Leeres Grundstück im GVZ Anfang dieses Jahres wollte Borgward das Werk in Bremen eröffnen. So hatte es das Unternehmen im Oktober 2016 angekündigt. Noch steht auf dem Gelände nichts. Foto: Schlie
Das große Nichts

Rätsel um Borgward

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Ein neues Borgward-Werk in Bremen - ein schöner Traum, der sich wohl nicht erfüllen wird.

Noch wenige Tage, dann endet die Reservierung für das 140.000 Quadratmeter große Grundstück im Güterverkehrszentrum, das sich der chinesische Autobauer Borgward ausgesucht hat. Bis spätestens 30. Juni muss das Unternehmen der Wirtschaftsbehörde mitteilen, ob es dort ein Werk hinstellt. Wenn nicht, darf die Stadt das Gelände wieder anderen Firmen anbieten.

Ursprünglich hätte sich das Unternehmen schon im vergangenen Dezember festlegen müssen. Doch Wirtschaftssenator Martin Günthner gestand Borgward mehr Zeit zu, da ein neuer Investor in das Unternehmen eingestiegen war.

Markenrechte nach Pleite gekauft

Der chinesische Autokonzern Beiqi Foton hatte im März 2014 die Markenrechte an Borgward erworben, dem einstigen Bremer Autobauer, der in die Pleite rutschte und in den 60er-Jahren schließen musste. In der Nähe von Peking zog Foton eigens für die Produktion von Borgward-Modellen eine Fabrik hoch. Zum Jahreswechsel 2018/19 gab Foton 67 Prozent seiner Borgward-Anteile an den chinesischen Fahrdienst Ucar ab. Der zahlte dafür umgerechnet rund 508 Millionen Euro.

Pech für Bremen. „Ucar interessiert sich für Deutschland überhaupt nicht“, analysiert die Beratungsgesellschaft JSC Automotive mit Büros in Stuttgart und Shanghai. „Die Marke Borgward ist out“, sagt Ferdinand Dudenhöfer, Direktor des Centers Automotive Research (CAR) und Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen. „Der Traum, eine alte Marke wiederzubeleben, ist zum Scheitern verurteilt.“

Experten sehen keine Chance

Auch Autoexpertin Nicole Steiger von JSC Automotive meint: „Die Marke Borgward sagt vielen potenziellen Autokäufern heute nichts mehr.“ Eine Etablierung in Europa käme einer Neueinführung gleich. „Dafür bräuchte das Unternehmen viele Milliarden Euro“, erklärt Steiger.
Borgward selbst äußert sich auf Anfrage nicht zu möglichen Investitionen in Bremen. Auch die Wirtschaftsbehörde hält sich zurück. Im vergangenen September war Senator Günthner eigens nach Peking gereist, um bei den Foton-Managern für Bremen zu werben. Damals besaß Foton aber noch 100 Prozent von Borgward.

Im vergangenen Sommer präsentierte Borgward in Stuttgart, dem Sitz der Borgward Group, vor mehr als 500 prominenten Besuchern das Modell BX7 TS, das die Firma seither auch in Deutschland anbietet. Das dort geplante Markenzentrum ist dem Vernehmen nach noch immer nicht eingerichtet. Auch in anderen deutschen Städten sollten Markenzentren entstehen. Doch die gibt es bis heute nicht. Die Vertriebskooperation mit dem Autovermieter Sixt ist gescheitert.

Wie viele Fahrzeuge Borgward in Deutschland bisher absetzen konnte, wollte das Unternehmen nie beziffern. „Das Geschäft läuft ja nicht einmal in China erwartungsgemäß“, sagt Beraterin Steiger. Immerhin liegen für China Zahlen vor. Von Januar bis November 2018 setzte Borgward dort 33.000 Autos ab, 2016 und 2017 waren es insgesamt noch 100.000 Wagen.

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1 Antwort

  1. Gunnar-Eric Randt sagt:

    Remember Kaisen

    Exilbremer freuen sich mit den daheim gebliebenen, dass Bremen den Spitzenplatz in der Arbeitslosenstatistik, insbesondere unter der neuen Regierung, beibehalten wird.

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