Sein neues Album „Jetzt“ schaffte es gleich an die Spitze der Charts. Es ist Peter Maffays 19. Album, das auf Platz eins landete. Jetzt bereitet er seine Tour vor.Foto: Schlie Sein neues Album „Jetzt“ schaffte es gleich an die Spitze der Charts. Es ist Peter Maffays 19. Album, das auf Platz eins landete. Jetzt bereitet er seine Tour vor. Foto: Schlie
Interview

Peter Maffay: „Ein Kamikaze-Unternehmen“

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Peter Maffay über sein neues Album, seine nächste Tour und das Musikgeschäft.

Weser Report: Herr Maffay, Ihr neues Album „Jetzt“ beginnt überraschend leise mit dem Song „1.000 Wege“….

Peter Maffay: …aber nur der erste Song ist so. Die Geschichte zu dem Song ist: In unserem Wohnzimmer in Rumänien, wo meine Eltern und ich gelebt haben, gab es keinen Fernseher, aber ein Aquarium. Vor dem saß ich und habe reingeguckt. Die Idee für den Song jetzt war: Ich sitze vor dem Aquarium, schaue hinein und sehe in ein junges Gesicht gegenüber. Das bin ich in jungen Jahren, und wir erzählen uns, wie viele Wege man gehen muss, um irgendwo anzukommen.

Im Song „Morgen“ singen Sie von „Kämpfen um Wasser und Wälder“. Damit beziehen Sie sich ja auch auf die aktuelle politische Diskussion. Was ist schwieriger: einen politischen Song zu schreiben oder einen über sehr persönliche Gefühle?

Wenn es ein Thema gibt, das einen wirklich beschäftigt, dann ist es unerheblich, welcher Art es ist. Es gibt Leute, die sagen: Unterhaltung reicht mir, wenn ich Musik höre. Aber ich verstehe Musik auch so, dass sie die Möglichkeit bietet, sich zu positionieren.

Hoffen Sie, dass Musik dann etwas bewegt?

Ja, natürlich. Bob Dylan hat den Nobelpreis bekommen. Vor dem Hintergrund des Vietnam-Krieges hat er einen Anti-Kriegs-Song geschrieben: „Wie oft müssen Kanonenkugeln fliegen, bevor sie für immer verbannt sind.“ Man kann nicht quantifizieren, was so ein Song bewegt hat. Oder was das Lied „Über sieben Brücken musst du gehen“ bewegt hat. Aber irgendeinen Beitrag haben die Autoren dieser Lieder erzeugt.

Wenn Sie das erste Mal Text und Komposition eines Liedes sehen und hören, ahnen Sie dann schon, dass es ein großer Hit werden könnte?

Das ist enorm subjektiv. Ich habe häufiger gedacht, ich hätte einen großen Hit geschrieben, und dann war es keiner. Aber ich glaube schon, durch die Erfahrung, die man gesammelt hat, entwickelt man Gespür dafür, ob der Song viele Menschen erreicht. Ich höre eine Melodie, und mir stellen sich die Haare zu Berge. Aber nicht weil sie grauenhaft ist, sondern weil sie wunderbar ist.

Der neue Song „Größer als wir“ hört sich zu 150 Prozent nach Peter Maffay an….

Der Song bedeutet mir sehr viel. Das Thema Glauben bedeutet mir sehr viel. Ich habe es bisher vielleicht fünf Mal in einem Lied aufgegriffen.

Sie haben auf Ihrem Grundstück auch eine Kapelle.

Ja.

Das neue Album ist Ihr 19., das in den Charts Nummer eins ist. Wie viel bedeutet Ihnen das heute noch, wo viele Leute eher Songs in Streamingdiensten abrufen, als ein Album zu kaufen?

Diese Position ist immer etwas Besonderes. Aber durch die Entwicklung vornehmlich im Tonträgerbereich hat eine Eins heute ein anderes Gewicht als früher. Aber eine Eins ist eine Eins. Dahinter steckt auch ein sportlicher Ehrgeiz. Vor allem ist sie das Ergebnis eines Zusammenspiels von Mehreren. Und eine Eins macht alles, was danach kommt, zunächst einmal leichter.

Ist ein Konzert heute wichtiger als früher?

Ich gehe in ein Konzert, um mehr über den Interpreten zu erfahren, wie er singt, wie er spricht, wie er sich bewegt und wie er mit dem Publikum umgeht. Wir spielen auf unserer neuen Tour 23 Konzerte in einem Monat. Das ist schon ein Kamikaze-Unternehmen. Aber wenn wir die Termine nicht dicht staffeln, laufen uns die Kosten davon. Wir sind 120 bis 130 Leute auf der Tour, dazu kommen die lokalen Roadies, die auf- und abbauen. Wenn der Tonträgermarkt heute nicht mehr das erzeugt, was er früher erzeugt hat, und das ist der Fall, dann wird eine Tour mehr und mehr zum wirtschaftlichen Rückgrat. Das Betriebsergebnis ist ja auch wichtig für die Monate danach, in denen keine Tour läuft. Wir verwalten uns selbst. In unserer kleinen Firma arbeiten 15 bis 20 Leute das ganze Jahr über.

Sie treten am 7. Februar in der Semperoper in Dresden auf.

Der Auftritt hat mit der Tour nichts zu tun. Wir wurden eingeladen, dort auf dem Opernball zu spielen. Ich finde es charmant, dass wir in einer so exquisiten Umgebung Krach machen dürfen.

Ihre Tour startet am 26. Februar in Kiel, am 25. März sind Sie in Bremen. Wie lange im Voraus planen Sie solch eine Tour?

Produktion und Ausstattung stehen schon. In Heidelberg haben wir eigens dafür ein Studio aufgebaut, um in einem stark verkleinerten Modell die ganze Show zu fahren. Vorne auf der Bühne sind Puppen, die man bewegt. Und die Lampen dort haben die gleiche Funktion wie die Scheinwerfer später auf der großen Bühne. Dann wird das Mischpult programmiert. Vor der Premiere in Kiel proben wir noch eine Woche in Timmendorf und einige Tage in Kiel.

Auf Ihren bisherigen Touren trat auch meist ein Stargast auf. Wer kommt 2020?

Keine Ahnung. Das Programm steht noch nicht in Gänze. Die Bühne wird ein Remake unserer 1996er Produktion sein: eine überdimensionierte Gitarre, deren Hals ins Publikum hineinragt. Auf jeden Fall wird das neue Album Teil des Programms sein, wir werden aber auch Lieder aus der Vergangenheit spielen. Und wir werden unsere Kumpel, die früher in der Band waren, einladen, Songs mitzuspielen, bei denen sie sich damals besonders hervorgetan haben. Zum Beispiel Frank Diez, der bei „Eiszeit“ seinerzeit ein enormes Solo gespielt hat. Er hat es immer noch drauf. Das Publikum wird ihn feiern.

Peter Maffay tritt am Mittwoch, 25. März, ab 20 Uhr, in Bremen in der ÖVB-Arena auf. Tickets gibt es bei eventim.

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