Die Nachbarn an der Delmodstraße sind über den Bebauungsplan verärgert. Foto: Martina Meyer.
Neubauten

Nachbarn sind empört

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Das Delmod-Areal soll Wohnbaugebiet werden, doch die Gestaltung sorgt für Ärger und Unmut unter den Nachbarn.

Anne Ziegler und ihre Nachbarn leben gerne in Deichhorst. Die Siedlung aus weiß verputzten Reihenhäusern steht unter Ensemble-Schutz und ist damit städtebaulich besonders wertvoll. Umso empörter ist die Nachbarschaft nun über die Planung für das Areal, auf dem bis 2009 die Kleiderfabrik Delmod ihre Hallen hatte. Die anliegende, nach der Firma benannte Straße, erinnert an die Delmenhorster Textilindustrie, die besonders in den Wirtschaftswunderjahren Strahlkraft weit über Delmenhorst hinaus hatte.

Dass auf dem alten Fabrikareal neue Wohnungen entstehen sollen, ist schon seit 2009 der Wunsch der Politik gewesen. Nun treibt die Stadtverwaltung die Planung voran und hat einen Bebauungsplanentwurf vorgelegt. Dieser weist aber nach Meinung der Nachbarn erhebliche Schwachstellen auf.

„Die Häuser sind zu hoch“

Der Frust der Anwohner entbrennt sich an der Höhe der Häuser, an der Zahl der Parkplätze und am entstehenden Verkehr. „Wir hätten gerne eine Verkehrsberuhigung im Quartier und bekommen stattdessen noch mehr Verkehr“, so Jörn Schütt. Denn durch die Nähe zum Krankenhaus und dem Friedhof an der Wildeshauser Straße, ist das Quartier schon besonderen Belastungen ausgesetzt. „Wenn jetzt noch Geschosswohnungsbauten entstehen und dafür keine Parkplätze geplant werden, dann sind hier alle Straßen endgültig komplett zugeparkt“, so die Gruppe übereinstimmend.

Der Bebauungsplan sieht jedoch vor, an der Delmodstraße Mehrfamilienhäuser zu errichten. Die Häuser dafür sollen drei Vollgeschosse und ein Staffelgeschoss enthalten, was eine Gebäudehöhe von 15 Metern erlauben würde. „Damit sehen wir keine Sonne mehr in unseren Gärten und blicken nur noch auf Beton“, sagt Anne Ziegler.

„Nicht an Bausünden orientieren“

Die Angst vor zwei riesigen Wohnblocks ist der Gruppe um Anne Ziegler anzumerken und begründet sich in einem Wohnbau aus den 1970er-Jahren, dessen optische Ähnlichkeit zu den nunmehr abgerissenen Häusern im Wollepark auffällt. „Das neue Baugebiet sollte sich nicht an den Bausünden der 1970er-Jahre orientieren, sondern an der gesamten Siedlungsstruktur“, so Ziegler weiter.

Der Ensembleschutz macht den Anwohnern gestalterische Vorgaben. So müssen die Fassaden weiß verputzt und die Dächer mit roten Pfannen gedeckt sein. „Das grenzt fast schon an Gängelei“, so Schütt. Diese Vorgaben sollten auch das gestalterische Prinzip für die neuen Bauten werden, sind sich die Nachbarn einig.

Der Konflikt um die Größe der Häuser ist für die gegenwärtige Diskussion um die städtebauliche Entwicklung symptomatisch. Einerseits wünscht die Politik mehr sozialen Wohnungsbau und insgesamt mehr und verdichteten Wohnraum, andererseits sind die dafür notwendigen Flächen nicht ohne Nachbarn und in gewachsenen Strukturen. Der Bebauungsplan liegt noch bis zum 19. August öffentlich aus und jeder kann dazu Stellungnahmen abgeben. Wie diese Stellungnahmen dann Einfluss auf das Bild der Stadt durch seine Bauten in Zukunft haben wird, muss dann die Politik entscheiden. Die Bewohner des Alten Deichhorst wollen aber weiter für ihre Interessen kämpfen und suchen den Kontakt zur Politik.

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1 Antwort

  1. Gunnar-Eric Randt sagt:

    Sozialer Wohnungsbau 3.0 à la Wollepark in Delmenhorst

    Eine städtische Regierung, wie in Delmenhorst oder auch in Bremen, setzen auf die falschen Werte. Zukunft für die Gesellschaft haben größere, frei stehende Einfamilienhäuser mit begrünten Flachdächern und Garagen auf kleinen Grundstücken, die sich insbesondere Singles leisten können, für die kleinere Kommunen Fördermaßnahmen auflegen müssen. Nicht zuletzt um der globalen Überbevölkerung entgegen zu wirken, die es in Delmenhorst und Bremen besonders gern bunt treibt und deren Familienangehörige sich dort deshalb ebenso gerne austoben wollen.

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