Hatten viele Fragen zu beantworten: Mobilitätssenatorin Maike Schaefer, ihr Mitarbeiter Christoph Lankowsky sowie Geschäftsführer Hartmut Körbs und Robert Palm von der Nordwestbahn. Foto: Harm
Regionalausschuss

Nordwestbahn setzt ab 21. Oktober längere Züge ein

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Züge der RS1 fahren ab dem 21. Oktober teilweise wieder mit zwei Fahrzeugen. Dennoch bleiben Probleme.

Zu wenig Platz für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen, Fahrgäste, die am Bahnsteig stehen gelassen werden, überfüllte Züge und ein Unternehmer aus Bremen-Nord, der schon überlegt, sein Geschäft zu schließen, weil seine Mitarbeiter aufgrund der Zugausfälle und Verspätungen bei der Nordwestbahn nicht mehr rechtzeitig ihre Arbeitsstelle erreichen und der Service nicht aufrecht erhalten werden kann: Der Frust war groß bei den betroffenen Fahrgästen, die ihren Unmut gestern Abend bei der Sitzung des Regionalausschusses Bremen-Nord kundgetan haben.

Der Ausschuss kam zum Thema „Grundsatzfragen des öffentlichen Personennahverkehrs im Bremer Norden“ im Bürgerhaus Vegesack zusammen. Geladen waren Mobilitätssenatorin Maike Schaefer (Grüne), Vertreter der BSAG sowie der Nordwestbahn (NWB).

Geschäftsführer Hartmut Körbs, der seit dem 1. August 2019 in dem Amt ist, lenkte direkt ein: „Für die Qualität, die wir bringen, können wir uns nur entschuldigen.“ Unmittelbar folgte ein weiteres Eingeständnis: „Die Situation wird noch eine Weile andauern.“ Kurzfristige Versprechen könne man nicht machen.

Hauptverkehrszeiten werden von Nordwestbahn verstärkt

Dennoch reagiert die Nordwestbahn auf die zahlreichen Beschwerden. Ab dem 21. Oktober wird das Konzept auf der Linie der RS1 zumindest von montags bis freitags angepasst. Die Fahrten des 15-Minuten-Taktes ab Minute 19 werden ab Bremen wieder mit zwei Fahrzeugen bedient. Gleiches gilt für die Verbindungen zur Minute 50 ab Bremen-Vegesack. Mehrere Fahrten in der Hauptverkehrszeit sollen zudem mit einem zweiten Fahrzeug verstärkt werden. Dabei handelt es sich um die Verbindungen um 5.35, 6.05, 6.35, 7.05 Uhr ab Bremen-Vegesack und um 6.33, 7.03, 7.33 und 8.03 Uhr ab Verden.

Sowohl von Mitgliedern des Regionlausschusses als auch aus den Reihen der etwa 50 Zuhörern kamen Nachfragen zum Ausbildungskonzept. Laut Körbs würden mehr als 2,5 Millionen Euro in den Bereich gesteckt. Die Bewerberlage sei gut, viele Triebfahrzeugführer seien derzeit in Ausbildung, aber an dem unmittelbaren Loch lasse sich nichts ändern. Mehr als zehn Lokführer fehlen dem Unternehmen, bestätigte Robert Palm, Leiter der Regio-S-Bahn Bremen.

Arbeitszeiten machen Lokführer-Job unattraktiv

Der Beruf eines Triebfahrzeugführers sei aufgrund der Randzeiten nicht so attraktiv, so Palm. „Sie fahren teils bis 3 Uhr morgens oder fangen um 4 Uhr an. Das ist für viele nichts.“ Zudem hätten die Beschäftigten maximal ein Wochenende im Monat frei. Dennoch sei der Job mit einem Grundgehalt von 2.800 Euro, Zulagen durch bestimmte Schichten und 40 Urlaubstagen ansehnlich.

Palm hatte noch weitere Zahlen dabei: Nachdem die Zugausfälle aufgrund des personellen Engpasses im Mai 2019 noch bei einer Quote von über 3 Prozent gelegen haben, sei der Wert im September auf unter 1 Prozent gesunken – „auch wenn nach wie vor Sitzplätze fehlen“, gestand er ein.

Laut Mobilitätssenatorin Maike Schaefer werde derzeit noch geprüft, wie Fahrgäste entschädigt werden können, wenn Fahrten entfallen. Man sei im Kontakt mit Kommunen, die bereits Konzepte entwickelt haben. Zudem sei eine Abmahnung an die NWB in Vorbereitung.

Drittes Gleis in Bremen-Burg fehlt

Das Unternehmen hat allein im Jahr 2019 1,5 Millionen Euro Strafe zahlen müssen, weil der Vertrag nicht erfüllt worden ist. „Wir wollen das Geld eigentlich nicht, sondern wir wollen, dass die Züge fahren.“ Auf Nachfrage von Kyra Behrje (Beirat Vegesack/Linke), die monierte, dass die Strafzahlungen nicht den Fahrgästen zu Gute kommen, sagte Schaefer, dass die Gelder in die Infrastruktur gesteckt würden, zum Beispiel in die Sanierung von Bahnsteigen.

Schaefer betonte neben dem Personalmangel noch ein weiteres Problem: „Es fehlt das dritte Gleis in Burg“, sagte Schaefer. Da der Gütverkehr Vorrang hat, müssten viele Personenzüge warten. Verspätungen seien die Folge, die sich wiederum auf nachfahrende Verbindungen auswirkten.

Bessere Arrangements verspricht man sich noch von dem elektrischen Stellwerk in Bremen-Burg, das laut Schaefer für 2024 geplant ist. 70 Millionen Euro werden investiert. Laut Christoph Lankowsky, in Schaefers Ressort für den Schienenverkehr zuständig, habe man zudem die EVB-Trasse zwischen Verden und Rotenburg im Blick. Sie soll ertüchtigt und elektrifiziert werden.

Buslinen-Netz soll verbessert werden

Torsten Bullmahn (Beirat Vegesack/CDU) – der frisch gewählte Sprecher des Regionalausschusses – forderte mehr Transparenz von der NWB. „Ihre Entschuldigung ist nett, aber mehr auch nicht“, entgegnete Heike Sprehe (Beirat Vegesack/SPD). Sie machte auf kommende Großveranstaltungen, wie den Freimarkt und den Weihnachtsmarkt aufmerksam. Auch Pius Heeremann (Beirat Burglesum/FDP) forderte für diese Zeit doppelte Züge. Doch Regio-S-Bahn-Chef Palm entgegente, dass es nur ein kleines Polster für diese Zeit gebe. „Die Ersatzkonzepte müssen bestehen bleiben.“

In seinem einstimmig angenommen Beschluss fordert der Regionalausschuss unter anderem, die Planung des dritten Gleises mit dem Bund voranzutreiben und die Digitalisierung der Strecke Vegesack- Burg – Hbf zügig abzuschließen. Zudem soll ein neues Konzept für die Fahrgastinformationen mit NWB, Deutscher Bahn und BSAG entwickelt werden. Zahlungen der NWB aus Vertragsverletzungen sollen den Nutzern zugeführt werden.

Hinsichtlich der Busverbindungen im Bremer Norden fordert der Ausschuss die Anschlüsse am Bahnhof Burg zu verbessern und die Linie 99 wieder einzuführen. Außerdem soll eine Verbindung zwischen Farge und Neuenkirchen eingerichtet werden.

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