Mann der Tat: Philipp Bargfrede Foto: Nordphoto Philipp Bargfrede (links) steht mit seiner schnörkellosen Spielweise und seinem unprätentiösen Auftreten für die Grundtugenden des Fußballs. Foto: Nordphoto
Bargfrede Portrait

Harter Arbeiter, großer Kämpfer – „Bargi“ wird 30

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Das Rampenlicht gehört meist den anderen. Denen, die die Tore schießen oder denen, die sie auf spektakuläre Art und Weise verhindern. Irgendwo dazwischen auf dem Platz geht Philipp Bargfrede seiner Arbeit nach.

Im Zentrum. Direkt vor der Abwehr. Dort, wo es auch mal richtig weh tun kann. Seit 2004 hält der gebürtige Zevener, der Junge aus der Region, für Werder die Knochen hin. U17, U19, 2008 dann der Sprung in den Bundesliga-Kader. Bargfrede ist Werders dienstältester Profi. Am diesem Sonntag feiert er seinen 30. Geburtstag.
„Sein Stellenwert bei den Trainern und sportlich Verantwortlichen war schon immer extrem hoch“, sagt Sportchef Frank Baumann über den Mann, den sie im Verein „Bargi“ nennen. Es ist ein liebevoller Spitzname, übrig geblieben aus der Zeit als Nachwuchsspieler. Doch diese verniedlichende i-Endung, sie steht in krassem Widerspruch zu dem, was „Bargi“ auf dem Platz verkörpert: Harte Arbeit.

Zweikampfstarker Traktor

Bargfrede ackert, malocht, den Kopf beim Laufen leicht gesenkt, elegant sieht das nicht aus. Aber es ist effektiv. Wie ein alter Traktor: Längst nicht mehr alle Teile in Schuss, pflügt und furcht aber zuverlässig wie kein anderer. Qualitätsarbeit. „Defensiv ist er extrem zweikampfstark und erobert viele Bälle“, lobt Baumann. Als Balldieb wurde Bargfrede dafür einst tituliert. Irgendwie bringt er eben immer einen Fuß dazwischen.
Weil er auch über großes Ballgefühl verfügt, Timing hat, hin und wieder sogar kleine Kabinettstückchen einstreut. Mit Selbstzweck hat das nichts zu tun, es dient der Sache.

Wie aus der Zeit gefallen

„Wir haben ja auch immer wieder darauf hingewiesen, dass es ein Unterschied ist, ob er spielt, oder nicht“, sagt Baumann – und stellt fest: „In der öffentlichen Wahrnehmung hat es etwas länger gedauert, bis er diese Wertschätzung bekommen hat.“ Heute, da habe aber auch der Letzte begriffen, dass dieser Philipp Bargfrede „ein sehr guter Bundesliga-Spieler ist“. Und im Grunde einer, der heute so gar nicht mehr gebaut wird.
Im modernen Fußballgeschäft, das längst mehr Hochglanz als Holzfällen ist, wirkt Bargfrede manchmal wie aus der Zeit gefallen. Als hätte jemand Dieter Eilts in seiner Hochphase eingefangen, konserviert und wieder auf den Platz gestellt.

Nationalmannschaft bleibt Konjunktiv

Es mag an der schnörkellosen Spielweise liegen, am unprätentiösen Auftreten abseits der Platzes – irgendwie erweckt dieser Bargfrede den Eindruck, dass er als Fußballer auch in den rauen 1980er-Jahren bestens funktioniert hätte. Weil er für die Grundtugenden dieses Spiels steht. Dieses Spiels, das seinen Körper schon so oft kaputtgemacht hat.
Meniskus- und Muskelfaserriss, Bänderverletzungen, Prellungen, Sprunggelenksprobleme – Bargfredes Krankenakte ist lang. Es gibt Experten, die ihm die Nationalmannschaft zugetraut hätten, wenn sie es nicht wäre. Länderspiele im Konjunktiv.

„Passt zu Werder, wie kaum ein anderer Spieler“

Fest steht: Die zahlreichen Blessuren tragen maßgeblich zu Bargfredes Geschichte, zu seiner heutigen Wahrnehmung bei: Dieser Mann gibt alles für Werder. Immer. Auch auf Kosten der eigenen Gesundheit.
„Er passt zu Werder, wie kaum ein anderer Spieler. Wir sind sehr froh, dass wir ihn haben“, sagt Baumann über den nun 30-Jährigen, der wiederum in der Öffentlichkeit am liebsten gar nicht spricht. Nach etlichen Jahren unter Trainer Thomas Schaaf wirkt es fast so, als ob dessen Grummeln, ja sogar Teile von dessen Mimik auf Bargfrede abgefärbt hätten. Passt irgendwie gut.

Spiel Nummer 189 – heute in Wolfsburg

Heute, wenn Werder ab 18 Uhr beim VfL Wolfsburg antritt, wird Philipp Bargfrede sein 189. Bundesligaspiel bestreiten. Dass noch viele weitere dazugekommen, scheint in Bremen so unumstößlich wie Roland und Dom. „Mit 30 hat er ja noch ein paar Jahre vor sich“, sagt Frank Baumann. Und wo sollte der ewige „Bargi“ sie sonst verbringen als im Bremer Mittelfeld. Irgendwo zwischen Angriff und Abwehr. Dort, wo es manchmal richtig weh tut.

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