Eine Ausstellung im Haus Coburg würdigt die Arbeit des Komponisten Hans-Joachim Hespos. Morgen, zum 11.11., wird es dann wieder musikalisch unbequem im Theater „Kleines Haus“. Foto: Konczak Eine Ausstellung im Haus Coburg würdigt die Arbeit des Komponisten Hans-Joachim Hespos. Morgen, zum 11.11., wird es dann wieder musikalisch unbequem im Theater „Kleines Haus“. Foto: Konczak
Kultur

Ausstellung über Hespos, Konzert am 11.11.

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Wer eine Partitur des Komponisten Hans Joachim Hespos gesehen hat, weiß, welche Ästhetik darin steckt.

Die Partituren sind nicht nur in avantgardistisch-musikalischer, manchmal verstörender Hinsicht, sondern als rein visuelles Erlebnis lesenswert. Dem Werkschaffen Hespos widmet sich zum 50. Jubiläum der Reihe „Neue Musik Delmenhorst“ ab Sonntag eine Ausstellung in der Städtischen Galerie Delmenhorst.

Unter dem Titel „Das Auge im Ohr“ kann man dort sowohl eine Fülle seiner Partituren sehen als auch akustisch in die hespossche Welt eintauchen – an dem Ort, wo die Delmenhorster Leidenschaft für ungewöhnliche Klänge begann. Gemeint ist die Villa des Doktor Coburg, ein Ort, der bereits zu Lebzeiten des Arztes mit Musik und Kunst gefüllt war. Denn Ausstellungen sowie Hauskonzerte gehörten seinerzeit zum familiären Leben.

Zu Gehör kam damals Unerhörtes

Im Dezember 1969 initiierte Hans-Joachim Hespos sein erstes Konzert Neuer Musik im Delmenhorster Theater „Kleines Haus“. Zu Gehör kam damals Unerhörtes von John Cage, Hespos selbst und Anton von Webern. Wenige Tage später lud Hespos zu einem weiteren Konzertereignis der Neuen Musik ein, dieses Mal in die Coburg-Villa. Dort gab es eine Komposition elektroakustischer Musik des Schweizer Avantgardekomponisten Giuseppe Englert zu hören. „Das Publikum war eher klassisch-gediegene Klänge gewohnt und nach dem Konzert etwas verstört“, erinnert sich Hespos und lacht.

Neben einigen Partituren, die unter anderem in Leporello-Form in der Städtischen Galerie zu sehen sind, kann der Besucher auch dem Entstehungsprozess der Oper „i Opal“ folgen – bei der Uraufführung 2005 im Staatstheater Hannover ein absoluter Skandal. „Das war die hässlichste Presse, die ich je erlebt habe“, erzählt Hespos amüsiert. Die Fachzeitschrift Opernwelt habe „i Opal“ dann allerdings zur Opernuraufführung des Jahres gewählt.

Ein Highlight: Das „Triadische Ballett“

Ein absolutes Highlight der Ausstellung ist ein Filmmitschnitt des „Triadischen Balletts“ als Neueinstudierung des Bayrischen Junior Ballettensembles in der Münchner Staatsoper von 2014, für das Hespos die Musik geschrieben hat. „Das Triadische Ballett“ stammt aus der Feder von Oskar Schlemmer. Entstanden ist die Oper am Bauhaus in Weimar, uraufgeführt wurde sie 1922 in Stuttgart. Die Rekonstruktion und Choreografie stammt von Gerhard Bohner (1977). Die Oper beschäftigt sich mit der korrespondierenden Beziehung zwischen Figur und Raum. Da die Inszenierung etwa eine Stunde dauert, laden Sitzgelegenheiten in der Städtischen Galerie zum Verweilen ein.

Zum Start der Ausstellung spricht am  Sonntag, 10. November, 17 Uhr Hans-Joachim Hespos zum Thema „Das Auge im Ohr“. Am  Montag, traditionell am „11.11.“ geht die Konzertreihe „Neue Musik Delmenhorst“ dann im Theater „Kleines Haus“ in die 50. Runde. Zu Gast wird dort erstmals ein Streichquartett, das Minguet Quartett aus Köln sein. Auf dem Programm stehen Werke von Béta Bartók, Anton von Webern, Gottfried Michael König, Franco Evangelisti und Hans-Joachim Hespos.

Konzert zum 11.11. im Theater „Kleines Haus“

„Das Programm, welches das Ensemble zunächst spielen wollte, hätte man dem Delmenhorster Publikum, das 49 Jahre lang Neue Musik in Hardcore-Form gewohnt ist, nicht zumuten können“, sagt Hespos. So habe er den Aufführenden seine Wunschliste zukommen lassen. Das Ergebnis ist Montag ab 20 Uhr im Theater zu hören. Karten gibt es für 11 Euro im Vorverkauf im Kulturbüro (Rathaus). Eines kann man sich dann mit den Worten Hespos‘ gewiss sein: „Musik ist nicht harmlos.“

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