Der neue Betreiber beseitigte den Niveauunterschied im Gastraum, damit hier auch größere Gesellschaften feiern können. Foto: BCS
Höpkens Ruh

Begriff „Wirtschaft“ neu interpretiert

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Ob das neue Gastro-Konzept für Höpkens Ruh noch zum historischen Vermächtnis passt, ist zumindest fraglich.

Autorin: Christine Bornkeßel

Der Erblasser Johann Höpken hatte 1873 eine sehr klare Vorstellung davon, wie die Stadt Bremen mit seinem Erbe umzugehen habe. So verfügte er, dass Bäume im Park nur dann gefällt werden dürften, wenn sie krank seien. Oder dass die Wege nie einen anderen Verlauf nehmen dürften. Gleiches gilt für die Nutzung des Oberneulander Landgutes – besser bekannt als Restaurant Höpkens Ruh. Höpken verpflichtete die Stadt Bremen, diese Immobilie als „Wirtschaft“ zu verpachten, Sitze und Tische aufzustellen und vergleichbar der Restauration am Emmasee zu betreiben.

Die Geschichte des Restaurants Höpkens Ruh ist bewegt, hatte es doch in den vergangenen Jahrzehnten viele verschiedene Betreiber. Die meisten übernahmen mit viel Engagement und neuen Konzepten, gaben dann jedoch nach unterschiedlich langer Betriebsdauer wieder auf. Die Zahl der Gäste, die regelmäßig das Restaurant besuchten, reichte nicht, die Gaststätte als Vollbetrieb oder „Wirtschaft“ zu unterhalten.

Event Location mit Gästehaus

Jetzt bietet das Bremer Unternehmen Catering Service als neuer Betreiber ein anderes Konzept für das ehemalige Landgut an, das von der stadteigenen Gesellschaft Immobilien Bremen verwaltet wird. Höpkens Ruh ist nun eine sogenannte Event Location mit Gästehaus. Das bedeutet, dass die Räume des Restaurants nicht ständig geöffnet sind. Sie können nur für Feiern gemietet werden. Dazu hatten die neuen Betreiber einige Umbauten vorgenommen. Die Gästezimmer können jederzeit genutzt werden – als Self-Check-in-Hotel. Das bedeutet für den Gast, dass er keine Betreuung durch Personal und kein Frühstück erwarten kann.

Nach Auskunft des neuen Betreibers ist die Nachfrage sehr gut, schon für das kommende Jahr. Gebucht werde die Restauration für private Feiern ebenso wie für Firmenanlässe. Auch die Belegung der Zimmer sei zufriedenstellend. Neben Festgästen würden auch zahlreiche Tagesgäste die Ruhe und die besondere Lage schätzen, sagt der neue Betreiber.

Neben der Nutzung als reine Event Location – also zu buchen für eigene Veranstaltungen – will der Bremer Catering Service öffentliche Veranstaltungen dort durchführen. Beispiele sind ein Martinsgans-Essen, eine Feier zum Jahreswechsel oder dann und wann auch ein sonntäglicher Brunch.

Neue Auslegung des Begriffs „Wirtschaft“

Zurück zum eigentlich klar formulierten Testament von Johann Höpken. Dazu äußert sich der Sprecher von Immobilien Bremen, Peter Schulz, so: „Wir legen den Begriff ‚Wirtschaft‘ inzwischen zwangsläufig ein wenig freier aus. Die Idee des Johann Höpken war sicher sehr ehrenhaft, aber leider hat sich keines der bisherigen Konzepte langfristig getragen. In den letzten knapp 150 Jahren seit der Erstellung des Testamentes hat sich auch die Nutzung des Parks und damit des Restaurants verändert“.

Immobilien Bremen als Eigentümer habe, berichtet Schulz, mit vielen Experten aus der Gastronomie gesprochen, doch niemand konnte den Betrieb eines klassischen Restaurants mit geregelten Öffnungszeiten an dieser Stelle empfehlen. Die Alternative zur Event Location wäre, sagt Schulz, ein Leerstand oder eine weitere Vermietung auf einer wirtschaftlich für Mieter und Vermieter schwierigen Grundlage gewesen.

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