Malermeister Thomas Kranke (Foto) unterstützt das vom Landwirt Claus Tietjen initiierte Projekt Blühflächenpaten, weil „es wichtig ist, Wildbienen ein Nahrungsangbot zu geben“. Manfred Radtke vom Umweltschutzverband BUND kritisiert solche Maßnahmen als Scheinlösungen. Foto: Erwin Duwe
Natur aus Samentüte?

Naturschützer beim Thema Blühstreifen im Clinch

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Umweltverband BUND überraschte am Montag mit einer Stellungnahme zu sogenannten Blühflächen.

Es sei ihm schlicht „der Kragen geplatzt“, sagt Manfred Radtke im Gespräch mit unserer Redaktion. Montag überraschte der Umweltverband BUND mit einer Stellungnahme zu sogenannten Blühflächen. Landwirte und andere Personen würden ihre Aussaaten mit blühenden Kräutern und Wildblumen an Ackerrändern, in Vorgärten und im Straßenbegleitgrün als Mittel gegen das Insektensterben und zum Erhalt der Artenvielfalt bezeichnen. Das sei aber „blödsinnig“, so Radtke.

Der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Kreis Rotenburg ließ seine drastische Kritik von der Regionalgeschäftsstelle seiner Organisation an die Medien der Landkreise Osterholz, Cuxhaven, Rotenburg und Verden verbreiten. Es sei grundsätzlich zu begrüßen, dass sich Menschen darum bemühen, „Landschaften bunter zu machen“. Das dafür eingesetzte Saatgut, Radtke nennt ausdrücklich die Verdener Imkermischung, sei allerdings kein Mittel zur Förderung der biologischen Vielfalt. Solche Mischungen seien auf Honigbienen zugeschnitten. Die seien aber keine Wildtiere mehr, sondern vom Menschen züchterisch veränderte Nutztiere. Weil es erfreulicherweise immer mehr Imker gäbe, seien deren Bestände auch gar nicht in Gefahr.

Blühflächen bieten nur Nahrung für Honigbienen?

Radtke: „Ganz anders sieht das bei vielen Insekten aus, speziell bei Wildbienen“ und genau diese seien für die Bestäubung ungemein wichtig. Auf den als Agrarmaßnahme angelegten Blühflächen beobachte man wohl „einige Allerwelts-Wildbienen wie Acker-, Garten- oder Steinhummeln“. Den tatsächlich gefährdeten Wildbienen, das seien die allermeisten der in Niedersachsen vorkommenden 360 Arten, „bringen die verwendeten Blühmischungen praktisch nichts”. Radtke zielt insbesondere auf das Engagement von Heinrich Kersten aus Eissel im Landkreis Verden ab. Die von dem Hobbyimker entwickelte Verdener Imkermischung sei eben für Imker und nichts für den Naturschutz, so Radtke.

Der so Gescholtene kann die Heftigkeit der Kritik gar nicht verstehen. „Das ist gnadenlos überzogen“, wehrt sich Heinrich Kersten im Gespräch mit unserer Redaktion: „Bei strahlender Sonne habe ich gerade den Beflug der Imkermischung auf einem Blühstreifen neben bereits abgeernteten Feldern in der Eisseler Feldmark beobachtet.“ Das sei kein wissenschaftlicher Beweis, Kersten ist aber der Auffassung, dass Blühstreifen nicht nur der Honigbiene, sondern auch anderen, bedrohten Arten nützen. Ihm gehe es darum, den vielen Worten auch Taten folgen zu lassen. „Dazu gehört eine Abstimmung der Aussaatflächen – im Sinne der vernetzten Biotope unter Berücksichtigung der Flugradien der Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge.“

BUND-Kritik erntet Kopfschütteln

Ein Kopfschütteln hat Claus Tietjen für die Kritik aus den Reihen des BUND: „Wir sollten besser alle zusammenhalten.“ Tietjen ist Initiator der Aktion Blühpaten und weist darauf hin, dass Landwirte, die Flächen für mehr Naturschutz hergeben, auch finanziell entlastet werden müssten. Seine im Frühjahr gegründete Initiative hat schon 80 Unterstützer.
„Viele Landwirte säen verschiedene Blühmischungen aus“, sagt Eckhart Spaethe, Vorsitzender des Kreisimkervereins Osterholz. „Ich hoffe das die BUND-Leute auch vor Ort gehen zu den Blühflächen und mit eigenen Augen schauen, was dort in der Natur fliegt.“

„Für konkrete Verbesserungsvorschläge sind wir immer offen“, sagt auch Christoph Bommes vom Landvolkverband Osterholz. „Gerne laden wir Herrn Radtke und seine Mitstreiter ein, mit uns die 150 Hektar Blühflächen und Blühstreifen, die von Osterholzer Landwirten auch wieder in 2019 angelegt wurden, zu begutachten.“

Kommentar

Besser Miteinander

Eigentlich haben Naturschützer in diesen Zeiten alle Hände voll zu tun, um gemeinsam für den Erhalt von Klima und Planet Erde zu arbeiten. Nun kommt ein Verband daher und belehrt andere Aktivisten über die Reinheit der Lehre, kanzelt deren Aktivitäten als bunt, aber unsinnig ab. Solch oberlehrerhaftes Verhalten demotiviert die in Sachen Umweltschutz noch unerfahreneren Kräfte. Und deren Denunziation in der Öffentlichkeit trägt auch nicht zur eigentlich gemeinsamen Sache bei.

Vielleicht erklärt sich das Gebahren der BUND-Leute aus Rivalitäten, die in Zeiten massenhafter Schülerproteste nicht mehr vermittelbar sind und der Vergangenheit angehören sollten: Wer die Landwirte als Brunnenvergifter brandmarken möchte, dem passt es wohl nicht in den Kram, wenn diese selbst Pro-Naturschutz agieren.

Mag auch sein, dass es ums Geld geht. Gerade die Tier- und Naturschützer stehen im Ruf, möglichst viele Zuwendungen einzuwerben. Da passt es nicht, wenn die als Gegner verschrieenen Bauern, Imker und Jäger auch noch um Unterstützung für ihre Umweltschutzprojekte buhlen.

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2 Antworten

  1. Gunnar-Eric Randt sagt:

    Pollenallergiker verzichten gern auf Blühstreifen und Honig.

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