Gerd Borcherding ist zweiter Vorsitzender des Vereins Freunde der Bremer Straßenbahn und begeisterter Restaurator, wenn es um historische Straßenbahnen geht. Foto: Füller Gerd Borcherding ist zweiter Vorsitzender des Vereins Freunde der Bremer Straßenbahn und begeisterter Restaurator, wenn es um historische Straßenbahnen geht. Foto: Füller
Museum

Straßenbahnen aus den vergangenen Jahrzehnten

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Der Weser Report stellt in den kommenden Wochen im Rahmen einer neuen Serie ausgefallene Museen in Bremen vor. Den Anfang macht das Straßenbahnmuseum „Das Depot“ mit seinen historischen Schätzen.

Viele Bremer erinnern sich noch an die alten Straßenbahnen mit Treppen am Ein- und Ausstieg – Barrierefreiheit war bis in die 1990er Jahre hinein ein Fremdwort. Nur wenige dürften sich aber noch an die Farbscheiben und das Horn der Linie 4 erinnern, die bis zum Zweiten Weltkrieg zur Unterscheidung der Linien dienten. Die Pferdebahn kennen Bremer heute nur noch von Fotos. Im Bremer Straßenbahnmuseum „Das Depot“ sind ausgestellt und für jeden zu besichtigen.

In diesem Jahr feiert der Verein Freunde der Bremer Straßenbahn, der das Museum betreibt, das 30-jährige Bestehen der Sammlung. „Wir bereiten uns gerade darauf vor, alles etwas moderner und interaktiver zu gestalten“, sagt Gerd Borcherding, zweiter Vorsitzender des Vereins. Finanziert werden soll dies durch Spenden, denn der Verein muss seine Ausgaben selbst erwirtschaften, die Bremer Straßenbahngesellschaft (BSAG) stellt nur die Räume bereit.

Ältester Bremer Bus ausgestellt

Und diese sind vollgestellt: In der ersten Halle erwarten die Besucher neben historischen Fotos, den alten Farbscheiben und der Weichentechnik zum Ausprobieren auch alte Fahrpläne, Schilder und vieles mehr. „Am spannendsten sind hier für mich die Fahrscheine“, verrät Borcherding. Ausgestellt sind Fahrscheine, Monats- und Wochenkarten aus 140 Jahren. „Die Besucher sollen aber nicht nur gucken, sie dürfen vieles auch anfassen und ausprobieren“, sagt der Ex-Telekommunikationstechniker.

Doch was wäre ein Straßenbahnmuseum ohne Straßenbahnen? Sie stehen in der nächsten Halle: die erste Niederflurbahn Europas, 1990 in Bremen weltweit erstmals im Einsatz; ein Triebwagen aus dem Jahr 1941, den es so gebaut nur in Bremen gab sowie der älteste Bremer Bus von 1972.

Viele dieser Fahrzeuge stehen noch auf der Restaurierungsliste des Vereins. Denn das ist neben dem Betrieb des Museums die Hauptarbeit der Aktiven: Sie restaurieren möglichst originalgetreu die historischen Wagen. Zu jedem Exemplar gibt es für Museumsbesucher eine Geschichte oder Anekdote.

Bremer Pferdebahn von 1888

Ein besonderer Schatz ist der Triebwagen 49, der älteste elektrisch betriebene Wagen in Bremen, Baujahr 1900, genannt Molly. „Auf den Schwarzweißfotografien kann man die Farbe der Wagen nicht sehen, auf den Originalblechen ist die Lackierung aber noch erhalten“, sagt Borcherding.

Noch älter ist im Depot der Wagen der Bremer Pferdebahn, Wagen 23, Baujahr 1888. Den entdeckte Borcherding 2007 auf einem Parzellengrundtsück in Findorff. 2009 konnte er ihn mithilfe des Technischen Hilfswerks (THW) bergen. Nun wird nun er restauriert und betriebsbereit gemacht.

Der Verein bietet auch regelmäßig Fahrten mit den historischen Bahnen und Wagen an.

 

Das Depot

Verein Freunde der Bremer Straßenbahn
Schloßparkstraße 45
Bremen-Hemelingen
0421 / 55 96 76 42 (AB)
Infos unter fdbs.net

Geöffnet jeweils am zweiten Sonntag des Monats von 11 bis 17 Uhr. Einlass bis 16.30 Uhr. Für Gruppen nach Anmeldung auch nach Vereinbarung.

Erwachsene bezahlen 3 Euro, Kinder von fünf bis 14 Jahren 1,50 Euro.

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