Das Wasser fließt immer noch zwischen Spülfeldsee und Alter Ochtum. Foto: Konczak
Lemwerder

Streit um den Spülfeldsee

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Nabu Stedingen und Landkreis Wesermarsch liefern sich einen Papierkrieg um die Wiederherstellung des Ochtumer Spülfeldsees. 2015 wurde ein Rohr entdeckt, nun liegt das Gebiet trocken.

Es herrscht Uneinigkeit im Landkreis Wesermarsch. Seit beinahe einem halben Jahrzehnt streiten sich der Naturschutzbund, Nabu, Stedingen auf der einen und der Landkreis auf der anderen Seite um einen See, den es erst seit den 1970er Jahren gibt: den Ochtumer Spülfeldsee. Vielmehr geht es um die dortige Wasserfläche, die nun nicht mehr besteht. Statt ihrer findet man auf dem etwa neun Hektar großen Areal eine Wiese, die man laut Landwirt Hans-Hinrich Meyer nun als Weidefläche nutzen will.

Der Nabu Stedingen, auf den Artenschutz bedacht, will, dass die Eigentümer das Areal wieder mit Wasser aufgefüllen und so in einen See zurückverwandeln. Der Landkreis sieht hierzu keine Veranlassung, die Argumentationen beider Seiten sind ohne tiefe Kenntniss des Falls nur schwer zu verstehen. Daher macht eine Herleitung Schritt für Schritt mehr Sinn.

Im Oktober 2015 fiel dem Nabu Stedingen auf, dass zwischen dem Ochtumer Spülfeldsee und der Alten Ochtum ein Verbindungsrohr angelegt wurde. Dieses sollte, so die Grundstücksbesitzer, lediglich der Überführung von Regenwasser dienen. Dem Nabu war dieses Rohr wiederum nicht geheuer, man vermutete, dass mit ihm der komplette See abgelassen werden sollte. Laut Aussage des Nabu waren bereits im folgenden Jahr, Anfang 2016, große Bereiche des Sees trocken. Im April 2018 reichte der Nabu schließlich einen Umweltschadensantrag ein.

Hier stand einst Wasser, nun liegt das Gebiet auf dem Trockenen. Foto: Konczak

Von Seiten des Landkreises heißt es, ein Abpumpen des Sees könne nicht nachgewiesen werden. Man weist stattdessen auf Niederschlag, Verdunstung und den sandigen Untergrund des Areals als Ursachen für die Trockenheit hin.

Wann ist ein See ein See

Dem Nabu bereiten vor allem die Folgen durch das Wegfallen eines Biotops für teils bedrohte Tierarten wie der Kreuzkröte Sorgen. Aus Sicht des Landkreises Wesermarsch liegt ein solcher Umtweltschaden nicht vor. Brutvogeldaten von 2010, welche der Nabu unter anderem dem Antrag beigefügt hatte, bezögen sich zudem auf das gesamte Gebiet Ochtumer Sand, dessen Fläche zu über 90 Prozent unverändert sei.

Des weiteren heißt es im Bescheid des Landkreises an den Nabu, der Spülfeldsee sei qua Definition kein Gewässer. Mit anderen Worten heißt das: Der Spülfeldsee war laut Landkreis kein See. Im aktuellen Wasserrecht bestehe für eine Wiederherstellung der Wasserfläche somit kein Anlass. Dies bezeichnet der Nabu Stedingen als „bizarren Winkelzug“.

Gegen den Bescheid des Landkreises gegen den Antrag zur Wiederherstellung des Spülfeldsees hat der Nabu Widerspruch eingelegt, der Streit geht also weiter. Fakt bleibt bis auf weiteres, dass das Gebiet Ochtumer Sand mehr als neun Hektar neue Weidefläche vorweist. Aus Schreiben der Ochtumer Sand GmbH, seit 2015 Eigentümer des Lands, an den Landkreis Wesermarsch lässt sich erschließen, dass schon vor der Nutzung als Spülfeld auf dem Areal Vieh geweidet hat. Man argumentiert: „Es soll wieder der ursprünglichen Nutzung eines Grünlands zugeführt werden.“

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