Andreas Klisch leitet in Kooperation mit dem Ausspann ein Integrations-Projekt. Foto: Konczak
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Leinen los für die Integration

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Ein Integrationsprojekt in Kooperation zwischen dem Museumshafen Oldenburg und dem Künstlerhaus Ausspann.

Andreas Klisch, ehemaliger Geschichtslehrer, kommt richtig in Fahrt, wenn er von der Historie der Handelsrouten aus der Zeit vor der Hanse spricht. Dem Vorsitzenden des Museumshafen Oldenburg gehört ein Frachtsegler, die „Maryart“. Sie wurde 1911 erbaut und beruht auf den, wie Klisch erzählt, weitreichenden Erfahrungen der friesischen Handelsschiffer. Nachdem es immer mal wieder Trubel um den Liegeplatz der „Maryart“ gab, keiner wollte sie so wirklich haben, steht nun ein Integrationsprojekt an, bei dem sie als friesischer Frachtsegler alter Bauweise eine der Hauptrollen übernimmt. Die Kooperation läuft zwischen dem Verein Museumshafen und dem Künstlerhaus Ausspann im Bremer Schnoor und soll der Integration der Kursteilnehmer dienen.

Der Name Museumshafen Oldenburg lässt es schon vermuten: früher gab es noch mehrere Segler in dem Verein, übrig geblieben ist nun die „Maryart“ sowie Klisch und fünf weitere Mitglieder.
Beim Ausspann ist Ronald Philipps für Kunst und Integration zuständig, derzeit betreut er 16 Projekte. Die Zusammenarbeit mit Klisch nennt er „perfekt“ und sagt weiter: „Wenn jemand so geduldig ist wie Herr Klisch, schreie ich hurra.“

Das Kooperationsprojekt befand sich ein knappes halbes Jahr in Vorbereitung und startete vor kurzem. Acht Teilnehmer arbeiten mit Klisch zunächst an einer gemeinsamen Wandzeitung, welche auch geschichtliche Hintergründe beleuchten soll. Es habe um das Jahr 800 herum einen Handelsweg zwischen Lübeck und Brügge gegeben, dies würden Eckdaten und Keramikfunde mosaikartig belegen. Auch durch Bremen habe dieser Weg geführt.

Zur Geschichte der alten Handelswege

„Es gab damals kaum Brücken, man musste die Karren durch flache Stellen zerren“, sagt Klisch. Bis zu einer Tonne Ladung sei so für den Transport über Land möglich gewesen. Frachtsegler hingegen konnten bis zu 30 Tonnen befördern.

„Die Friesen haben die Boltjalk, so wie die „Maryart“ eine ist, aus dem Floß entwickelt“, so Klisch weiter. Der Vorteil: die Segler blieben flach und waren sehr manövrierfähig. Die Friesen hätten, so Klisch, zu damaliger Zeit eine bedeutende Seehandelsmacht dargestellt. Um 1250 habe der weitreichende Brückenbau begonnen und somit die Handelswege zu Land weiterentwickelt. Die Wandzeitung, die Klisch mit seiner Integrations-Projektgruppe derzeit erarbeitet, soll sich mit mittelalterlichen Handelswegen und damaligen Häfen beschäftigen. Für 2020 ist eine Austellung geplant.

Auch Austellungen auf der „Maryart“ selbst wolle man angehen, so Philipps. Davor steht noch die Instandsetzung der „Maryart“, Innenausbau und Lackierung müssen überholt werden und die Holzarbeiten sollen restauriert werden. Im Anschluss an die Zusammentragung für die Wandzeitung ist außerdem eine Zusammenarbeit mit der Bremer Landesarchäologin sowie mit dem Focke Museum angedacht, erzählt Philipps. Ein kostengünstiger Liegeplatz in Bremen werde derzeit noch gesucht, nach der Instsandsetzung soll sie auch hin und wieder Fahrten machen.

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