Seit Mai dieses Jahres läuft der Umzug in den Neubau des Klinikums. Neben den Verzögerungen hat der Klinikverbund aber vor allem mit deutlich größeren Verlusten als geplant zu kämpfen. Foto: WR
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Geno-Krise spitzt sich zu

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Der Umzug ins Klinikum Mitte verzögert sich, indes steigt das Jahresdefizit der Geno auf 17,7 Millionen Euro.

Der Umzug ins neue Klinikum Mitte ist seit Mai diesen Jahres in vollem Gange – und doch dauert es fast zwei Monate länger als geplant, bis der OP-Bereich und die Intensivstation in den Neubau verlegt werden können. Grund für die Verzögerungen sind laut Karen Matiszick, Sprecherin des Klinikverbunds Gesundheit Nord (Geno), falsch eingeschätzte Vorbereitungsmaßnahmen.

„Nach der ersten Umzugsphase haben wir festgestellt, dass es sinnvoll ist, längere Schulungsphasen einzuplanen, damit die Mitarbeiter in den neuen Bereichen größere Sicherheit gewinnen“, erklärt Matiszick. Statt Anfang September, wie ursprünglich geplant, sollen diese Abteilungen nun erst Ende Oktober einziehen, wenn die Herbstferien vorbei sind. „Am 26. Oktober soll der erste Eingriff im neuen OP-Bereich stattfinden“, sagt die Sprecherin.

Belüftungsanlage machte Probleme

Zudem hatte es bei den bisherigen Umzugsmaßnahmen schon Verzögerungen gegeben: Auf einer Station mit Patienten, die eine Knochenmarktransplantationen hinter sich haben, machte die Belüftungsanlage Probleme. Während der Hitzewelle mussten zwei Patienten vorsichtshalber wieder in den Altbau verlegt werden. „Die Kühlungstechnik wird derzeit nachgerüstet, sodass dieses Problem in Kürze behoben sein wird“, sagt Matiszick.

Insgesamt sind bisher 130 der rund 800 Betten belegt – bis zum Frühjahr 2020 sollen die restlichen Stationen umziehen, danach wird zudem das neue Eltern-Kind-Zentrum in Betrieb genommen.

Rote Zahlen steigen immens an

Sehr viel größere Probleme als den Umzug hat der Klinikverbund allerdings mit den roten Zahlen. Für 2019 deutet sich demnach statt geplanter 5,5 Millionen Euro ein Verlust von 17,7 Millionen Euro an. Das wäre ein Rekorddefizit für die seit Jahren finanziell kriselnde Geno. Als Gründe für die Lage sieht Matiszick Entwicklungen, die so schnell nicht zu erwarten waren. „Der Fachkräftemangel in der Pflege ist größer geworden, zudem sind die Ausfallzeiten gestiegen“, sagt sie.

Ferner sei der Trend zu ambulanten Behandlungen ein Problem. „Wir reagieren darauf, indem wir beispielsweise Kassensitze erwerben, die uns neue Abrechnungsmöglichkeiten bieten“, sagt Matiszick.

Fraktionen fordern schnelle Maßnahmen

Die Kritik an dem Millionen-Defizit wächst derweil: Die CDU-Bürgerschaftsfraktion beantragt eine Sondersitzung der Gesundheitsdeputation, die FDP-Fraktion fordert die Überprüfung einer Neuausrichtung der vier Geno-Kliniken.

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2 Antworten

  1. Gunnar-Eric Randt sagt:

    Trefflich ausgerichtet in die nächste Legislaturperiode

    Falsch eingeschätzt und immer noch in roter Hand. Die CDU meint: Weiter so. Und noch einen Antrag für eine Deputationssondersitzung. In dieser Legislatur braucht man doch auch Beschäftigung für die Opposition im hohen Haus. Das geht selbst der FDP zu weit. Sie fordert eine Neuausrichtung der mit Stümpern und schlecht ausgebildeten Fachkräften besetzten Verwaltungs-, Planungs- und Pflegeeinheiten der GeNo. Allerdings hält sie am Deputationsunwesen fest. Einer Instanz, die überflüssig ist und die Arbeit eines gleich einzusetzenden Untersuchungsausschuss blockiert, hinauszögert oder sogar verhindert.

