Drogenkonsum in den Wallanlagen Wo früher Spaziergänger eine Pause einlegten, konsumieren jetzt Drogensüchtige Crack und Heroin. Foto: Schlie
Verdrängung

Offener Drogenkonsum in den Wallanlagen

Von
Ekelig: Die Bremer Wallanlagen verkommen zu einem Platz für Handel und öffentlichen Konsum von harten Drogen.

Sie sind zurzeit immer häufiger in den Wallanlagen und den angrenzenden Gebieten anzutreffen: Kleine Menschengruppen, die, mal mehr und mal weniger auffällig, in der Öffentlichkeit Drogen konsumieren.

Zurück bleiben häufig Müll, benutzte Spritzen und sonstiges Drogenmaterial. Keine Überraschung, denn das erhöhte Aufkommen hat einen besonderen Grund: Die Schließung des Innenhofs zwischen dem Siemens-Hochhaus und dem Tower-Musikclub.

Szene wird verdrängt

„Die Situation war dort kaum mehr zu ertragen“, sagt Bertold Reetz, Leiter des Bereichs Wohnungslosenhilfe bei der Inneren Mission. Der Innenhof war ein beliebter Treffpunkt für Drogenabhängige, es wurde verkauft, gekauft und konsumiert. Oftmals stank es dort nach Exkrementen, benutzte Spritzen und Müll lagen herum. „Darum hatten sich die Eigentümer der umliegenden Gebäude darauf verständigt, die Tore anbringen zu lassen“, erklärt Reetz. Über die weitere Nutzung ist noch nicht entschieden.

Dass das Problem damit jedoch nur verschoben wird, ist auch Reetz bewusst. „Wir dürfen eben nicht einfach Alternativplätze anbieten, darum fällt mir erstmal keine Lösung ein“, sagt er. Auch er habe schon vermehrt beobachtet, wie sich Betroffene unter anderem in den Wallanlagen zum Drogenkonsum treffen.

Drogenhilfestelle fordert Druckraum

Wolfgang Adlhoch, Leiter der ambulanten Drogenhilfestelle „Comeback“, sieht das ähnlich. „Ich befürchte auch, dass sich viele künftig beim Szenetreff am Hauptbahnhof aufhalten werden, obwohl der sich eher an ein anderes Publikum, nämlich die dortige Trinkerszene, richtet“, sagt Adlhoch. Weitere Hot-Spots seien das Güterbahnhofsgelände und die Haltestelle Am Dobben. Dass sich die Szene nun weiter verteilt, sei für Sozialarbeiter und Streetworker nicht förderlich, sagt er.

Als einzige Alternative sieht er darum die Einrichtung von Drogenkonsumräumen. Hier können Schwerabhängige ihre Drogen unter hygienischen Umständen konsumieren. „Wir brauchen solche Druckräume. Das würde die Situation deutlich entschärfen. Vielleicht wäre es auch besser gewesen, erst einen solchen Raum zu schaffen und dann den Innenhof zu schließen“, so Adlhoch.

Auch in den Koalitionsvertrag hat ein Druckraum Eingang gefunden. Zurzeit wird von der Gesundheitsbehörde eine Studie dazu durchgeführt, deren Ergebnisse Ende August präsentiert werden sollen. „Das dauert aber alles viel zu lange. In anderen Städten sind solche Räume schon längst Normalität“, kritisiert Adlhoch.

Teile jetzt den Artikel

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren...

5 Antworten

  1. Gunnar-Eric Randt sagt:

    Stiften gehen und Tombolalose kaufen für eine noch finstere Zukunft Bremens.

    Vermutlich wird es im Bürgerpark schon jetzt und spätestens dann, sofern der Verdrängungsprozess in den Wallanlagen auch dort eingesetzt hat, wie auf dem Bahnhofsvorplatz für Drogen- und Alkoholkonsumenten und dem Siemenshochhaus für Schwerstabhängige schon geschehen, ebenso aussehen.

    Exil Bremer freuen sich und haben einen Heidenspaß mit den Angehörigen der CDU-Fraktion in Bremen, die gar furchtbar sozial sind. Weiter so.

