Eine Auswahl seines vielfältig experimentellen Schaffens zeigt Dirk Meinzer in der Städtischen Galerie Delmenhorst. Foto: Konczak Eine Auswahl seines vielfältig experimentellen Schaffens zeigt Dirk Meinzer in der Städtischen Galerie Delmenhorst. Foto: Konczak
Ausstellung

Vom weißen Nichts zum nackten Po-Wackeln

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„Gefragt ist der Wille, sich dem Werk zuzuwenden“, bringt es Galerieleiterin Dr. Annett Reckert bei der Vorstellung der neuen Ausstellung auf den Punkt.

„Dirk Meinzer. Das blaugrüne Dasein“ ist bis zum 11. August in der Städtischen Galerie zu sehen und vereint unter dem Dach des Haus Coburgs und der angrenzenden Remise Malerei, Arbeiten auf Papier, Skulptur, Installation und Videokunst – je nach Forscherdrang des charismatischen Künstlers.

Dirk Meinzer arbeitet nahezu klassisch experimentell. Er verwertet Bienen-Flügel, die er von toten Insekten seziert, die ihm ein befreundeter Imker geschenkt hat. Ebenso setzt er „Majas“ Köpfe und Beine in einen anderen Kontext. Die Gliedmaßen werden zu kleinen Blüten, die symmetrisch mit leuchtenden Stickern durch den rosa Himmel wirbeln, zeichnen Spuren und scheinbar „Lochmuster“ auf die Flächen.

Meinzer als Hobby-Experte

Meinzer ist Hobby-Biologe, Hobby-DJ, Hobby-Anthropologe, Hobby-Sammler, Hobby-Was-auch-immer und stets Jäger – auf der Pirsch nach dem künstlerischen Abenteuer. Seine Werke sind performativ, grotesk, halluzinativ, verstörend, amüsant und im weitesten Sinn vielleicht sogar gesellschaftskritisch. Sein Ziel: Fragwürdiges schaffen. Hanf -Pflanzen statt Hanf-Babysocken von Kik und Energiedrinks mit giftigen Chemikalien. Die Skulptur aus Gips und Kuh-Dunk als performatives Wow-Ereignis. Verfremdete Iso-Matten als Analogie zum „paradiesischen Garten“ auf dem Perser-Teppich. In fast allen Arbeiten hat der Künstler mit einem phosphoreszierenden Steinmehl gearbeitet, dass die Bilder im Dunkeln leuchten lässt.

Auch mit seiner Installation „Die Säulen der Fydya“ – kleine Gläser, die mit Zigarettenstummel gefüllt sind, fordert Meinzer die Besucher heraus. Die Analogien, die er dazu sieht, erfordern erheblich „den Willen, sich dem Werk zuzuwenden“. Ähnlich verhält es sich bei der Vidoinstallation in der Remise. Wer „gewillt“ ist kann sich rund eine Stunde lang das rhythmische nackte Po-Wackeln Meinzers ansehen, ohne dass „die Szene“ sich praktisch wiederholt.

Künstlerische Kooperationen

In der Remise sind zudem künstlerische Kooperationen Meinzers zu sehen. Mit dabei sind Arbeiten, die zusammen mit Künstlern wie Peter Boué, Claus Böhmler, Axel Heil, Monika Michalko, Tilman Haffke, Tillmann Terbuyken, Nicola Torke und Anke Wenzel sowie mit Laien, Kindern und Freunden entstanden sind.

Seinen neuen künstlerischen Ansätzen ist der Titel „Das blaugrüne Dasein“ gewidmet. Dabei handelt es sich um beeindruckende Farbfeldmalereien, die sich deutlich von der „Hoopie-Poopie“-Serie abheben. Nahezu „unbeachtet“ bleiben –zumindest im ersten Rundgang mit dem Künstler – die weißen Feld-Malereien. Letztlich entschleunigen sie das sonst so experimentell-verrückt Berauschende in der Ausstellung und zeigen dem Betrachter vor allem eines: wie wunderschön das weiße „Nichts“ sein kann.

Künstlerbuch „Zum alten Ritter“

Parallel zur Ausstellung ist das Künstlerbuch „Zum alten Ritter“ entstanden. Dabei handelt es sich um eine Art Tagebuch Meinzers. Zehn Jahre lang hat der Künstler von den Gästen der gleichnamigen Hamburger Kneipe Unterschriften gesammelt. „Mit der Unterschrift äußert sich jeder Mensch als Zeichner“, sagt Meinzer. Zudem sei damit die Unterhaltung, die er mit den unterschiedlichsten Menschen im alten Ritter geführt habe dokumentiert. Für die Edition hat der Künstler Stempel von allen Unterschriften anfertigen lassen und sie künstlerisch im Buch arrangiert.

Die Ausstellung wurde vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur sowie vom Freundeskreis Haus Coburg unterstützt.

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