Im Rahmen ihrer Promotion will Jennifer Burdorf ein Konzept für einen Hochschulstandort in Delmenhorst erarbeiten. Foto: Konczak Im Rahmen ihrer Promotion will Jennifer Burdorf ein Konzept für einen Hochschulstandort in Delmenhorst erarbeiten. Foto: Konczak
Vision

Das wäre ein großer Imageträger für die Stadt

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Jennifer Burdorf spricht im Interview mit unserer Zeitung über einen Hochschulstandort in Delmenhorst.

Delme Report: Frau Burdorf, Sie haben sich im Rahmen Ihrer Masterarbeit mit der Frage beschäftigt, wie die Delmenhorster Innenstadt belebt werden kann. Wie kommen Sie darauf, dass die Lösung eine Hochschule wäre?

Jennifer Burdorf: Ursprünglich sollte meine Masterarbeit über Leerstände und Zwischennutzungen gehen. Dann ist kurz vor dem Praktikum bei der Delmenhorster Wirtschaftsförderungsgesellschaft das Krankenhaus in die Insolvenz gerutscht und es ging in der Innenstadt nicht mehr nur um leerstehende Läden, sondern plötzlich auch um ein leerstehendes Krankenhaus. Unabhängig davon habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was eigentlich in der Stadt fehlt. Woran liegt es, dass hier so wenig los ist? Wenn wir mit jungen Menschen geredet haben, ging es ganz oft um Gastronomie und um das Nachtleben. Und mir ist aufgefallen, dass es andernorts so etwas immer gibt. Warum ist das in Delmenhorst verschwunden? Dann bin ich statistisch an die Sache herangegangen und habe gemerkt, dass hier ein Hochschulstandort fehlt.

Kann eine Hochschule und ein innerstädtischer Campus tatsächlich den Handel beleben?

Ja, aber der Fokus deutschlandweit in den Innenstädten geht dahingehend zu überlegen, was man ergänzend zum Handel machen kann. Das wäre zum Beispiel mehr Gastronomie. Natürlich gibt es Handelsflächen, aber nicht jede Handelsfläche wird jemals wieder eine werden. Das wird beim ehemaligen Hertie-Gebäude deutlich, wo es schwierig ist, Ankermieter für alle Etagen zu finden. Der Flächenbedarf ist mittlerweile einfach ein ganz anderer geworden. Das liegt vor allem auch am Online-Handel.

Was heißt das für die Delmenhorster Innenstadt?

Handel ist wichtig und Handel wird durchaus dort, wo sich Studenten ansiedeln, belebt. Ein gutes Beispiel ist die Bremer Neustadt. Dort bietet der Handel keine kostengünstigen Billigangebote. Im Gegenteil. Das ist dann eher das Biofrühstück, das bevorzugt wird.

Man sollte also vorhandene Großstrukturen in der Delmenhorster Innenstadt für eine Hochschule oder ein Studentenheim nutzen?

Ja. Die Bestrebungen, alte Großstrukturen neu zu nutzen, gibt es in vielen Städten. Das ehemalige Krankenhaus war nur ein Beispiel. Es gibt auch durchaus andere Flächen, wie die Hotelwiese, die interessant für solch ein Projekt wären. Mir wäre nur wichtig, dass das Ganze nicht am Stadtrand, sondern im Zentrum passiert. Die Wildeshauser Straße als alleiniger Standort wäre zu Auto zentriert. Es sind zwar nur drei Kilometer, aber entscheidende drei Kilometer.

Warum?

Sonst pendeln die Studenten nur aus anderen Städten in Delmenhorst ein. Umso zentraler der Campus und die Infrastruktur um die Uni herum ist, umso wahrscheinlicher ist es, dass die Studenten vor Ort wohnen. Meine Idee zielt dahin zu gucken, ob es nicht das Potential gibt, einen Hochschulstandort in Delmenhorst anzusiedeln.

Die Kaufleute, die örtliche Wirtschaft und auch die Delmenhorster Universitätsgesellschaft zeigten sich bereits überzeugt davon…

Ich glaube die Universitätsgesellschaft interessiert sich schon für einen Hochschulstandort in Delmenhorst. Sie haben auch in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass hier ein Studentenwohnheim Sinn macht. Ich glaube es ist ganz natürlich, dass das als wünschenswert angesehen wird.

Rechnet sich eine Hochschule hier überhaupt?

Zahlen dazu, wie sehr sich das rechnen würde, kann man schwer beziffern, weil es in Deutschland nur wenig Städte gibt, die keine Unis oder Hochschulen haben. Delmenhorst ist die 9. größte Stadt Niedersachsens und die einzige kreisfreie Stadt ohne Hochschulstandort. Für welche Art von Hochschule man sich entscheidet und ob sie sich rechnet, hängt von vielen Dingen ab, beispielsweise von der Anzahl der Studenten, die Art der Fächer und Studienmodelle.

Gibt es vergleichbare Städte in denen so etwas funktioniert hat?

Bottrop hat in den vergangenen Jahren einen neuen Hochschulstandort bekommen. Und Bottrop hat eine ähnliche Struktur wie Delmenhorst. Die Stadt besteht aus einem alten Industriestadtkern, der aus einem Dorf entstanden ist. Wie sich die Hochschule dort auswirkt – da ist es für Rückschlüsse leider noch zu früh.

Wie geht es mit Ihrer Idee jetzt weiter?

In Vorbereitung ist die Einrichtung einer Projektstelle, in der ich dann über dieses Thema promovieren und versuchen würde, ein Konzept zu erarbeiten, wie so etwas konkret aussehen könnte. Allerdings sind wir noch am Planen.

Ihr Appell an die Delmenhorster, bis es soweit ist?

Hochschulstandorte sind ein großer Imageträger, aber das Image wird nicht alleine durch so eine Ansiedlung besser, sondern durch Imageträger und -multiplikatoren. Die Delmenhorster sind viel zu wenig stolz auf ihre Stadt. Sie stellen sie immer als eine kleine Stadt in der Nähe von Bremen dar, dabei sind wir 62.000 Einwohner von einer Kleinstadt entfernt und 18.000 von einer Großstadt. Da müsste einfach etwas mehr Mut und Selbstbewusstsein her.

 

Zur Person: Jennifer Burdorf ist 25 Jahre alt, gebürtige Bremerin und hat an der Universität Essen „Urbane Kultur, Gesellschaft und Raum “ mit dem Schwerpunkt auf die Stadtentwicklung studiert. Zurzeit arbeitet sie für die Delmenhorster Wirtschaftsförderungsgesellschaft.

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