Blutspende In Deutschland dürfen Männer laut der Hämotherapie-Richtlinie nur dann Blut spenden, wenn sie ein Jahr lang keinen Sex mit anderen Männern hatten. Viele Homosexuelle empfinden das als diskriminierend und fordern eine Änderung dieser Regelung. Foto: Schlie
Blutspende

Schwule Blutspender sind in Bremen im Nachteil

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Ein Bremer darf trotz Engpässe kein Blut abgeben. Grund: Homosexuelle gehören offiziell zu einer Risikogruppe.

Nur wer als Mann laut der Hämotherapie-Richtlinie des Paul-Ehrlich-Instituts und der Bundesärztekammer ein Jahr lang keinen Sex mit einem anderen Mann hatte, ist berechtigt, Blut zu spenden.

Als Begründung nennt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) das statistisch belegte erhöhte Risiko einer Infektionskrankheit wie Aids. „Das Blut wird mit modernsten Verfahren getestet, ganz frische Infektionen können damit aber nicht zu 100 Prozent nachgewiesen werden“, erklärt DRK-Sprecherin Nina Kuntz.

Aus diesem Grund sei das DRK darauf angewiesen, dass die Spender vorher über ein etwaiges Infektionsrisiko informieren. „Das DRK steht für Integration und gegen jede Form von Diskriminierung“, betont sie.

Hinweis im Flyer der DRK fehlt

Der homosexuelle Bremer Tobias Krüll jedoch fühlt sich durch die Regelung diskriminiert. „Lapidar heißt es, dass ich dadurch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit mit dem HI-Virus infiziert sein könnte. Die Aussage an sich finde ich beschämend“, sagt er.

Besonders habe ihn auch ein Satz in einem Info-Flyer zur Blutspende gestört – „jeder gesunde Mensch ab 18 Jahren“ dürfe spenden, hieß es dort.

Aus diesem Grund hatte er sich beim DRK beschwert. „Der Mail-Verkehr war mehr als ernüchternd und hat mir gezeigt, dass soziales Denken da aufhört, wo es nicht die Masse betrifft sondern eher eine kleine Gruppe“, sagt er.

Zwar sei der Passus mittlerweile aus dem Flyer verschwunden, ein Hinweis darauf, wer nicht zur Blutspende zugelassen ist, fehle jedoch, so Krüll.

Kritik an Zwölf-Monats-Frist

Reiner Neumann, Vorstand des Rat-und-Tat-Zentrums im Viertel, das schwule und lesbische Menschen berät, zeigt Verständnis für den Fall. „Es ist diskriminierend, weil schwule Menschen damit unter Generalverdacht gestellt werden“, sagt er.

Zudem sei es unrealisitisch, einen Zeitraum von einem Jahr ohne sexuelle Kontakte vorauszusetzen. „Niemand lebt ein Jahr im Zölibat, um dann Blut zu spenden“, sagt er.

Der Zeitraum sei willkürlich gesetzt, da wissenschaftliche HIV-Tests eine Aids-Erkrankung bereits einige Wochen nach der Infektion nachweisen können.

Für Neumann steht fest, dass nicht sexuelle Beziehungen zwischen Männern grundsätzlich ein erhöhtes Übertragungsrisiko darstellen, sondern ob eine Person generell häufig ungeschützten Verkehr habe. „Es sollte eine gleiche Regelung für alle geben, die Spender nach Befragungen in Risikogruppen einteilt“, fordert er.

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2 Antworten

  1. Gunnar-Eric Randt sagt:

    Können sich regelmäßig ohne Einschränkungen spendende Blutspender im umgekehrten Falle auch dagegen wehren, dass Schwule ihr Blut bekommen?

  2. Gunnar-Eric Randt sagt:

    Das gibt Stunk unterm Regenbogen

    Die Regenbogengesellschaft will so doch nur Vorteile und Profit. Sie sollte im Notfall Blutzoll zahlen müssen. Zum Glück dürfen Homosexuelle noch nicht frei adoptieren. Kaum auszudenken, welchen Stunk es erst unter dem Regenbogen gibt, müssen sich Homopaare entscheiden, wer von zwei Männern die Mütterente beanspruchen darf. Rechtsanwälte jedenfalls, reiben sich bereits schon jetzt die Hände. Sie haben seit der Einführung der Homoehe bereits gute Aussichten, mit Familien- und Scheidungsrecht noch mehr Profit zu machen.

    Die Homoehe wird viele ihr Leben lang also qua Gesetz automatisch befreien. Denn es ist nicht davon auszugehen, dass Partner in Ehen keinen Sex über ein Jahr miteinander haben. Und sei es, wie bei Hetero-Ehepaaren, beim Fremdgehen in der kriselnden oder gefühlserkalteten Ehe.

    Einmal davon abgesehen, dass Eigenblutspenden vor Operationen wohl auch für Schwule und Lesben weiterhin erlaubt sein werden, ist es nicht gerecht, dass Angehörige einer Minderheit, die selbst nichts dazu beiträgt, den Ersatzblutbestand zu erhalten, im Notfall hiervon profitieren können.

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