Mit verstärkten Kontrollen versucht die Polizei, des Problems des offenen Konsums in den Wallanlagen Herr zu werden. Ziel der Beamten ist es,­ eine offene Drogenszene zu unterbinden und Dealer zu verfolgen. Foto: Barth
Verdrängung

Drogen-Problem zieht Kreise

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Nachdem viele Drogenabhängige keinen Zufluchtsort mehr haben, häufen sich Beschwerden in der Bahnhofsvorstadt.

Offen praktizierter Drogenkonsum, Hinterlassenschaften wie Müll und Drogenutensilien und ständige Kontrollen von Polizei und Ordnungsamt – die Situation in den Wallanlagen in der Bremer Innenstadt sowie den umliegenden Gebieten hat sich noch weiter verschärft. Ein Grund dafür ist die Schließung des Innenhofs zwischen dem Siemens-Hochhaus und dem Tower-Musicclub (WESER REPORT berichtete).

„Der Weg zwischen Bahnhof und Finanzamt wird zum Spießrutenlauf“, beschwert sich etwa eine Beschäftigte des Betriebes Performa Nord an der Straße Auf der Brake. Laut der Frau, die anonym bleiben möchte, würden nicht nur der offene Drogenkonsum, sondern auch laute Streits und die mitgebrachten Hunde der Drogenabhängigen für Ärger in Bürogebäuden sorgen.

Polizei will offene Szene unterbinden

„In angrenzenden Parkäusern und Treppenhäusern an der Hochstraße muss man an jeder Ecke mit Drogenabhängigen rechnen. So gab es schon auf der Treppe liegende Menschen in einer Blutlache, die mich angrinsten“, beschreibt sie ihre Erlebnisse.

Im Innenressort ist man sich der Probleme bewusst – konkrete Lösungen werden jedoch nicht klar aufgezeigt. „Die Strafverfolgung ist im Umgang mit suchtkranken Menschen nur ein begrenzt wirkungsvolles Mittel, um auf das Verhalten Einfluss zu nehmen. Eine weitaus größere Erfolgsaussicht misst die Polizei der Beratung und Behandlung der Menschen mit Süchten bei, um einen Ausstieg zu fördern“, sagt Sprecherin Karen Stroink dazu. Dennoch sei die Polizei verpflichtet, Strafanzeige zu stellen, wenn bei Kontrollen Drogen gefunden werden. Ziel sei es, eine offene Drogenszene zu unterbinden.

Auch am Bahnhof gibt es weiter Probleme

In diesem Zusammenhang verweist das Ressort auf das vom Senat beschlossene „Sicherheitsprogramm Bremer Hauptbahnhof“. Im Rahmen des Programms seien ein Szenetreff für alkoholsüchtige Menschen eingerichtet sowie Tagestreffs und Drogenberatungsstellen erweitert worden.

Die von vielen Experten geforderten Druckräume, die für Abhängige künftig eingerichtet werden sollen, befürwortet zudem auch das Innenressort. „Sofern die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie positiv ausfallen, sind wir für eine möglichst zügige Umsetzung“, sagt Stroink dazu. Ein solcher Raum würde die Situation sowohl für Drogenkonsumenten als auch für Anrainer, Anwohner und Passanten rund um den Bahnhofsbereich entlasten.

CDU kritisiert Vorgehen

Kritik an der dem Umgang mit den Drogenabhängigen kommt dagegen aus der Opposition. „Der Senat muss seine jetzige Vorgehensweise nochmals auf den Prüfstand stellen, denn offensichtlich ist sein aktuelles Vorgehen mit Blick auf die vielen neu entstandenen Probleme noch nicht ausreichend zielführend“, sagt etwa Sigrid Grönert, sozialpolitische Sprecherin der Bremer CDU-Fraktion. Für sie ist die bloße Verdrängung der Betroffenen zu kurz gedacht: „Hier wurden nur Symptome bekämpft und keine Ursachen. Die Menschen werden bleiben und sich immer neue plätze suchen“, so Grönert.

Die Probleme am Bahnhof bestehen offenbar weiterhin: Klaus Prinke-Vesecky, Inhaber des Restaurants Edel Weiss am Bahnhofsplatz etwa registriert in letzter Zeit immer mehr Bettler und Obdachlose, die Gäste und Personal belästigen und herumpöbeln. „Es muss doch langsam etwas geschehen, über diesen Zustand erhalten wir auch schon negative Bewertungen unserer Hotelgäste, die sich beschweren“, sagt er.

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