    Ob Krankenhaus St-Jürgen-Straße oder Klinikum-Mitte. Die Skandal-Klinik schlechthin in Bremen. Schon lange vor den jetzigen von dem roten Ressorts und seiner Privatisierungsgesellschaft GeNo zu erwartenden missglückten Planungen zum Umbau, Neubau und Umzügen, die immer noch nicht abgeschlossen sind. ist das Klinikum traditionell eine Skandalklinik. Vor dem historischen Hintergrund der Machenschaften, beispielsweise in der Verwaltung unter A, wie Aribert Galla, bis Z, wie zwischenzeitliche Schließung der Frühchenstation wegen über einen langen Zeitraum unauffindbar erscheinender, todbringender Keime, sind die neuesten Negativentwicklungen, als weiteres Kapitel einer lediglich lachhaften Kapriole der Entwicklungsgeschichte im Bremer Gesundheitswesen hinzuzufügen.

  2. Gunnar-Eric Randt sagt:

    Wir schaffen das. Die Krankenhäuser der Inseln und Küstenregionen, als Urlaubsregionen, sollten Bremer nicht vergessen.

    Bremer im Exil finden Gefallen an der Idee, Kliniken, die in Verbünden scheitern, mit Hilfe von Freundschaftsvereinen zu unterstützen. Ein positives Beispiel bietet eine Bremer Firma, die den Freundschaftsverein des Klinikum Niebüll, das im Fachklinikverbund Nordfriesland eingegliedert ist, der seinen Stammsitz in der Kreisstadt Husum hat, leistungskräftig unterstützt. Das die Tafel mit den Namen der Institutionen unter den honorigen Spendern, die – hanseatischem Understatement folgend – diskret an einer Wand des Nebeneingangsbereich des Klinikums ausgehängt ist.

    Bremer, die in der Küstenregion Nordfrieslands wohnen, und die Inseln in der nahen Nordsee vor sich haben, sind ebenso auch betroffen vom Krankenhaussterben aus finanziellen Gründen, wie die Bewohner der Inseln in vielen Fallen ebenfalls. Wer also an der Nordseeküste, ganz oben im Norden wohnt oder dort oder auf einer Insel Urlaub macht, fährt in einem Falle zunächst mit der Fähre und in jedem Falle bislang rund 20 KM auf dem Festland zum nächsten Krankenhaus, das in Niebüll liegt, oder 60 zu den nächsten Kliniken in Flensburg oder Husum.

    Das Niebüller Klinikum hatte bis vor wenigen Jahren u. a. eine Geburtsstation, eine Orthopädie und andere Abteilungen, die aber jetzt geschlossen sind und durch niedergelassene Einrichtungen, mit vergleichsweise eingeschränkten Öffnungszeiten ersetzt. Die Geburts- und kardiologischen Stationen waren für die Geburten von Schwangeren und Herzpatienten, unter ihnen auch Urlauber, von den meisten nordfriesischen Inseln und Halligen sowie der nördlich von Bredstedt liegenden Küstenregion naheliegendster Anlaufpunkt.

    Ebenso lange schon bangt und unterstützt der Freundschaftsverein der Klinik, dem u. a. eine Bremer Firma angehört, um die Klinikexistenz. Ein Bremer Engagement mit Vorbildcharakter für die Wirtschaft und Unternehmen aus Automobil-, Luft- und Raumfahrindustrie, Logistik und Handel, dem nicht nur medizinisch wüst aufgestellten Verbund in Bremen, quasi aus hanseatischen Bordmitteln, die der Standort wirtschaftlich hergeben sollte, den Rücken zu stärken.

    Eine Petition zum Mitzeichnen steht bezüglich der Förderung aus Bundesmitteln für Krankenhäuser in ländlichen Regionen, zum Mitzeichnen noch für drei Monate auf der online-Plattform openpetition.de unter der Rubrik „Gesundheit“ und dem Titel: „Stoppt das Krankenhaussterben im ländlichen Raum“ bereit.

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