Die Veranstaltung der AfD im Hamme Forum war gestern Anlass für zwei Protestumzüge: Rund 300 Teilnehmer demonstrierten gegen Rechtspopulismus und für Toleranz. Foto: Möller Die Veranstaltung der AfD im Hamme Forum war Sonnabendnachmittag Anlass für zwei Protestumzüge: Rund 300 Teilnehmer demonstrierten gegen Rechtspopulismus und für Toleranz. Foto: Möller
Zwei Demonstrationen

Alice Weidel mobilisiert 600 Leute, Fans und Gegner

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Zu einer Wahlkampfveranstaltung hatte die AfD Sonnabend nach Ritterhude eingeladen. Dort war AfD-Fraktionschefin Alice Weidel die Hauptrednerin vor 300 Zuhörern. Draußen protestierten rund 300 Gegendemonstranten.

Im Saal gab es vorsorglich Sicherheitshinweise ans Publikum. Rund 300 Menschen folgten gestern Nachmittag einer Einladung der Alternative für Deutschland (AfD) zu einer Vortragsveranstaltung ins Hamme Forum. Dort wurde die Fraktionsvorsitzende im Deutschen Bundestag, Alice Weidel, angekündigt.

Draußen hatten sich Protestler in zwei Demonstrationszügen aufgestellt, um gegen die AfD zu skandieren. Nach Polizeiangaben waren es 110 Menschen, die ein Bremer Bündnis nach Ritterhude mobilisiert hatte, einem Aufruf von Grünen und Jungsozialisten in der SPD waren weitere 200 Teilnehmer gefolgt. Zwei Eier flogen aufs Hamme Forum, so bilanzierte Polizeisprecherin Imke Burhop den für die Einsatzkräfte ruhigen Nachmittag.

Stimmung kam mit Marschmusik

Im Saal stieg die Stimmung mit dem Abspielen des Radetzky-Marsches. Sprecher der Partei sorgten im Vorprogramm für markige Worte. Der AfD-Kreisvorsitzende Thorben Freese wandte sich gegen den „Straßenterror“, den die AfD erlebe. Man werde an der Ausübung seiner demokratichen Rechte gehindert. Klaus Wichmann, für die AfD im Niedersächsischen Landtag, kritisierte die Arbeit des Verfassungsschutzes. Der solle zwar ganz Ohr sein, sich aber in seiner Beobachtung nach links wenden. Die AfD-Landesvorsitzende Dana Guth sprach von einem richtungsweisenden Wahljahr. Man wolle dem „enthemmten Brüsseler Bürokratiemonster“ seine eigene Vorstellung eines „Europas der Nationalstaaten“ entgegenstellen.

Die AfD-Fraktionsvoristzende im Bundestag, Alice Weidel, sprach gestern bei einer Wahlkampfveranstaltung ihrer Partei im Ritterhuder Hamme Forum. Foto: Möller

Die AfD-Fraktionsvoristzende im Bundestag, Alice Weidel, sprach bei einer Wahlkampfveranstaltung ihrer Partei im Ritterhuder Hamme Forum. Foto: Möller

Mit großem Applaus wurde danach Alice Weidel empfangen. Die AfD-Fraktionsvorsitzende erklärte, warum ihre Partei nicht gegen Europa, aber gegen eine Union von Transferleistungen eintrete. Mit deutschem Steuergeld würde der französische Präsident Emmanuel Macron in sein Land investieren. „Wir lassen uns unser Europa nicht von blassen Bürokraten kaputtmachen“, so Weidel. Sie plädierte für ein „Europa der Vaterländer“, in dem auch Deutschland verlorengegangene Souveränität zurückerlangen müsse. Ohne die weitere Umverteilung „billigen Geldes“ und natürlich ohne den Euro. Den werde es bald sowieso nicht mehr geben. Schon fürs kommende Jahr prognostiziert Weidel den Zusammenbruch des europäischen Bankensystems.

Weidel nennt Politiker Zyniker oder dumm

Die Politiker der etablierten Parteien, die das nicht sähen, seien entweder Zyniker oder dumm. Sie hingegen bleibe eine Wutbürgerin, die sich darüber aufregen wolle. Weidel verwies wiederholt auf ihr am Montag erscheinendes Buch. Auf 150 Seiten würde sie darin wichtige Zusammenhänge erklärt haben. Zum Beispiel, dass die Europäische Union gegenwärtig nur funktioniere, weil Deutschland zum Zahlmeister für Italien, Spanien und Frankreich geworden sei. „Glauben Sie, dass Frankreich einmal für Deutschland zahlen würde?“, Weidel war zufrieden mit dem Applaus als Antwort. Während Frankreich 3,6 Prozent des Wertes seines Bruttoinlandsprodukts für Investitionen nutzen könne, blieben Deutschland lediglich 2,2 Prozent für dringende Investitionen übrig.

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