Amani Al-Nakawa (links) und Asmaa Al Haj Ali (rechts) leben in der Grohner Düne und kommen einmal die Woche zum Sprachcafé in das Haus Vier Deichgrafen. Lilo Wolf (Mitte) freut sich auf die Gespräche. Foto: Harm Amani Al-Nakawa (links) und Asmaa Al Haj Ali (rechts) leben in der Grohner Düne und kommen einmal die Woche zum Sprachcafé in das Haus Vier Deichgrafen. Lilo Wolf (Mitte) freut sich auf die Gespräche. Foto: Harm
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Sprachcafé öffnet Tor zwischen Düne und Stadtteil

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Einmal in der Woche kommen Bewohner der Grohner Düne mit Mietern des Hauses Vier Deichgrafen zusammen. Die einen lernen gerade Deutsch, die anderen helfen dabei. Bei dem Projekt geht es aber nicht allein um die Sprache.

Kaffeeduft liegt im Raum, Kekse stehen auf den Tischen bereit und sechs Bewohner des Hauses Vier Deichgrafen der Bremer Heimstiftung warten auf ihre Sprachpartner. Nach und nach trudeln Bewohner der Grohner Düne ein. Herzliche Begrüßungen, Umarmungen und ein „schön, dass du wieder da bist“.

Einmal die Woche, immer donnerstags, kommt diese Gruppe zusammen, um gemeinsam Deutsch zu sprechen. Sprachcafé nennt sich das Projekt, das Iman Al Najar im Oktober 2018 initiiert hat. Vorrangiges Ziel ist es, dass Menschen unterschiedlicher Generationen und Kulturen zusammen kommen und miteinander Deutsch sprechen. Das Sprachcafé wird unter anderem mit Mitteln aus dem Programm „Wohnen in Nachbarschaft“ gefördert.

Elmar Schmidt und Mervat Alkttan gehen das Ergebnis ihres letzten Deutschtests durch. Auf der anderen Seite des Tisches unterhalten sich die beiden syrischen Frauen Amani Al-Nakawa und Asmaa Al Haj Ali mit Lilo Wolf über das Kochen und den Ramadan. „Ich habe erfahren, dass der Ramadan beweglich ist und nicht immer zur selben Zeit stattfindet“, sagt Wolf.

Im Sprachcafé wird freies Sprechen geübt

Die Bewohnerin des Hauses Vier Deichgrafen ist seit Dezember beim Sprachcafé dabei und von dem Angebot begeistert: „Wir sehen uns nicht als Deutschlehrer. Wir geben Hilfestellungen und sprechen viel miteinander.“ Elmar Schmidt ergänzt: „Viele können schon gut Deutsch schreiben, aber das Sprechen fällt ihnen schwer.“

Und genau so soll es auch sein. „In den Deutschkursen lernen die Teilnehmer die Grammatik und Co., aber nicht unbedingt, frei zu sprechen. Genau das ist hier der Schwerpunkt“, sagt Al Najar. Das sehen auch die Teilnehmer aus der Grohner Düne so: „Mir gefällt es sehr gut. Ich kann Deutsch sprechen und habe Kontakt zu Deutschen“, sagt Asmaa Al Haj Ali. Amani Al-Nakawa ergänzt: „Wir brauchen den Kontakt zu den Menschen hier.“

Grohner Düne nach außen öffnen

Wer möchte, kann ein Heft nutzen, das Anregungen für Gesprächsthemen und kleine Übungen bietet. Häufig finden sich aber schnell eigene Themen. „Die Teilnehmer erzählen von ihren Berufen, was sie früher gemacht und die Bewohner der Grohner Düne werden auch mal nach ihrer Fluchtgeschichte gefragt“, sagt Ann-Katrin Sasse, die Leiterin des Hauses Vier Deichgrafen.

Iman Al Najar verfolgt mit dem Projekt noch ein anderes Ziel: „Ich möchte die Düne nach außen öffnen. Menschen aus dem Stadtteil sollen in die Grohner Düne kommen und Bewohner der Grohner Düne in den Stadtteil.“ Al Najar will Vorurteile abbauen und zeigen, dass sich in dem Gebäudekomplex vieles geändert hat. Sie war dort als Integrationslotsin tätig und arbeitet inzwischen als Integrationskraft und Managerin für das Projekt „Willkommen im Quartier“. Sie initiiert immer neue Projekte, um ihrem Ziel ein Stück näher zu kommen. „Das sind Türen, die wir öffnen.“

Elmar Schmidt und Mervat Alkttan üben mit einem Lernheft Deutsch.  Foto: Harm

Gegenseitige Besuche

Auch durch das Sprachcafé ist das bereits passiert. „Als das Projekt startete, gab es gemischte Resonanz“, erzählt Sasse. „Dann haben immer mehr teilgenommen und Freundschaften sind entstanden.“ Teilweise treffen sich die Teilnehmer auch außerhalb des Sprachcafés und besuchen sich gegenseitig.

Zum syrischen Frühstück sind die Bewohner aus dem Haus Vier Deichgrafen in die Grohner Düne gegangen und haben kennengelernt, wie es in einer anderen Kultur am morgendlichen Frühstückstisch aussieht. Weitere Einladungen gab es zum Beispiel anlässlich des Internationalen Frauentags.

Sasse wünscht sich feste Patenschaften: „Es wäre toll, wenn sich die Teilnehmer zum Beispiel beim Einkaufen oder bei anderen Tätigkeiten unterstützen.“ Sie und Al Najar hoffen, dass das Projekt noch ein weiteres Jahr mit Fördergeldern verlängert werden kann.

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