögliche Neunutzung ausspielen. Wir treten für eine nachhaltige Nutzung des Geländes ein und für eine Weiterentwicklung, etwa für weitere Sportarten und Freiluftveranstaltungen. Die Fläche hat schon so viele tolle Konzerte gesehen, und wir hatten auch schon Public Viewing dort.

Wer soll die Entwicklung und Pflege des Geländes bezahlen?

Diejenigen, die jetzt die Grünpflege übernommen haben, übernehmen auch die Nachnutzung. Wenn man auf dem Gelände auch einen Park anlegt, kann man dafür eine Stiftung gründen. Wir werden da mit Ideen kommen, aber nicht mit fertigen Konzepten. Denn wir wollen, dass sich möglichst viele Bürger an der Planung beteiligen.

Sie wollen dort den Bau von Wohnungen verhindern, obwohl in Bremen Wohnungen fehlen. Was sagen Sie den Wohnungssuchenden?

Bremen kann auch über Innenverdichtungen und die Erschließung von Baulücken Wohnungen bauen. Wir haben so viele Industriebrachen wie Könecke und Coca-Cola, die man zuerst bebauen sollte, bevor man Grün- und Sportflächen bebaut.

Also Brachen, Hinterhöfe und Gärten zubauen?

Das ist mir zu einfach. Wer weiß, was in zehn Jahren ist? Vielleicht stellt man dann fest, dass man am Bedarf vorbei gebaut hat, dass man gar nicht so viele Wohnungen braucht. Den Menschen die Rennbahnfläche durch eine verfehlte Wohnungspolitik zu nehmen, kann nicht die Lösung sein.

Planen Sie Aktionen mit der CDU oder der FDP, die auch gegen die Bebauung sind?

Wir hatten mit der CDU, aber auch mit der FDP von Anfang an durchgängig Kontakt.

Welche Rolle spielt es, dass Sie Mitglied der Wählervereinigung Bürger in Wut sind?

Das spielt keine Rolle, ich bin auch nicht mehr im Landesvorstand, sondern einfaches Mitglied.

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