Seit diesem Monat ist Bernhard Stecker Propst der Bremer Katholiken. Bremen gehört zum Bistum Osnabrück.Foto: Schlie Seit diesem Monat ist Bernhard Stecker Propst der Bremer Katholiken. Bremen gehört zum Bistum Osnabrück. Foto: Schlie
Interview

Probst Bernhard Stecker: „Nicht den Hamburger Weg“

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Der neue katholische Propst Bernhard Stecker spricht im Interview über Kirche, Schulen und leitende Frauen.

Weser Report: Herr Stecker, in Bremen sind nur zehn Prozent der Menschen katholisch. Was kann die katholische Kirche hier überhaupt bewirken?

Bernhard Stecker: So klein sind wir auch nicht. In der Stadt Bremen leben immerhin 46.000 Katholiken. Eine Besonderheit ist, dass die Katholiken hier aus 130 Nationen kommen.

Wie stark engagieren sich die Katholiken in der Kirche?

Wer sich heute in der Kirche engagiert, tut das aus eigener Überzeugung und nicht, weil es Eltern oder Großeltern schon so gemacht haben. In vielen Bereichen kooperieren wir sehr eng mit der evangelischen Kirche und bringen gemeinsame Anliegen vor. In Osnabrück haben wir einen Kreis der verschiedenen Religionen. Ich hoffe, dass sie auch hier zusammenstehen und sich gegenseitig unterstützen etwa gegen Intoleranz in der Gesellschaft.

In Hamburg schließt die katholische Kirche mehrere Schulen. Was planen Sie in Bremen, wo es fünf katholische Grundschulen gibt, ein katholisches Gymnasium und zehn katholische Kitas?

Die elfte Kita wird jetzt gebaut, weitere Kita-Bauten sehe ich im Moment nicht. Bei den Schulen sind weitere Ausbauten ganz sicherlich nicht geplant. Bei der Finanzierung arbeiten wir eng mit der Stadt zusammen, alleine kann die Kirche das nicht stemmen. Die Städte sehen es gerne, wenn die Kirche Kitas und Schulen betreibt, denn wir haben Erfahrung, sind gut und für die Stadt kostengünstig. Aber wir kommen da an Grenzen.

Das bedeutet?

Das Bistum steht im Moment klar auf dem Standpunkt, dass wir den Weg von Hamburg nicht gehen. Wir werden hier keine Schule aufgeben, obwohl es nicht einfach ist, alles zu finanzieren. Insbesondere die Pensionszusagen für beamtete Lehrer sind eine große Last.

Sind katholische Kitas und Schulen nur für Katholiken?

Die Aufnahmekriterien werden von der Stadt für die Kitas vorgegeben. Aber wenn alle Faktoren gleich sind, spielt die Religion natürlich eine Rolle. Die Mehrheit der Kinder in unseren Kitas ist nicht katholisch. Im Rahmen der gelebten Ökumene in Bremen sind an den fünf katholischen Schulen selbstverständlich auch evangelische, aber auch nicht konfessionsgebundene Schüler und Schülerinnen. An allen Schulen wird katholischer und evangelischer Religionsunterricht erteilt.

Müssen die Erzieher und Lehrer katholisch sein?

Wir suchen für die Kitas natürlich katholische Kräfte, zumindest sollten sie einer christlichen Kirche angehören. Wir haben aber bewusst auch eine Muslima eingestellt. Selbstverständlich unterrichten an unseren Schulen katholische und evangelische Lehrer.

Sie verlangen Schulgeld. Schließen Sie so nicht Kinder aus?

An den Grundschulen beträgt das Schulgeld 46 Euro und an der weiterführenden Schule 56 Euro im Monat. Es ist uns aber wichtig, dass kein Kind aus finanziellen Gründen von dem Besuch unserer Schulen ausgeschlossen wird. Das Schulgeld wird daher abhängig von der Bedürftigkeit der Familie auf 5 beziehungsweise 10 Euro reduziert werden.

Andere Bistümer fahren einen strikten Sparkurs und schließen auch Kirchen.

Es gab auch in Bremen schon Schließungen von kleineren Kirchen, die nach dem Krieg provisorisch gebaut wurden. Aber ein großflächiger Abbau ist nicht geplant. Unser Bistum gehört nicht zu wohlhabendsten, aber wir haben gut gewirtschaftet. Mittel- und langfristig wird die Zahl der Kirchensteuer-Zahler allerdings abnehmen. Das müssen wir berücksichtigen.

Wie wirkt sich der Mangel an Priestern denn auf Bremen aus?

In St. Franziskus haben wir gerade einen indischen Priester eingeführt und eine pastorale Koordinatorin, beide zusammen werden die Gemeinde leiten. Solche Modelle schweben uns auch in anderen Regionen vor. Es kann auch mal der Fall sein, dass eine Frau alleine eine Gemeinde leitet. Wie sich das entwickelt, darüber diskutieren ja die Bischöfe. Ich kann nur hoffen, dass sich da was bewegt.

Nicht alle im Vatikan sehen das so.

Die Situation ist unklar. Ausgehend vom Missbrauchsskandal ist aber allen klar, dass wir etwas tun müssen, auch im Umgang mit der Sexualmoral, mit der Homosexualität und in der Ökumene. Ich finde es dramatisch, dass sich die Bischöfe in einer wesentlichen Frage gegeneinander stellen. Das ist gefährlich und falsch.

Das Erzbistum Köln beschäftigt jetzt hauptamtlich Ehrenamtsbeauftragte, die andere Menschen dafür gewinnen sollen, ein Ehrenamt zu übernehmen. Ein Modell für das Bistum Osnabrück und damit für Bremen?

Ich finde das vorbildhaft. Es wäre toll, wenn wir das hier auch hinbekämen.

Sie leiten jetzt auch das Katholische Büro in Bremen, sind also Lobbyist der Kirche.

Ich finde es wichtig, dass im Vorfeld von Gesetzesplanungen mit den Betroffenen gesprochen wird. Bremen ist ja ein Bundesland, dass keine Staatsleistungen mehr an die Kirche gibt. In anderen Ländern ist das noch gang und gäbe, etwa für den Erhalt von Gebäuden oder zur Bezahlung von Personen. Aber dass wir in Bremen im Gespräch bleiben, das halte ich für sehr wichtig.

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