Sie haben aus ihrer Idee ein Geschäft entwickelt: Marc Gerken, Sebastian Mildenberger, Moritz Armbrust und Steffen Kirschner. Foto: Uwe Niklas
Suchen und Finden

Patavinus: Eine App für Verlierer

Von
Hausschlüssel weg? Die Bremer Gründer von Patavinus helfen jetzt bei der Suche.

Wer schon einmal seinen Schlüssel verloren und anschließend einen teuren Schlüsseldienst bezahlt hat, der weiß, wie ärgerlich solch ein Verlust ist. So erging es auch Moritz Armbrust von Patavinus, der im Mai vergangenen Jahres seinen Schlüssel im Bremer Viertel verlor und für das Öffnen seiner Wohnungstür eine horrende Summe bezahlen sollte.

„Das ist viel zu teuer gewesen“, sagt er rückblickend. „Und das passiert wahrscheinlich Tausende Male in Deutschland.“ Seinen Unmut über die hohe Rechnung brachte Armbrust auf eine Idee: Eine App, die verlorene Schlüssel zu ihren Besitzern zurückbringt.

Scannen und chatten

Gemeinsam mit einem befreundeten Entwickler entwarf der 32-Jährige einen Prototypen, dessen Funktionsweise möglichst einfach und intuitiv sein sollte: Schlüssel, Handy und Co. werden mit einem QR-Code gekennzeichnet, der in der App hinterlegt ist.

Findet jemand den Schlüssel, kann er den QR-Code mit seinem Smartphone scannen und landet automatisch im Browser des Telefons in einem Chat. Wichtig war den Gründern, dass der Finder sich für die Kontaktaufnahme nicht erst eine App herunterladen muss. „Sonst ist die Hürde zu groß“, sagt Moritz Armbrust.

Anonym bleiben

Über den Chat können Finder und Verlierer anonym ein Treffen vereinbaren. Auch das war für den Entwickler ein wichtiger Punkt, schließlich müsse man im Falle eines verlorenen Schlüssels besonders sensibel mit den eigenen Daten wie Adresse und Telefonnummer umgehen.

Armbrust selbst hatte seinerzeit zunächst einen Aushang im Viertel gemacht, auf dem seine Kontaktdaten angegeben waren – ein Fehler, wie der Bremer im Nachhinein fand.

Gute Quote

Sein System hat Moritz Armbrust bereits im größeren Stil in Nürnberg getestet: Von 100 ausgelegten Schlüsseln kamen 70 wieder zurück. Für die Gründer aus Bremen eine gute Quote. Armbrust: „Oft unterschätzt man die Hilfsbereitschaft der Leute.“

Auch auf der Breminale legten die App-Entwickler ihre Testschlüssel aus – und die Quote blieb gleich: Von zehn Schlüssel fanden sieben den Weg zurück zu ihren Besitzern. „Da sehen wir noch Potenzial nach oben, wenn sich das Konzept herumspricht“, sagt der Gründer.

Andere Zielgruppen mit Patavinus ansprechen

Armbrust will aus seiner Idee ein Geschäftsmodell entwickeln und gründete Anfang des Jahres zusammen mit drei Mitstreitern das Unternehmen Patavinus. Dabei setzen die Gründer auf zwei Zielgruppen: Zum einen Menschen, die sich einen entsprechenden Schlüsselanhänger mit dem QR-Code kaufen. Diese gibt es ab 5 Euro.

Zum anderen haben die Gründer Unternehmen im Blick, die die Anhänger als Werbeartikel einsetzen. Gerade hat Moritz Armbrust 10.000 Stück an eine große Bremer Bank verkauft. Einsetzbar sei das Konzept auch für Handys, Koffer und Haustiere. Denn der 32-Jährige hat eine Vision: „Eine Welt ohne Verlierer.“

von Insa Lohmann

Weitere Artikel aus dem Ressort Wirtschaft finden Sie hier.

 

Teile jetzt den Artikel

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren...

1 Antwort

  1. Gunnar-Eric Randt sagt:

    Eine App, die Sozialpläne für Arbeitnehmer aus dem öffentlichen Dienst sucht, fehlt unter anderem.

    IT-Technik schafft innovative Ideen und neue Arbeitsplätze für die Generation Nerd. Bedauerlich, dass man einen Job, den man beispielsweise gerade bei Hachez absehbar verlieren wird, nicht mit einem QR-Code versehen kann, um ihn wiederzufinden.
    Ein Qualifizierungsziel für Arbeitnehmer aus der industriellen Produktion für die Zukunft steht also fest. Arbeitern und Arbeiterinnen, die wegen der Schließung eines Produktionsstandortes ihren Arbeitsplatz verlieren, müssen ausreichend IT- und Programmierungskenntnisse im Rahmen von Qualifizierungsmaßnahmen auf der Grundlage des für sie entwickelten Sozialplans vermittelt werden, damit sie entweder in einem jungen Start-up mit einsteigen oder selbst eines gründen können. Denn die Arbeitsplätze in der industriellen Produktion werden rarer.

    Nun haben die zumeist kerngesunden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Hachez das Glück, dass für sie ein Sozialplan „gestrickt“ werden wird. Schwerbehinderten, die ihren Job im öffentlichen Dienst auf Grund von Rationalisierungsmaßnahmen aufgeben müssen, da Schwerbehindertenvertreterinnen und Personalräte zu faul oder, im familienfreundlichen Unternehmen, zu verblendet sind, für die Integration eines alleinstehenden, kinderlosen Mannes mit Schwerbehinderungen zu sorgen, fehlt es an einer App, die ihnen hilft, einen entsprechenden Sozialplan zu finden, der sie am ersten Arbeitsmarkt in Vollzeit auf einem home-office-Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst reintigriert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.