Seit knapp zwei Jahren ist Hinrich Blechschmidt Kontaktpolizist in Oberneuland. Foto: Barth
Kontaktpolizist

Blechschmidt: „Direkter geht es nicht“

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Rund ein halbes Jahr ist Hinrich Blechschmidt nun in Oberneuland als Kontaktpolizist im Einsatz. Ein halbes Jahr, in dem er sich eingelebt hat und den Stadtteil, die Bewohner und die Eigenheiten gut kennenlernen konnte.

Nah an den Menschen und dirket vor Ort – das war es, was Hinrich Blechschmidt dazu bewog, sich auf die Stelle als Kontaktpolizist in Oberneuland zu bewerben. „Als Kontaktpolizist ist man grundsätzlich der Ansprechpartner und direkter geht es nicht. Man ist präsent und soll auch gesehen werden.

Wir zeigen: Die Polizei ist da“, sagt Blechschmidt. Seit August 2018 ist der Stadtteil nun sein Revier. „Die Stelle war unbesetzt und ich habe dann kurzfristig den Zuschlag erhalten“, erinnert sich der 58-Jährige.

Seit 40 Jahren bei der Polizei

Unbekannt ist ihm Oberneuland allerdings nicht: Bis 2004 war Blechschmidt am Revier Horn und damit auch in Oberneuland unterwegs. Heute blickt er auf über 40 Jahre Erfahrung als Polizist zurück, mehr als 30 davon in Bremen im Streifendienst und zuletzt fünf Jahre im Präsidium, unter anderem in der Einsatzplanung. „Dort hatte ich wenig Außenkontakt. Das wollte ich gerne wieder ändern“, sagt er.

Als Kontaktpolizist geht es nun vor allem darum, Netzwerke zu bilden. Dazu gehören auch die Einrichtungen und Schulen im Stadtteil. „Mit den Kindern der Grundschulen macht es sehr viel Spaß“, verrät Blech­schmidt. Dort führt er beispielsweise die Verkehrssicherheitstage und die Fahrradführerscheinprüfungen durch. Wichtig ist ihm auch die Aktion „Sicherer Schulweg“. In den fünften und sechsten Klassen geht es dann eher um Selbstbehauptung, die der Kontaktpolizist den Jugendlichen spielerisch nahe bringt.

Viele Aufgaben für einen Beamten

Neben den jungen Stadtteilbewohnern liegen ihm aber auch die Ältesten am Herzen. So möchte Blechschmidt sich künftig auch mehr um die Seniorenheime kümmern. „Es soll Vorträge zu relevanten Themen geben und ich möchte vor Ort über Straftaten zum Nachteil älterer Menschen aufklären und wie man sich davor schützen kann.“ Bisher sei er dazu aber noch nicht gekommen. „Man nimmt sich viel vor und möchte sich auch gerne überall mal blicken lassen“, sagt Blechschmidt, der polizeiintern in Modulen zum Kontaktpolizisten fortgebildet wird. Dabei stoße er aber auch an Grenzen. Viele Jahre hatte der Stadtteil zwei Kontaktbeamte, die sich aufteilen konnten. „Es ist ein großer Bereich mit viel Fläche und 13.000 Einwohnern.“ Derzeit muss Blech­schmidt die täglich anfallenden Aufgaben noch alleine bewältigen.

Dazu gehören auch Sprechstunden am Revier. Diese seien immer gut besucht und das Telefon klingele sehr häufig. „Die Anzeigenaufnahme ist nicht mehr hier möglich, viele Menschen fragen aber nach, ob ich mir nicht dies oder das mal anschauen kann. Das geht natürlich nicht immer“, erklärt der begeisterte Städtereisende. Dann zöge er auch Kollegen hinzu. Inzwischen wird er auch unterwegs oft angesprochen, etwa auf dem Weg zum Bäcker. „Gerade am Anfang meiner Zeit hier haben mich viele Menschen gefragt, ob ich der Neue sei. Die Oberneulander wollen ihre Polizei vor Ort und ich merke, wie inzwischen alles fest zusammenwächst.“ Zugehörigkeit und Identifizierung mit dem Stadtteil ginge im kleinen Bereich eben besser.

