Airbus-Mitarbeiter, Integrationslotsen und Deutschlehrer begleiten die jugendlichen Flüchtlinge. Foto: pv Nach dem Besuch der Vorkurse schafften mehr als zwei Drittel der Jugendlichen einen Schulabschluss. Symbolfoto: WR
Ausbildung

Dreisprachig für Integration

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Wie mehr Bremer Schüler mit Migrationshintergrund ihren Abschluss erreichen sollen.

Wenn einer weiß, wie Integration an Schulen funktioniert, dann ist es Sabine Jacobsen. Sie hat von 2010 bis 2019 die Neue Oberschule in Gröpelingen geleitet, an der fast 80 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund aufweisen.

2018 wurde die Oberschule als eine der besten Schulen Deutschlands ausgezeichnet. Ein Leuchtturmprojekt – doch wie ist es eigentlich an den anderen Schulen in der Hansestadt um die Integration bestellt?

9.000 Jugendliche in Vorkursen

Fakt ist: Seit 2012 haben insgesamt fast 9.000 zugewanderte Jugendliche an Vorkursen in Bremer Schulen teilgenommen, die die ersten Sprachkenntnisse vermitteln und auf den regulären Unterricht vorbereiten sollen.

Mit zunehmenden Sprachkenntnissen steigern sie die Zahl der Unterrichtsfächer und werden so immer mehr in die Klassen integriert. „Mittlerweile werden Vorkurse auch in allen Oberschulen, allen Gymnasien und fast allen Grundschulen angeboten“, sagt Scharajeg Ehsasian, Referentin für Migration bei Bildungssenatorin Claudia Bogedan.

Drei wichtige Punkte beachten

In Bremen hat mehr als die Hälfte aller Schüler einen Migrationshintergrund. Mehr als zwei Drittel von ehemaligen Vorkursteilnehmern haben laut Ehsasian 2018 die Schule mit einem Abschluss verlassen.

„Natürlich gibt es auch immer noch Probleme“, sagt Sabine Jacobsen. Darum seien drei Punkte besonders wichtig: Eine gute Willkommenskultur, eine gute Raumstruktur und die nötigen Ressourcen.

Dreisprachiges System

„Wir haben etwa ein dreisprachiges System etabliert: Deutsch, Englisch und Türkisch“, sagt Jacobsen. Zudem sei es auch wichtig, Lehrer mit Migrationshintergrund und dementsprechenden Sprachkenntnissen anzustellen.

„Außerdem ist unsere Kreativität unser Kapital. Nur wenn wir Kinder verschiedenster Herkunft in Projekten gemeinsam agieren lassen, erzielen wir die gewünschte Wirkung“, erklärt sie. Dazu gehöre aber auch, das genügend Mittel und Fachkräfte zur Verfügung stehen.

Yasemin Karakasoglu, die an der Universität Bremen zu den Themen Migration und Bildung forscht, sagt: „Wir müssen anfangen, nicht nur Probleme, sondern vor allem Möglichkeiten zu sehen.“ Die unterschiedlichen Herkünfte bieten viele neue Anregungen, wie etwa das Kennenlernen neuer Sprachen oder kontroverse politische Diskussionen, sagt sie.

Mehr zum Thema Integration in Bremen lesen Sie hier.

 

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