Die vermehrungsfreudigen Nutrias werden zu einer Bedrohung für die Deiche und Gräben. Mittlerweile haben sich die Nager überall in Bremen ausgebreitet – auch an der Wümme und in den kleineren Gräben. Foto: pv
Zugewanderte Arten

„Eine große Gefahr für das Land“

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Die Landesjägerschaft warnt: Zugewanderte Nager wie die Nutrias bedrohen die Sicherheit der hiesigen Deiche. Aber auch Nilgans, Marderhund und Waschbär können für Bremen gefährlich werden.

Stadtjägermeister Horst Tempelmann hat jetzt den Streckenbericht für das gerade zu Ende gegangene Jagdjahr 2017/18 zusammengestellt, in dem sich erneut eine deutlich gestiegene Anzahl an erlegten Tieren gebietsfremder Arten (Neozoen) findet.

Besondere Sorgen bereiten den Jägern dabei die Zuwanderer wie Nutria, Nilgans, Marderhund und Waschbär, die auch zu einer Bedrohung von einheimischen Arten werden können, erklärt Marcus Henke, Vizepräsident der Landesjägerschaft Bremen.

411 Nutrias erlegt

Vor allem die ursprünglich aus Südamerika stammende Biberratte haben die Jäger im Gebiet der Stadtgemeinde Bremen in der vergangenen Saison verstärkt ins Visier genommen. Nachdem 2017/18 noch 195 Nutrias erlegt wurden, waren es ein Jahr später bereits 411.

„Und wir hätten das fünf- bis sechsfache schießen können“, berichtet Henke. Denn die vermehrungsfreudigen Nager breiten sich immer weiter aus und richten immer größere Schäden an den Deichbauwerken an. „Die schwimmen in Wümme und Ochtum zu allen Tageszeiten und gehen von beiden Seiten in den Deich rein. Die Nutria sind eine große Gefahr für das ganze Land Bremen und die Naturlandschaft“, sorgt sich Henke.

Ochtum-Deich komplett durchgegraben

Denn nicht nur an den Deichen, sondern auch an den Gräben wie im Blockland richten die Wühler große Schäden an und werden dadurch zu einer Gefahr für die dort lebenden Tiere wie etwa den seltenen Bitterling. Dabei kann man die Schäden der Wühler gar nicht so einfach erkennen. Die Nutrias hätten etwa den 15 Meter breiten Ochtum-Deich komplett durchgegraben. Das habe man allerdings erst gesehen, als bei Hochwasser das Wasser durchgeschossen sei, berichtet Tempelmann.

Henke hat daher wenig Verständnis für die Bremer Umweltbehörde, die die invasiven Arten noch immer nicht ins Jagdrecht aufgenommen habe, wie es das EU-Recht vorsehe. Stattdessen dürften Nutrias, Waschbären oder Nilgänse in Bremen nur mit Sondergenehmigungen erlegt werden. Wegen des Aufwandes würden diese aber von den meisten Jägern erst gar nicht beantragt.

Umweltressort will Artenbestand genau prüfen

Das gleiche gilt für die Nilgans, die in Bremen zum Beispiel in der Nähe von Storchennestern mit einer Sondergenehmigung gejagt werden darf. Allerdings wurden bisher nur elf Tiere erlegt. Dabei gilt die aus Afrika stammende Nilgans als besondere aggressive Art, die Enten, Störche und sogar Bussarde von ihren Nestern vertreibt und erhebliche Unruhe unter den Wasservögeln an den Seen verbreitet.

Im Umweltressort versteht man das EU-Recht allerdings anders als die Jäger. „Die EU-Richtlinien sehen auch ein Artenmanagement vor, dass auch dokumentiert werden muss“, begründet Behördensprecher Jens Tittmann das Vorgehen mit den Sondergenehmigungen. „Wir sehen auch das Problem und die Gefahren, was die Deiche angeht“, deswegen habe der Deichverband ebenfalls eine Ausnahmegenehmigung zur Bekämpfung der Nutrias, führt Tittmann weiter aus.

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