Momentan werden im Tabakquartier Gewerberäume und Bürolofts gebaut. Künftig sollen in den alten Speichern auch Wohnungen entstehen – „zu kostengünstigen Mieten“, sagte Investor Joachim Linnemann. Foto: Schlie Momentan werden im neuen Tabakquartier Gewerberäume und Bürolofts gebaut. Künftig sollen in den alten Speichern auch Wohnungen entstehen – „zu kostengünstigen Mieten“, sagte Investor Joachim Linnemann. Foto: Schlie
Sozialer Wohnungsbau

Loch auf dem Bremer Wohnungsmarkt

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Bremen hat weiter Aufholbedarf beim sozialen Wohnungsbau - trotz vergleichsweise geringer Durchschnittsmieten.

Die Einschätzung des Bremer Wohnungsmarktes ist vor allem eine Frage der Perspektive. Das wurde am Dienstagabend bei einer Diskussion im Finanzcentrum der Sparkasse Bremen deutlich, zu dem das Diakonische Werk eingeladen hatte. Titel: „Unerhört Sozial! Rennbahn, Kelloggs-Areal, City-Gate: In welcher Stadt wollen wir leben?“

Bremen sei auf einem guten Weg, erklärte etwa der Gewoba-Vorstandsvorsitzende Peter Stubbe. Joachim Linnemann, Geschäftsführer von Justus Grosse sagte sogar: „Es gibt keinen angespannten Wohnungsmarkt in Bremen.“

Bezahlbaren Wohnraum gefordert

Dem widersprach nicht nur Joachim Barloschky, Sprecher des Aktionsbündnisses Menschenrecht auf Wohnen. „Die Leute gucken in ihr Portmonee und stellen fest, dass sie mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für Miete ausgeben müssen. „Wir brauchen mehr bezahlbaren Wohnraum“, forderte er. Dem schlossen sich viele Redner aus dem Publikum an.

Dabei ist die Höhe der Kaltmiete ist dabei nur ein Faktor. Viele Wohnungssuchende hätten aufgrund ihrer Lebensumstände keine Chance eine Wohnung zu finden. „Die Wohnungen aus der Zeitung bekommen Sie nicht, auch wenn Sie sie bezahlen könnten“, sagte ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation. Wer vom Amt käme, würde allein deshalb abgelehnt.

Hermann Schulte-Sasse vom Paritätschen sah sogar die sozialen Unterstützungssysteme in Gefahr: „Der Abfluss funktioniert nicht, weil die Leute keine Wohnungen finden.“

Sozialen Wohnungsbau vernachlässigt

Senatsbaudirektorin Iris Reuther betonte, dass Bremen erst vor sieben Jahren wieder damit begonnen habe, den sozialen Wohnungsbau zu fördern. Es dauere mehrere Jahre bis solche Vorhaben umgesetzt seien.

„Bremen hat das Jahrzehnte vernachlässigt – jetzt ist das anders“, gab ihr Stubbe Rückendeckung. Die Perspektiven beschrieb er hingegen als gut. „Bremen ist privilegiert, weil es viele Konversionsgrundstücke gibt, die genutzt werden können. Andere Städte würden sich freuen, wenn sie die hätten.“

Heiko Strohmann, Bürgerschaftsabgeordneter der CDU, mahnte nicht nur die Extreme Reich und Arm im Blick zu haben, sondern auch an die Mittelschicht zu denken. „Was mir aufstößt ist, dass in Bremen kein bauträgerfreies Bauen möglich ist.“ Man leiste sich den Luxus, deshalb Leistungsträger nach Niedersachsen abwandern zu lassen.

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