Detlev Roß gratuliert Mechthild Harders-Opolka nach der Wahl zur Vorsitzenden des SPD­-Unterbezirks Delmenhorst mit einem Blumenstrauß und guten Wünschen. Foto: th
Parteitag

Parteitag mit Faust im Sack

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Die Delmenhorster SPD wählt eine neue Vorsitzende und vermeidet die Eskalation nach dem Sommerstreit

Die Überschrift dieses Artikels dürfte nicht sein, denn die Redewendung ist schweizerisch und nicht norddeutsch genug. Doch diese Redewendung ist maximal treffend für das, was beim Parteitag der Delmenhorster SPD am vergangenen Sonnabend beobachtet werden konnte. Als hätte man den Deckel auf einem brodelnden Kochtopf angenietet, saßen die Genossen in vordergründigem Burgfrieden beisammen. Doch während sie eben nicht diskutierten, machten sie den Anschein als bissen sie sich auf die Zähne und ballten die Fäuste in den Hosentaschen anstatt damit auf den Tisch zu hauen.

Streitereien in der Sommerpause

Der Parteitag war mit Spannung erwartet worden, angesichts der spektakulären Scharmützel, die sich die Partei während der Sommerferien geliefert hatte: Die Vorsitzende Petra Behlmer-Elster warf das Handtuch, der Oberbürgermeister Axel Jahnz stellte Strafanzeige gegen seine Parteifreundin Roswitha Ahrens-Groth, die Stadtratsfraktion um Bettina Oestermann warf ihre Kollegin Antje Beilemann aus dem Verwaltungsausschuss, was deren Rücktritt als Bürgermeistern zur Folge hatte. Kurz: In der Partei gibt es Spannungen.

Doch davon war am Wochenende nur zu spüren, wenn man zwischen den Zeilen las. Dankesworte wurden gegeben, aber diese waren gezielt platziert. Oestermann dankte zwar auch Behlmer-Elster, doch ihr „ganz besonderer Dank“ galt Hassan Bicerik, der die Partei interimistisch nach Behlmer-Elsters Rücktritt führte.

Oberbürgermeister Jahnz hatte gar niemandem zu Danken, freute sich aber auf die zukünftige Zusammenarbeit mit dem neuen Bürgermeister Enno Konukiewitz und der neuen Ratsvorsitzenden Gabi Baumgart. Vorgängerin Beilemann fand in Jahnz Grußwort keine Erwähnung.

Nur Deniz Kurku, der für die Delmenhorster SPD im Landtag sitzt, unternahm den Versuch, seine Partei zur Räson rufen: „Besonders online ist der Ton nicht sachdienlich! Ich hoffe es fühlen sich jetzt einige angesprochen“, rief Kurku in die Menge und alle klatschten, nur am Tisch von Roswitha Ahrens-Groth sah man versteinerte Mienen und Schweigen.

Harders-Opolka mit 72,4 Prozent gewählt

Mit der neuen Vorsitzenden Mechthild Harders-Opolka soll nun wieder Ruhe in die Partei einziehen: „Mit mir wird die Arbeit im Vorstand konstruktiv, freundlich und friedlich ablaufen“, hatte Harders-Opolka in ihrer Bewerbungsrede versprochen. Diese Ankündigung wirkte dann bei 42 der 58 Delegierten. Bei zehn Gegenstimmen und sechs Enthaltungen bekam sie also von 72,4 Prozent das Vertrauen ausgesprochen. Dass die Sozialdemokraten sonst Zustimmungswerte weit über 90 Prozent gewöhnt sind, zeigt die Zerrissenheit der Delmenhorster Partei.

Neben den Wahlen für den Vorstand (insgesamt wurden 23 Posten vergeben) kamen auch noch ganze 25 Anträge zur Abstimmung. Unter anderem setzt sich die Partei nun für die Schaffung eines Allwetter-Fußballplatzes ein und bringt damit neue Bewegung in die seit längerem harzig geführte Diskussion, auch wenn sie zuvor das Wort „Kunstrasen“ aus dem Antrag durch Beschluss entfernte.

Bemerkenswert war die Debatte um einen von den Jusos eingebrachten Antrag zur Anwendung geschlechtergerechter Sprache. Während sich die Bundespartei bereits seit einiger Zeit dazu verpflichtet hat, wurde der Antrag in Delmenhorst mit 24 zu 25 Stimmen äußerst knapp abgelehnt. Die Debatte war zuvor emotional geführt worden und auch nach der Abstimmung gab es Maßregelungen. Ratsfrau Margret Hantke sah sich am Tisch ihres Ortsvereins dermaßen Provokationen ausgesetzt, dass sie wutentbrannt ihre Sachen zusammenpackte und den Tisch verließ.

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