Peter Siemering, Interview, Foto: Schlie, 2019 Peter Siemering, Geschäftsführer für Marketing und Tourismus bei der Wirtschaftsförderung Bremen, will helfen, die kleinen und mittleren Hotels radfreundlicher zu machen. Foto: Schlie
Interview

„Wir fragen alle Bremer“

Von
Tourismus-Chef Peter Siemering über neue Aktionen und die Korallenriff-Konferenz.

Weser Report: Herr Siemering, in diesem Jahr feiert Bremen 200 Jahre Stadtmusikanten und lockt damit viele Besucher an, im vergangenen Jahr stand die Raumfahrt im Mittelpunkt, was kommt 2020?

Peter Siemering: Das nächste Jahr wird ein Wissenschaftsjahr, ein Jahr der Erlebniswelten. Highlight ist die internationale Korallenriff-Konferenz Anfang Juli. Erstmals tagen die Korallenriff-Experten außerhalb Ozeaniens und dann gleich in Bremen. Rund um diese Konferenz planen wir verschiedene Marketing-Aktionen.
Im Mittelpunkt stehen Erlebniswelten wie die Botanika, das Universum, das Überseemuseum und in Bremerhaven das Klimahaus und das Auswandererhaus. Eine wesentliche Aufgabe von Standort-Marketing ist, die eigene Bevölkerung zu begeistern. 40 Prozent aller Besuche in Bremen werden durch Bremer ausgelöst.

Wie wollen Sie die Bremer begeistern?

Erstmals werden wir alle Bremer fragen: Was macht aus Ihrer Sicht Bremen aus? Warum leben Sie in Bremen?
Was unterscheidet Bremen von anderen Städten? Dazu werden wir die Bremer Bevölkerung auf allen Kanälen befragen.
Und sie kann auf allen Kanälen antworten: per Postkarte oder über das Internet. Jeder kann sich mehrmals beteiligen.
Die Ergebnisse fließen in unser neues Marketing-Konzept ein. Noch in diesem Herbst werden wird die Kampagne starten.

Wie weit sind Sie schon mit der neuen Marketing-Strategie?

Im November werden wir sie dem Aufsichtsrat der Wirtschaftsförderung Bremen präsentieren und dem Senat.
Mit 160 Akteuren haben wir unter Führung des Wirtschaftsressorts anderthalb Jahre lang daran gearbeitet. Wir haben das Marketing gebündelt, die Websites aufgeräumt, Cluster gebildet, und Bremen ist ein neues Mitglied der Marketing-Organisation Magic Cities of Germany, der zehn attraktivsten Städte Deutschlands.
Gemeinsam mit dem Verein Unternehmen Bremen und den großen Arbeitgebenden wurde eine Toolbox entwickelt, die Personaler in Bewerbungsgesprächen nutzen können.
Sie enthält alle Informationen für Leute, die nach Bremen kommen wollen, um hier zu arbeiten. Wir bieten zum Beispiel auch eine spezielle Stadtführung für Fachkräfte an, die überlegen, mit ihre Familie nach Bremen zu ziehen.
Wir bieten auch einen Link an, über den man zu allen Filmen über Bremen kommt.

Die Stadtmusikanten sind weltbekannt. Aber nur 20 Prozent der Gäste, die in Bremen übernachten, kommen aus dem Ausland. Warum so wenige?

Im Vergleich zu anderen deutschen Städten ist das extrem viel.
Die meisten Auslandsgäste kommen aus den Niederlanden, gefolgt von den Briten. Aber die USA werden Großbritannien jetzt von Platz zwei verdrängen.
Wegen des Brexit kommen weniger Briten. Außerdem ist Deutschland für sie aufgrund des weichen Pfunds teuer geworden.

Bremen ist aber nicht unter den Top 10 der Ziele für Städtereisen.

Das hat mit der Größe der Stadt zu tun. Bremen ist auch nicht die zehntgrößte Stadt Deutschlands, sondern die elftgrößte.
Wir haben eine gute Relation zwischen Einwohnerzahl und Übernachtungen.

