Gründerin Myriam Carneva hat in der Bremer Neustadt einen Unverpackt-Laden eröffnet. Foto: Lohmann Gründerin Myriam Carneva hat in der Bremer Neustadt einen Unverpackt-Laden eröffnet. Foto: Lohmann
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Plastikfreies Einkaufen in der Bremer Neustadt

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Zwei, drei Äpfel ohne Plastiktüte zu kaufen, ist in nahezu allen Märkten möglich. Myriam Carneva setzt mit ihrem Unverpackt-Laden noch einen oben drauf. Dort gibt es auch Nüsse, Waschmittel und Kosmetik plastikfrei.

Von Insa Lohmann

Die beiden Drogeriemarktketten Rossmann und DM wollen gemeinsam mit zwei Herstellern ein neues Recycling-Logo einführen. Damit sollen Verbraucher beim Einkaufen schneller erkennen können, welche Produkte mit wenig Verpackung auskommen. Ein Trend, dem auch Supermärkte folgen: So hat Rewe die Plastiktüte aus dem Handel bereits komplett verbannt und plant nach eigenen Angaben weitere Initiativen, um Plastikmüll zu reduzieren.

Die Einzelhandelsgruppe Edeka möchte künftig durch eine innovative Lasertechnik Verpackungsmüll einsparen und mit einem sogenannten Smart Branding arbeiten: Hierbei wird das Etikett durch eine Lasergravur ersetzt und soll damit für rund 50 Tonnen weniger Plastik im Jahr sorgen.

Sortiment reicht von Obst und Gemüse bis zu Waschmittel

Viele Menschen wollen im Alltag etwas tun, um die Umwelt zu entlasten. So ging es auch Myriam Carneva, die im vergangenen Jahr in der Bremer Neustadt einen Unverpackt-Laden eröffnete. Nach einer TV-Dokumentation über die Auswirkungen von Plastikmüll machte sich die junge Frau Gedanken darüber, wie sie selbst tätig werden kann und suchte nach umweltfreundlichen Produkten.

„Viel habe ich nicht gefunden“, sagt Carneva. Ihr Mann motivierte sie schließlich zu einem eigenen Geschäft mit einem öko-freundlichen Angebot. Mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne, über die 15.000 Euro zusammenkamen, baute sie ihr Geschäft langsam auf. Das Sortiment reicht von Lebensmitteln wie Obst und Gemüse, Ölen, Gewürzen und Nudeln über Kosmetikartikel wie Zahnbürsten aus Bambus bis hin zu Flüssigwaschmittel.

Ladeninhaberin testet jedes Produkte vorher selbst

Alle Produkte können von den Kunden selbst abgewogen und in eigens mitgebrachten Behältern wie Dosen, Beuteln oder Gläsern abgefüllt werden. Manche Bremer würden erst ein paar Mal schauen, bevor sie tatsächlich etwas einkauften. Myriam Carneva hat dafür Verständnis: „Es ist schwierig, seine Routinen zu ändern.“

Die Suche nach neuen Artikeln macht einen Großteil ihrer Arbeit aus: „Es kostet viel Zeit, nach passenden Herstellern zu gucken“, sagt die Jungunternehmerin. Dabei achtet sie nicht nur auf die Art der Verpackung, sondern auch auf die Herkunft und die Arbeitsbedingungen der Anbieter. Bevor die Ware in das Sortiment kommt, prüft Myriam Carneva sie auf Herz und Nieren: In ihrem Laden L’ Epicerie Bio in der Rückertstraße verkauft die gebürtige Französin ausschließlich Produkte, die sie zuvor selbst getestet hat.

Das Konzept komme gut an: „Die Leute mögen den Laden und die Idee.“ Doch nicht bei allen Artikeln hätten die Kunden Verständnis für die manchmal etwas höheren Preise, sagt Myriam Carneva: „Beim Kaffee ist das ein Problem, den finden viele zu teuer.“ Doch sie steht hinter ihrem Sortiment und findet es wichtig, CO2-sparende Alternativen zu unterstützen. Haben Kunden Ideen für neue Produkte, notiert sich die Wahl-Bremerin diese sorgfältig. Nur einem Wunsch konnte sie bisher nicht nachkommen: „Chips habe ich nicht unverpackt gefunden.“

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