  2. Gunnar-Eric Randt sagt:

    Bremen wird wie geleckt.

    In diesem Sinne hoffentlich auch die Folgen für die Bürgerparknutzer.

    Insbesondere freuen sich Exilbremer mit den Ärzten aus der großen Gemeinschaftspraxis in Findorff, die den Bürgerpark täglich durchfahren, da sie aus Schwachhausen kommen, wo sie wohnen, und denen das Leckbrett auf der Hinfahrt zur Praxis, schon am Pavillon an der Eimündung zur Findorffallee, an dem sie gesnkten Hauptes vorbeifahren, kurz aus dem Mund entgleitet.

  3. MichiM sagt:

    Die Bremer Politik ist gescheitert. Und Rot-Rot-Grün gibt dem Rest nun den Rest. Druckräume? Dann kann man doch auch staatlich bezahlte Totschlagsräume schaffen, so dass Szenen wie die in Stuttgart (Mord mit Schwert) nicht sichtbar werden.

    Die Bremer Polizei ist auch gescheitert und schreibt in Orten wie Gröpelingen nicht einmal mehr Parktickets aus. Feige wegducken nennt man das. Telefonisch eingehende Anzeigen ignorieren. Oder verschleppen und erst nach Stunden nach einem Einbruchnotruf vorbei kommen. Das sind alles Zustände wie in einem gescheiterten afrikanischen Staat.

    Bremen – der gescheiterte Staat!

  4. Gunnar-Eric Randt sagt:

    So traurig das ist. Die einzige Freude, die in Bremen im Stich gelassenen Menschen, noch bleibt, ist sich von außerhalb ihrer Heimatstadt mit der CDU über deren Niedergang zu freuen.

    So sieht das aus. „Bremer“ haben gewählt und verloren. Bremer im Exil, die in ihre Situation geraten sind, weil sie dazu erpresst worden sind, haben hieran ein wenig Freude. Zurückgebliebene haben es verdient, dass sich die harte Drogen- und Alkoholikerscene so entwickelt und es absehbar weiterhin so geht. Unsoziale Politiker, Pastoren, Rechtsanwälte und Ärzte, die den schwächsten und im Gleichstellungs-, Frauen- und Familienwahn ungeschütztesten Menschen in Deutschland nicht beistehen wollen, sofern es darauf ankommt, haben es nicht anders verdient in diesem abgehängten Molloch, in dem sie Eigentum besitzen oder überteuerte Mieten bezahlen, bleiben zu müssen. Deshalb und in diesem Sinne ist es erfreulich, dass die Ermittlungsbehörden in Hamburg, wo sie noch etwas taugen beziehungsweise ausreichend Unterstützung erhalten, ihren Dienst zu verrichten, die größte Menge Kokain, die in Deutschland je auf ein Mal gefunden wurde, gleich vernichtet worden ist. Dort werden auslandsstämmige Menschen nicht mit Samthandschuhen angefasst.

  5. Gunnar-Eric Randt sagt:

    Bremen ist führend, geht es um den Bierkonsum.

    Entgegen des Bundestrend, belegt Bremen den Spitzenplatz bei den Bieralkoholabhängigen. Dieses Verhältnis passt zur Stadt, deren Brauerei die Abhängigen Sportler bedient. Hier wird ein Bier abgefüllt, das mit dem Emblem des ortsansässigen Bolzclubs auf dem Etikett daher kommt, das ein Trikot in Vereinsfarben und der Rückennummer 12 abbildet.

    Was suggeriert dieser Marketingschachzug sonst noch?

    Nicht nur die Ersatzspieler, die nach den alten Regeln der sogenannten „Schottischen Fuge“ diese Rückennummer tragen, sind Falschen. Die Fans, die als 12ter Mann bezeichnet werden und somit diesem Bier besonders gern zusprechen sollen, vermitteln den Eindruck, den sie in vielen Fällen sogar selbst verkörpern. Nämlich kleine, gedrungen aussehende, braune Flaschen zu sein, die bis zum Hals mit Bier abgefüllt sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.