Bis zum Jahr 2025 soll die Zahl der Übernachtungen auf drei Millionen steigen. Wie weit sind Sie?

Wir wollen jedes Jahr um fünf Prozent zulegen. 2018 stieg die Zahl der Übernachtungen in der Stadt um 4,9 Prozent auf 2,1 Millionen, in diesem Jahr haben wir von Januar bis Mai schon ein Plus von 7,9 Prozent erreicht.
Das macht uns zuversichtlich, dass wir im gesamten Jahr an der 5 Prozent-Marke kratzen oder sie sogar überspringen.
Hinzu kommen rund 40 Millionen Tagesbesuche jedes Jahr.
Ein Tagestourist gibt zwar im Schnitt nur 33,70 Euro aus, ein Übernachtungsgast dagegen 186,10 Euro, aber die Masse macht es. Insgesamt kommen wir im Tourismusgeschäft in Bremen auf einen Umsatz von 1,8 Milliarden Euro im Jahr.

Wie sehr profitiert Bremen von den Kreuzfahrtschiffen, die in Bremerhaven anlegen?

Wenn Costa mit 2.000 Leuten kommt, bucht die Hälfte von ihnen eine Busfahrt nach Bremen.

Wie hoch ist denn der Anteil der Geschäftsreisenden an den Übernachtungsgästen?

Je nach Saison zwischen 50 und 60 Prozent, im Oktober und November sogar 70 Prozent. Für Bremen sprechen die kurzen Wege, vom Flughafen ist man mit der Straßenbahn in 13 Minuten im Kongresszentrum.
Das gibt es in keiner anderen europäischen Stadt. Außerdem konzentrieren sich die Hotelbetten rund ums Kongresszentrum.
Wenn wir jetzt einen Kongress hätten, wäre es allerdings nicht so einfach. Die Zahl der klimatisierten Taxis ist übersichtlich, die Zahl der klimatisierten Restaurants auch, des Öffentlichen Personennahverkehrs und die Zahl der klimatisierten Hotellobbys ebenso.

Bremen ist jetzt die fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands, noch vor Münster. Wie wirkt sich das auf den Tourismus aus?

Allein auf dem Weserradweg waren im letzten Jahr 800.000 Radfahrer unterwegs. Deshalb wollen wir die kleinen und mittleren Hotels befähigen, auch diese Gäste aufzunehmen.
Die wollen ihre Räder gut und sicher unterbringen, die E-Bike-Fahrer brauchen Ladestationen, und die Radler brauchen Platz, um notfalls ihre nassen Sachen zum Trocknen aufhängen zu können. Das sind alles Kleinigkeiten, aber sehr entscheidende.
Das Programm Bremen bike it öffnet viele neue Möglichkeiten auch für Gäste.

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Eine Antwort

  1. Gunnar-Eric Randt sagt:

    Welcome RGR

    Die CDU in Bremen hat allerhand unterlassen, damit sie sich nicht gegen die stetig wachsende Mehrheit der Zuwanderer behaupten muss. Am Entree, am Hauptbahnhof, Urinecken, Drogenabhängige und Obdachlose, Eselsbrücken, die verrotten und unter denen der CDU-Fraktionschef Menschen am liebsten schlafen sieht, die ihre Wohnung verloren haben, Bremen durch Hunde verbellt und ihre Hinterlassenschaften zusehends verdreckt, die Katze läuft über Buckel auf den Radwegen und in einigen Jahren Kräht nicht einmal der Hahn mehr, geht es um Bremen.

    Bremer im Exil haben konkretere Antworten auf die Fragen, die verbliebene Bremer Seelen und Zugewanderte aus aller Herren Länder und Bundesländer in ihrer sich verstetigenden Verklärung der Ist-Situation zu geben wagen. Bei Denen läuft es nach dem Motto: „Was interessiert das verkommene Umfeld in jeglichen Wohnlagen der Stadt, steigen doch die Preise für Mieten und Immobilien automatisch.

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