Künftig können Kunden online erfahren, in welchem Laden und in welchem Regal sie den gesuchten Artikel finden.Fotos: Schlie Künftig können Kunden online erfahren, in welchem Laden und in welchem Regal sie den gesuchten Artikel finden.Fotos: Schlie
Wirtschaft

Künstliche Intelligenz: Revolution in der Umkleide

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In Bremen wird erforscht, wie Läden künstliche Intelligenz einsetzen können.

Ein Märchen wird wahr – fast. Zwar sagt der Spiegel in der Umkleide des Modehauses nicht, wer die Schönste in Bremen ist, wenn die Kundin mit einer neuen Jacke vor ihm steht. Aber er zeigt an, welche Bluse am besten zu dieser Jacke passt.

Das New Yorker Modeunternehmen Rebecca Minkoff testet schon solche intelligenten Umkleidekabinen. In Bremen arbeitet Andreas Wulfes jetzt daran, dass sie künftig in jedem Modegeschäft stehen können. Und nicht nur sie.

Vorteile durch Roboter im Einzelhandel?

Wulfes, Projektleiter beim Bremer Unternehmen Team Neusta, verantwortet das Projekt K4R, Knowledge for Retail: Wissen für den Handel. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier fördert das Vorhaben mit knapp 13 Millionen Euro.

Wulfes will erforschen, wie die Einzelhändler in den Innenstädten, in Einkaufzentren oder Stadtteilen künstliche Intelligenz und Roboter einsetzen können und welche Vorteile sich daraus ergeben – auch für Betreiber kleiner Läden, auch für die Kunden. 14 Institutionen und Unternehmen gehören dem Konsortium um den Bremer Projektleiter an, darunter die Drogeriekette DM sowie das Deutsche Forschungszentrum für künstliche Intelligenz, zwei Fraunhofer Institute und die Universität Bremen. Angeführt wird das Konsortium von Team Neusta.

„Wir wollen Dinge, die der Online-Handel hat, auch dem stationären Handel zu Verfügung stellen“, erklärt Wulfes. Wer online eine Jacke kauft, erhält auch den Hinweis auf Produkte, die dazu passen könnten. Genau das soll künftig dabei die intelligente Umkleide ermöglichen.

Wege des Kunden werden aufgezeichnet

Mehr noch: Verbraucher, die im Internet einen bestimmten Artikel suchen, sollen nicht nur angezeigt bekommen, in welchem Online-Shop sie den bestellen können. Künftig erfahren sie bei der Internetsuche auch, welcher Laden in der Nähe das Produkt anbietet und wo genau es in dem Geschäft steht.

Und der Ladenbetreiber weiß bald besser als bisher, wo er welche Produkte platzieren muss, um möglichst viele davon verkaufen zu können. Denn Kameras zeichnen dann auf, welche Wege die Kunden zuerst einschlagen, wenn sie das Geschäft betreten, vor welchem Regal sie wie lange stehen bleiben, welche Ware sie in die Hand nehmen und welche sie in ihren Einkaufswagen legen. So kann der Händler flugs Tops und Flops erkennen und sein Sortiment stets optimieren.

Zu erkennen sind die Kunden auf den Bildern der Kameras nicht. „Das Fraunhofer Institut hat eine Kamera entwickelt, die alle Daten nur anonymisiert herausgibt“, sagt Wulfes. Gesichter seien nicht zu sehen. Niemand könne anhand der Bilder identifiziert werden.

Regale werden automatisch befüllt

„Es geht darum, Daten so abzulegen, dass autonome Software-Programme sie nutzen können und lernen, daraus Handlungen abzuleiten“, erläutert der Projektleiter. Leert sich ein Regalplatz, erhält ein Roboter einen Impuls, holt aus dem Lager Nachschub und füllt das Regal wieder auf. Wenn nötig, geht automatisch eine Bestellung an den Hersteller hinaus.

Zwar arbeiten schon heute einige Unternehmen mit einem automatisierten Bestellsystem. „Aber das sind Methoden, die nicht alle Daten miteinander kombinieren können“, sagt Wulfes. „Wir wollen dagegen alle Daten miteinander verschmelzen.“ Vielleicht sogar Wetterdaten. Kündigt der Wetterbericht für die nächsten Tage Regen an, werden automatisch mehr Regenschirme bestellt – auch der Preis könnte dann automatisch steigen.

Für jeden Händler nutzbar machen

Von einer allzu dynamischen Preispolitik riet der Modehändler CBR Fashion (Street One, Cecil) jüngst aber ab. Der Kunde erwarte, dass der Preis für eine Hose am nächsten Tag stabil sei.
Ziel des Projekts K4R ist es, für all diese Aufgaben eine Software zu entwickeln, die jeder Händler lizenzfrei nutzen und seinen Wünschen anpassen kann, open source eben, wie der Projektleiter sagt. Dann hätten auch kleine und mittlere Händler die Chance, die Technologie einzusetzen. „Wir werden die Einführung begleiten, Schulungen und Training anbieten“, sagt Wulfes und meint damit Team Neusta, den Konsortialführer des Projekts.

Was wird aus den Verkäufern? „Wir wollen niemandem den Arbeitsplatz wegnehmen“, versichert Wulfes. „Wir wollen den Service für Kunden verbessern.“ Heute kümmerten sich Mitarbeiter häufig ums Auffüllen der Regale, künftig mehr um die Kunden. „Gerade durch die persönliche Beratung“, sagt Wulfes, „hebt sich der stationäre Handel ja vom Online-Handel ab.“

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1 Antwort

  1. Lina Böhm sagt:

    Und wenn man bedenkt, dass die IT mit all diesen Rechenzentren schon heute in etwa genau so viel CO2 erzeugt wie der Flugverkehr, dann sollte man sich doch schämen, wenn man in solche Spiegel schauen muss und dort lieber nicht einkaufen.

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