Bauarbeiter legten die Treppe zur Domshof-Toilette frei, um sie mit einem zu öffnenden Deckel versehen zu können. Foto: Lürssen Bauarbeiter legten die Treppe zur Domshof-Toilette frei, um sie mit einem zu öffnenden Deckel versehen zu können. Foto: Lürssen
Bauarbeiten

Neuer Deckel für „Palazzo Pisso“

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Sie war die bekannteste Bedürfnisanstalt Bremens und gleichzeitig ein Abort für Steuergeld: die unterirdische Toilette auf dem Domshof – auch bekannt als „Palazzo Pisso“.

2013 wurde „Palazzo Pisso“ geschlossen, später der Eingang inklusive Kiosk abgerissen und die Treppe abgedeckt, um die Baustelle für den Umbau der Bremer Landesbank einrichten zu können. Seit Montag ist die Treppe wieder sichtbar. Und so mancher Passant vermutete schon eine Wiedereröffnung des Untergrundklos.

Daran sei jedoch keinesfalls gedacht, versichert Jens Tittmann, Sprecher der Baubehörde. „Es wird ein hydraulischer Deckel gebaut, damit der Bereich bei Bedarf betreten werden kann“, erklärt er.

Beschwerlicher Weg hinunter

Hinter der Toilette im Ruhestand befindet sich nämlich ein Technikraum, der für die Versorgung der Marktbeschicker und die Pumpe des Neptunbrunnens von Bedeutung ist. Seit dem Verschluss der Treppe konnte der Raum nur noch über eine Leiter erreicht werden. Oder notfalls über die Küche des Restaurant Alex und einen Marsch durch den Atombunker unter dem Domshof.

Dass das kein Dauerzustand sein würde, sei von Anfang an vorgesehenen gewesen, so Tittmann. Dass es so lange dauern würde, allerdings nicht. Zwei Gründe hätten zu der Verzögerung geführt, erläutert er.

Automatische Absperrungen geplant

Einerseits die Verwerfungen rund um die Landesbank, die mit der Baugenehmigung eine Auflage zur Wiederherstellung des historisch anmutenden Pflasters erhalten habe, und andererseits technische Probleme.

„Wir mussten eine Lösung finden, die sicherstellt, dass niemand die Treppe herunterfällt, wenn der Deckel geöffnet ist“, berichtet Tittmann. Die Lösung sei nun gefunden. Wenn sich der Eingang zu den Katakomben öffnet, werden automatisch Absperrungen mit ausgefahren, so der Plan.

Unsichtbarer Deckel

Bis Ostern sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. In geschlossenem Zustand soll man von dem hydraulischen Deckel dann fast nichts sehen können. Er wird von oben mit dem gleichen Pflaster versehen wie seine Umgebung.

Teure Toilette

870.000 Mark hatte der Umbau der Toilette einst gekostet, was ihr im Volksmund den Namen „Palazzo Pisso“ einbrachte. Richtig teuer war jedoch der Betrieb der Anlage. Aufgrund eines Pauschalvertrages musste Bremen seinerzeit jährlich 500.000 Euro für die Toiletten am Domshof und unter der Brillkreuzung hinblättern.

Kleiner Tipp noch für alle, die auf eine Wiedereröffnung des Pinkel-Palastes gehofft hatten: Im Untergeschoss der Markthalle Acht befindet sich eine öffentliche Toilette. Die ist im Gegensatz zu „Palazzo Pisso“ sogar per Fahrstuhl zu erreichen und verfügt über eine Behindertentoilette.

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