Möglichst viel zu Fuß unterwegs

Blechschmidt hat aber auch andere Aufgaben: Im Rahmen der Amtshilfe gehören beispielsweise Aufenthalts- oder Fahrzeug­ermittlungen zum Tagesgeschäft. „Das ist sehr zeitintensiv. Eine Adresse muss manchmal mehrfach besucht werden, bis man die entsprechende Person antrifft. Positiv dabei ist allerdings, dass man in Ecken und Straßen des Stadtteils kommt, die man vorher noch nicht kannte.“

Das meiste in Oberneuland versucht Blechschmidt zu Fuß zu erledigen. Eine Besonderheit ist allerdings, dass er der einzige Bremer Konaktpolizist mit Dienst-Pedelec ist. „Erst habe ich das Fahrrad meines Vorgängers wieder fit gemacht und es genutzt. Dann habe ich allerdings das Pedelec bekommen“, erzählt er. Das sei eine tolle Sache, vor allem wenn es sehr windig sei. „Ich kannte sowas vorher nicht, es macht aber wirklich viel Spaß und ist auf den längeren Strecken besser als das Fahrrad“.

„Mehr Land als Stadt“

Im Einsatz ist der 58-Jährige aber auch bei Sonderlagen im gesamten Stadtgebiet. „Dann regeln wir beispielsweise den Verkehr“, sagt Blechschmidt. Dazu gehören sowohl Fußballspiele als auch etwa der Freimarktsumzug oder auch der Besuch des niederländischen Königspaares. Und auch abends ist er manchmal noch viel unterwegs. „Je nach Saison haben wir unterschiedliche Schwerpunkte und in den dunklen Monaten gehört es auch dazu, abends präsent zu sein“, erklärt er. Dann besuchten er und seine Kollegen auch Einbruchsopfer und übernähmen die Opfernachsorge.

An Oberneuland gefällt Blechschmidt vor allem, dass der Stadtteil nicht anonym ist. „Es ist irgendwie mehr Land als Stadt und ein gewachsener Ort. Man kennt sich untereinander und hat hohes Interesse am Gegenüber. Das merkt man“, sagt er. Und auch einen Lieblingsfleck hat Blechschmidt bereits für sich entdeckt: „Ich habe neulich eine Begehung der Wümmewiesen am sogenannten Oberneulander Schnabel mit dem Ordnungsamt und dem Naturschutz mitgemacht. Das ist wirklich ein sehr schöner Flecken Land“, sagt Blechschmidt.

Viele Verkehrsteilnehmer treffen hier aufeinander

Allerdings sei er nicht zum Entspannen dort. „Es gibt dort auch Probleme: Falschparker, die ganzjährige Leinenpflicht für Hunde, die eingehalten werden muss und Fahrzeuge, die dort nicht fahren dürfen.“ Besonders schön sei auch, dass Oberneuland ein so grüner Stadtteil sei. Der alte Baumbestand bringe aber auch Probleme mit sich, verät der Kontaktbeamte. Die Straßen seien sehr eng und würden auch viel von Durchgangsverkehren genutzt. Es gebe oft weder Rad- noch Fußweg. „Verkehrstechnisch gibt es eben einige Probleme im Stadtteil“, sagt Blechschmidt.

Dabei könne etwa der Deichschein, der zum Fahren auf dem Deich berechtigt, für kurze Zeiträume auch bei ihm am Revier erworben werden. Typisch für Oberneuland sei auch, dass die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer mit Pkw, Fahrrad und zu Fuß direkt aufeinandertreffen. „Das ist baulich einfach oft nicht anders zu lösen. Wenn aber alle ein wenig Rücksicht auf die jeweils anderen nehmen, dann klappt es auch. Manchmal muss man einfach mal durchatmen. Das macht vieles leichter“, sagt Blechschmidt mit einem Lachen.

Gespannt ist er darauf, wie sich der Ortskern zukünftig verändern wird. „Es tut sich viel in Oberneuland und ein neuer Ortsmittelpunkt soll entstehen. Wenn sich dann noch ein Wochenmarkt ansiedeln könnte, wäre das sehr schön“, sagt der Polizist.

Die Sprechzeiten am Revier Oberneuland, Mühlenfeldstraße 16, sind dienstags von 10 bis 12 Uhr und donnerstags von 15 bis 17 Uhr.

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